Schülerin Maria Karl will später Tierärztin für Nutztiere werden.
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Großtierärzte dringend gesucht!

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Zu wenig Landtierärzte in Bayern: Hilft eine Studienplatzquote?

Zu wenig Landtierärzte in Bayern: Hilft eine Studienplatzquote?

Persönliche Eignung und nicht das Einser-Abitur entscheiden bei der Landtierarztquote darüber, wer einen Tiermedizin-Studienplatz in München bekommt. Dafür müssen sich Studierende verpflichten, zehn Jahre in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Bayern am .

Freiwillig hilft die 17-jährige Maria Karl aus Frontenhausen immer wieder mit, wenn Tierärztin Marina Beisl auf Höfen unterwegs ist. Als Praktikantin hört sie bei Kälbern Herz und Lunge ab oder reicht der Tierärztin die Instrumente. Der Schülerin gefällt die Abwechslung und sie kann sich gut vorstellen, selbst Tierärztin zu werden. Doch für einen Studienplatz braucht sie ein Einser-Abitur. Dabei gibt es gerade auf dem Land immer weniger Großtierärzte. Könnte die Landtierarztquote eine Lösung sein?

Tierärztemangel vor allem in Nordbayern

Weite Teile Nordbayerns sind mittlerweile unterversorgt mit Großtierärzten. Vor zehn Jahren gab es in Bayern noch 1.200 Tierärztinnen und Tierärzte. Heute sind es noch 740. Gründe dafür sind die hohen Belastungen: weite Fahrtstrecken zu den Höfen, immer erreichbar sein für Notfälle oder die körperliche Belastung bei der Arbeit an Bullen, die gern mal mehr als eine Tonne wiegen. Vor allem die 24/7-Notdienste sind schwer vereinbar mit Kindern und Familie.

Der Ansturm auf die Studienplätze für Tiermedizin ist zwar groß, aber viele Absolventinnen gehen danach in Kleintierpraxen oder zu Behörden – und fehlen im Stall.

Landtierarztquote: Ein Mosaikstein zur Behebung des Mangels

Deshalb hält auch die Präsidentin der Bayerischen Landestierärztekammer Iris Fuchs die sogenannte Landtierarztquote für eine gute Sache. Andere Bundesländer beneideten Bayern um diese neue Regelung, so Fuchs. Sie sieht es positiv, dass durch die Quote Tierärztinnen und Tierärzte gewonnen werden können, die den Numerus Clausus nicht erfüllen. Sie setzt sich jetzt dafür ein, dass die Bedarfsgebiete auf Regierungsbezirksebene ausgewiesen werden. Denn noch steht nicht genau fest, wie unterversorgte Gebiete genau definiert werden. Das soll bis 2030 geschehen.

Beim Auswahlverfahren für einen der Quotenstudienplätze gibt es Bonuspunkte unter anderem für eine einschlägige Ausbildung wie Landwirtin oder Tierpfleger und für Praktika. Wichtig sind auch Auswahlgespräche und ein praktischer Teil. Und es werden auch nur fünf von über 300 Tiermedizin-Studienplätzen in München über die Landtierarztquote vergeben. Die Quote kann also nur ein kleiner Mosaikstein bei der Behebung des Tierärztemangels sein.

Eine junge Frau streichelt ein Kalb in einem Stall
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Schülerin beim Praktikum im Kälberstall

Kritik an der langen Verpflichtung

Tierarzt Josef Beisl betreibt seine Praxis mit seiner Tochter Marina. Er sieht die Landtierarztquote ebenfalls positiv. Er kritisiert allerdings, dass sich die jungen Leute für zehn Jahre festlegen müssen, in einer Großtierpraxis zu arbeiten. Mit dem sechsjährigen Studium geht es sogar um 16 Jahre. Schwierig findet er außerdem, dass sie in unterversorgte Gebiete verwiesen werden können: "Ob man da arbeiten will oder nicht, das widerspricht dem freien Beruf, wie ich mir das als Tierarzt vorstelle."

Auch Landwirte begrüßen die Landtierarztquote

Für Landwirt Anton Sporrer aus Simbach am Inn ist entscheidend, ob jemand mit Herzblut und Leidenschaft seinen Beruf ausübt und weniger ein Abitur von 1,0. Man solle auch denen, die so eine Note nicht schaffen, eine Chance geben, den Traumberuf zu ergreifen.

Andere Lösungen: Größere Praxen mit angestellten Ärzten

Marina und ihr Vater Josef Beisl haben bei ihrer Praxis die richtigen Stellschrauben für die Zukunft gefunden. Sie haben fünf Tierärztinnen angestellt, so dass sich etwa Bereitschaftszeiten wie Nacht- und Wochenenddienste auf viele Schultern verteilen. Außerdem bieten sie flexible Arbeitszeitmodelle an, die vor allem Müttern zugutekommen.

Und sie nehmen viele Praktikantinnen und Praktikanten auf, um sie für den Beruf zu gewinnen, so wie die Schülerin Maria Karl. Sie ist eine gute Schülerin und es könnte durchaus sein, dass sie ein Einser-Abitur schafft. Die Landtierarztquote findet sie trotzdem gut, weil sie den Stress verringert und mehr auf die persönliche Eignung der Studienbewerber geschaut wird. Vielleicht entscheidet sich Maria ja nach dem Abitur dann für Veterinärmedizin. Und vielleicht teilt sie dann die Meinung der Beisls, dass Tierarzt der schönste Beruf der Welt ist.

Die Bewerbungsfrist für Tiermedizinstudienplätze an der LMU München im Rahmen der Landtierarztquote läuft noch bis 28. Februar 2026.

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