Bald werden die Tage wieder länger und das Leben spielt sich wieder draußen ab – auf der Terrasse oder im Garten. Dumm nur, wer dabei auf dem Präsentierteller für Nachbarn oder Passanten sitzt. Sichtschutz ist für viele ein Muss, um sich vor neugierigen Blicken zu schützen. Lange Zeit war Kirschlorbeer dafür die erste Wahl. Seine Vorzüge: immergrün, günstig, schnell dicht gewachsen und hübsch anzusehen. Außerdem stellt er kaum Ansprüche an Boden und Standort. Doch genau dieser Gartenliebling gerät zunehmend unter Druck – und das aus guten Gründen.
Warum soll Kirschlorbeer aus Gärten entfernt werden?
Kirschlorbeer sieht zwar sattgrün aus und schützt vor neugierigen Blicken, ökologisch ist er aber fast wertlos. Seine Blätter sind giftig, für die meisten Raupen ungenießbar, und die Blüten liefern kaum Nektar für Bienen oder andere Insekten. Wer Kirschlorbeer pflanzt, bekommt zwar einen dichten Sichtschutz, aber keinen Lebensraum für Tiere. In Zeiten des Insektensterbens ist das ein wachsendes Problem. Eine ideale Hecke sollte nicht nur Schutz bieten, sondern auch Nahrung wie Nektar, Pollen, Früchte und Blätter, die von Schmetterlingsraupen gefressen werden können.
Kirschlorbeer verbreitet sich über Vögel
Dazu kommt: Kirschlorbeer bleibt nicht dort, wo er gepflanzt wurde. Vögel fressen die Beeren und verbreiten die Samen über ihren Kot. So taucht der Strauch inzwischen auch in Wäldern auf, an Böschungen oder am Waldrand. Dort wächst er dicht, beschattet den Boden ganzjährig und verdrängt heimische Pflanzen. Junge Bäume, Kräuter und Sträucher bekommen kaum Licht. Genau deshalb gilt Kirschlorbeer in Deutschland als potenziell invasiv – also als Art, die sich unkontrolliert ausbreiten kann.
Ist Kirschlorbeer im Garten überhaupt erlaubt?
Aktuell ja. Ein generelles Verbot gibt es in Deutschland noch nicht. Allerdings greifen immer mehr Kommunen durch. In neuen Baugebieten wird Kirschlorbeer teils ausgeschlossen, manche Städte verbieten ihn über Gestaltungssatzungen. Der Trend geht klar weg von problematischen Gehölzen hin zu heimischen Alternativen. Wer heute neu pflanzt, sollte sich darauf einstellen, dass Kirschlorbeer langfristig aus dem öffentlichen Raum verschwinden könnte.
Die Schweiz ist da einen Schritt weiter. Seit September 2024 darf Kirschlorbeer dort nicht mehr verkauft, verschenkt oder importiert werden, weil er als invasive Art gilt, die heimische Ökosysteme bedroht.
Praktische Gründe gegen Kirschlorbeer
Neben ökologischen Gründen sprechen auch praktische Argumente gegen Kirschlorbeer. Seine blausäurehaltigen Blätter sind nahezu unkompostierbar, und sein Schnittgut landet immer wieder illegal in der Landschaft oder im Wald – ein weiterer Weg, wie sich Kirschlorbeer ungewollt verbreitet.
Außerdem muss die Hecke immer wieder nachgeschnitten werden. Da bei einem Schnitt mit der elektrischen Heckenschere die angesägten Blätter braun werden, müssen Gärtnerinnen und Gärtner tatsächlich zur Handschere greifen, schreibt der Naturschutzbund (NABU) (externer Link).
Welche Pflanzen gibt es als Alternativen für Kirschlorbeer?
Was also tun, wenn man Sichtschutz will, aber keinen Kirschlorbeer? Es gibt viele Alternativen. Heimische Heckenpflanzen wie Liguster, Kornelkirsche, Hainbuche oder Rotbuche wachsen dicht, lassen sich gut schneiden und bieten echten Mehrwert für Natur und Tiere. Sie geben Nahrung für Insekten, Vögel und andere Gartenbewohner. Auch wenn sie im Winter nicht komplett blickdicht sind, gleichen sie das durch ökologische Vorteile locker aus.
Für kleinere Gärten oder bei wenig Platz eignen sich Zäune aus unbehandeltem Holz, kombiniert mit heimischen Kletterpflanzen wie Efeu, Waldgeißblatt, Hopfen oder Clematis. Diese Lösungen bieten Privatsphäre, sehen attraktiv aus und sind deutlich naturfreundlicher als Kirschlorbeer.
Im Video: Wird Kirschlorbeer in Bayern bald verboten?
quer vom 23.05.2024
Dieser Artikel ist erstmals am 26. Januar 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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