(Symbolbild) Schüler einer Grundschule sitzen in einer Schulstunde in ihrem Klassenzimmer.
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Die PISA-Studie zeigt heute wie schon vor 25 Jahren: In Deutschland bestimmt die soziale Herkunft stark den Erfolg von Kindern in der Schule mit.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Bernd Weißbrod
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Die PISA-Studie zeigt heute wie schon vor 25 Jahren: In Deutschland bestimmt die soziale Herkunft stark den Erfolg von Kindern in der Schule mit.

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Nach PISA: Warum Bildung in Deutschland immer noch ungerecht ist

Nach PISA: Warum Bildung in Deutschland immer noch ungerecht ist

Schon die ersten PISA-Ergebnisse vor 25 Jahren zeigten: In Deutschland hat die soziale Herkunft von Kindern großen Einfluss auf ihren Erfolg in der Schule. Warum gelingt es nicht, Unterschiede zwischen den Elternhäusern auszugleichen?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

125 Punkte: So groß ist in den aktuellen PISA-Ergebnissen der Abstand zwischen Jugendlichen aus privilegierten und sozial benachteiligten Familien bei den Leistungen in den Naturwissenschaften in Deutschland. Seit 2015 ist diese Kluft hierzulande größer geworden, im OECD-Durchschnitt dagegen kleiner. Der Soziologe Marcel Helbig vom Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg hat in einer Studie (externer Link) untersucht, wie stark die soziale Herkunft den Bildungserfolg prägt, von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter.

Bildungslücke beginnt im Vorschulalter: Familienleben prägt Chancen

Bereits bei Dreijährigen lassen sich Unterschiede im Wortschatz feststellen, je nachdem, aus welchem Elternhaus sie kommen. "Bei Vierjährigen zeigen sich Unterschiede auch bei ersten mathematischen Fähigkeiten. Bis zum Schuleintritt werden die Unterschiede immer größer und haben dann fast schon ihr Maximum erreicht", erklärt Helbig. Das heißt: Die Unterschiede entstehen nicht erst in der Schule. Dort gelingt es später aber kaum, diese Unterschiede wieder abzubauen. Kinder aus allen sozialen Gruppen lernen dazu, der Abstand zwischen ihnen bleibt aber weitgehend bestehen.

Schon im Alltag zeigt sich, wie solche Unterschiede entstehen: In manchen Familien wird viel vorgelesen und gemeinsam unternommen, die Kinder gehen zum Sportverein oder in die Musikschule. Andere Familien haben dafür weniger Möglichkeiten, etwa weil es an Zeit und Geld mangelt. Dabei geht es nicht um das individuelle Handeln einzelner Eltern, sagt Soziologe Helbig. Die Unterschiede im Familienleben bestehen zwischen sozialen Gruppen und lassen sich statistisch belegen.

Mehr Ungleichheit an weiterführenden Schulen

Die frühe Aufteilung nach der vierten Klasse auf verschiedene Schulformen, die in vielen Bundesländern üblich ist, verstärkt das Problem. Helbigs Untersuchungen zeigen: Kinder aus weniger privilegierten Familien bekommen in der vierten Klasse bei gleichen Leistungen im Schnitt schlechtere Noten. Ihnen wird seltener das Gymnasium empfohlen und selbst mit einer Empfehlung wechseln sie seltener dorthin. Das Bildungssystem selbst verstärkt die Ungleichheit an dieser Stelle also zusätzlich.

Viel versucht – aber Ungleichheit bleibt

Schon die erste PISA-Studie vor 25 Jahren stellte fest, dass in Deutschland die Herkunft über den Bildungserfolg entscheidet. Danach wurde viel verändert. Die Ganztagesschule wurde ausgebaut, Kindertagesstätten stärker mit Grundschulen verknüpft, frühe Sprach- und Leseförderung eingeführt. Trotzdem ist die soziale Ungleichheit groß geblieben.

Kai Maaz, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) in Frankfurt am Main, kritisiert: In den vergangenen Jahren seien viele Projekte, Programme und Reformen gestartet worden. Diese sind aber oft nicht langfristig gedacht und nicht ausreichend miteinander verzahnt. Besonders deutlich zeige sich das bei der Ganztagesbetreuung. Lange ging es vor allem um die Frage "Wie viele Plätze brauchen wir?" und weniger darum, was dort eigentlich pädagogisch passiert. Ein Betreuungsplatz allein gleicht aber keine Leistungsunterschiede aus. Dafür braucht es gezielte Förderung.

Frühe Förderung am wichtigsten

Auch der beste Unterricht kann soziale Probleme nicht ausgleichen. Maaz beschreibt als Beispiel eine Klasse mit 25 Kindern: Einige fehlen, andere sind völlig unausgeschlafen, manche haben nichts gegessen, wieder andere kämpfen mit großen Problemen in der Familie. Unter solchen Bedingungen stoßen Lehrkräfte schnell an Grenzen. Schulen bräuchten dann etwa multiprofessionelle Teams.

Das eine Patentrezept gegen soziale Ungleichheit gibt es nicht, aber viele einzelne Möglichkeiten: Kinder später auf unterschiedliche Schulformen aufteilen. Ganztagesbetreuung so gestalten, dass Kinder dort wirklich gefördert werden. Lehrkräfte stärker unterstützen. Und vor allem früher beginnen, dem Leistungsunterschied entgegenzuwirken.

Soziologe Helbig hält den frühkindlichen Bereich für den wichtigsten Ansatzpunkt. Denn je früher Kinder gefördert werden, desto weniger muss die Schule später aufholen. PISA macht erst im Alter von 15 Jahren sichtbar, wie groß die Unterschiede sind. Entstanden sind viele davon aber schon Jahre zuvor.

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