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Knuddeln, streicheln, gemeinsam spielen. Der Kontakt mit Hunden kann eine positive Auswirkung auf Menschen haben – das gilt nicht nur für deren Besitzer. Sogenannte Besuchshunde bringen die Freuden des Tierkontakts zu Menschen in Kindergärten, Pflegeeinrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Altersheime und Hospize. So auch im Fröbel-Haus für Kinder im Schimmelweg in München. Laut der Kindergartenleiterin Anita Gerdes-Elm sind die Besuche der freundlichen Vierbeiner für die Kinder "immer ein Aha-Erlebnis". Ob ängstlich oder mutig, die Kinder nähern sich dem Hund in ihrem Tempo an. Manche, denen es nicht so leicht fällt, sich auszudrücken, finden laut Gerdes-Elm in ihrem tierischen Besucher sogar jemanden zum Reden.
Neben den Besuchten zeigte sich auch die BR24-Community auf Instagram von den Besuchshunden begeistert. Zu einem Reel, in dem Dackel "Lumpi" seine Besuchsrunde im Hospiz in Germering bei München absolviert, gab es Hunderte Kommentare. Dabei kam auch immer wieder die konkrete Frage: Können mein Hund und ich auch helfen? So kommentierte ein User: "Was ist die Voraussetzung? Würde sowas auch gerne machen." Ein anderer: "Ich würde meine Hündin gerne dafür ausbilden lassen. Leider weiß ich nicht, wo ich mich da melden kann. Könnte mir jemand helfen?"
Hunde müssen Menschen gegenüber "positiv sein"
Im Gespräch mit BR24 stellt Stefanie Tschyschewsky, Staffelleiterin der Besuchshunde des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) in München, erst einmal klar: "Es ist wichtig, dass Menschen sich sozial engagieren. Und genau das ist es ja. (…) Wenn ich das noch mit meinem Haustier verbinden kann, dann finde ich das etwas total Erstrebenswertes und Wunderschönes."
Ein Besuchshund sei ein Teil von therapiegestützter Intervention, besonders bekannt seien in diesem Bereich zum Beispiel Therapiehunde. Der Unterschied sei, dass zu einem Therapiehund immer auch ein Therapeut gehöre. Der Besuchshund hingegen sei ein niederschwelliges Angebot: "Menschen mit völlig anderen Berufen entscheiden sich ehrenamtlich, mit ihrem Hund in verschiedene Einrichtungen zu gehen."
Auch wenn es sich um ein niedrigschwelliges Angebot handelt: Ein Hund, der Besuchshund werden soll, muss erst einmal gewisse Voraussetzungen erfüllen. Die Wichtigste: "Der Hund muss positiv gegenüber Menschen sein. Ganz grundsätzlich. Und dann ist er erstmal sehr wahrscheinlich geeignet." Ob der Hund eher gemütlich und kuschelig oder aufgedreht und lustig sei, sei nicht ausschlaggebend, da jeder Einsatz individuell ablaufen würde. Bedarf für einen Labrador, der gerne geworfene Stöcke apportiert, sei genauso da wie für einen Dackel, der gerne schnuppert.
Junge Hunde, die noch nicht die Pubertät durchlaufen haben und sich charakterlich noch verändern könnten, kommen noch nicht für den Job infrage. Sogenannte Listenhunde (als potenziell gefährlich geltende Tiere) können nicht an der Ausbildung teilnehmen.
Auch der Mensch ist gefragt
Besuchshund sein, ist nicht nur ein Job für einen Hund. Mindestens genauso wichtig ist der Besitzer. "Besuchshundedienst ist fast irreführend. Genau genommen bedeutet das: Menschen arbeiten mit Menschen und wir haben unseren Hund mit dabei", sagt Tschyschewsky. Dementsprechend gibt es auch Voraussetzungen für Menschen, die mit ihrem Hund ein Besuchsteam bilden wollen. Vor allem die Empathie im Umgang mit anderen Menschen muss gegeben sein, denn es handelt sich um ein soziales Ehrenamt.
Ausbildungen für Besuchshunde gibt es nicht nur beim ASB, unter anderem Hundeschulen bieten solche vereinzelt ebenfalls an. Die Ausbildung beim ASB verlangt von den Interessierten vor allem Zeit. Da es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit, auch der Trainer, handelt, kommen dort allerdings keine finanziellen Aufwendungen hinzu. Eine solche Ausbildung dauert rund neun Monate, in denen alle zwei Wochen einmal gemeinsam trainiert wird. Besonderes Augenmerk liegt darauf, den eigenen Hund verstehen zu lernen und ihn "lesen" zu können. Am Ende steht eine Abschlussprüfung. Erst dann können neue Mensch-Hund-Teams auch in den Einsatz vor Ort.
Eine gute Ausbildung ist wichtig
Zwar seien die Ressourcen der Ehrenamtler beim ASB begrenzt, man habe sich aber auch bewusst dazu entschieden, zweimal im Jahr Ausbildungen für acht Mensch-Hund-Teams anzubieten. Tierwohl, Ethik und Verhaltensbeobachtung nehmen einen wichtigen Teil der Ausbildung ein.
Tschyschewsky bedauert, dass es in Bayern noch keine rechtlichen Leitlinien für Besuchshunde gibt. Auch wenn es prinzipiell wünschenswert sei, dass mehr Menschen und Tiere sich in diesem Ehrenamt einbringen, warnt sie vor Schnellschüssen. Man müsse auf jeden Fall ein Bewusstsein dafür haben, dass man nicht einfach mit seinem Hund losspazieren könne und es würde schon funktionieren. Ohne gute Ausbildung sei ein Einsatz zwar möglich, aber unverantwortlich. "Weil sich der Hund in der Situation womöglich gar nicht so wohlfühlt, wie man das im ersten Moment selbst einschätzt."
Im Audio: Wie wird der Hund zum Besuchshund?
Besuchshunde und ihre Besitzer profitieren von einer ordentlichen Ausbildung.
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