Ammen-Dornfinger-Männchen: Ursprünglich kommt die giftige Spinnenart aus Südeuropa, doch aufgrund des Klimawandels ist sie mittlerweile auch in Deutschland heimisch geworden.
Ammen-Dornfinger-Männchen: Ursprünglich kommt die giftige Spinnenart aus Südeuropa, doch aufgrund des Klimawandels ist sie mittlerweile auch in Deutschland heimisch geworden.
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Eine Folge des Klimawandels: Der ursprünglich aus Südeuropa kommende Ammen-Dornfinger ist mittlerweile auch in Deutschland heimisch.
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Eine Folge des Klimawandels: Der ursprünglich aus Südeuropa kommende Ammen-Dornfinger ist mittlerweile auch in Deutschland heimisch.

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Wie gefährlich ist die giftige Ammen-Dornfingerspinne?

Wie gefährlich ist die giftige Ammen-Dornfingerspinne?

Der Name klingt merkwürdig – und ja, die Spinne ist giftig. Trotzdem ist der Ammen‑Dornfinger für Menschen ungefährlich, auch wenn ein Biss schmerzhaft ist. Die aus Südeuropa stammende Spinne breitet sich in Deutschland aus. Das sollten Sie wissen.

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Bisher beschränkte sich die Angst vor Spinnen hierzulande bei den meisten Menschen auf ein massives Ekelgefühl. Denn gefährlich sind hiesige Spinnenarten für den Menschen in der Regel nicht. Allerdings breiten sich manche – auch giftige – Spinnenarten aus anderen Ländern immer weiter aus.

Auch der Ammen-Dornfinger, der ursprünglich aus Südeuropa kommt, ist schon seit den 1950er-Jahren in Deutschland ansässig. Wegen steigender Temperaturen breitet er sich hierzulande immer mehr aus – vor allem in Ost- und Südwestdeutschland, unter anderem in Brandenburg und im Saarland. In Bayern ist er bisher seltener nachgewiesen, kommt dort aber ebenfalls vor. Ein Grund zur Sorge ist das trotzdem nicht. Der Ammen-Dornfinger gehört zwar zu den giftigen Spinnenarten, ist aber für den Menschen nicht lebensgefährlich.

Wie sieht die Ammen-Dornfingerspinne aus?

Eine Begegnung mit dem Ammen-Dornfinger ist - noch - relativ selten, denn er ist nachtaktiv und scheu. Zudem versteckt sich die mit etwa 1,5 Zentimetern Körperlänge relativ große rötlich-braun-gelbe Spinne in hohem Gras, aber auch in wenig genutzten Agrarflächen und begrünten Weg- und Waldrändern.

Wie kommt der Ammen-Dornfinger zu seinem Namen?

Der Ammen‑Dornfinger verdankt seinen Namen dem fürsorglichen Verhalten des Weibchens: Es bleibt beim Nest, bewacht und verteidigt die Eier und später die Jungspinnen wie eine kleine Amme. Die Spinne selbst lebt nur ein Jahr. Männchen tauchen im Frühsommer auf, paaren sich und sterben kurz darauf. Die Weibchen legen im August 80 bis 300 Eier in ein großes Brutgespinst und bleiben während der Aufzucht fast ununterbrochen bei ihrem Nachwuchs. Sobald die Jungspinnen das Nest verlassen, stirbt das Weibchen meist an Erschöpfung, während die Jungen eigene kleine Gespinste bauen, um sicher zu überwintern und im nächsten Jahr die Art fortzusetzen, schreibt POLLICHIA - Verein für Naturforschung, Naturschutz und Umweltbildung e.V. (extener Link).

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Die Weibchen legen im August 80 bis 300 Eier in ein großes Brutgespinst und bleiben während der Aufzucht fast ununterbrochen bei ihrem Nachwuchs.

Zurückhaltende Giftspinne - nur bei Bedrohung im Angriffsmodus

An sich ist der Ammen-Dornfinger ein harmloses Tier. Angriffslustig wird er nur, wenn er sich oder seine Brut bedroht fühlt. Dann beißt er zu und kann sogar die menschliche Haut mit seinen kräftigen Kieferklauen durchdringen. Die meisten heimischen Spinnenarten können das nicht, aber einige eingewanderte, mittlerweile bei uns heimisch gewordene Spinnen – etwa auch die Nosferatu-Spinne – können das.

Der Biss der Spinne: unangenehm, aber ungefährlich

Sollte die Spinne doch einmal zugebissen haben, ist das kein Grund zur Panik. Der Biss eines Ammen-Dornfingers soll sich wie ein Wespenstich anfühlen, sagen Betroffene. Es können dann folgende Symptome auftreten:

  • Die Gliedmaßen können anschwellen.
  • Rötung, Schmerzen und lokale Entzündungsreaktionen sind möglich.
  • In sehr seltenen Fällen können außerdem Fieber, Kreislaufprobleme, Schwindel, Schüttelfrost oder Erbrechen auftreten.

Alle Symptome klingen nach spätestens zwei bis drei Tagen wieder ab, heißt es unter anderem auf der Internetseite des Naturschutzbundes Baden-Württemberg (externer Link).

Spinnengift für die Medizin

Untersucht wird, inwieweit das Gift des Ammen-Dornfingers in der Medizin verwendbar ist, wie zum Beispiel auch Bienengift. Das Gift des Ammen-Dornfingers scheint verschiedene Zelltypen zu schädigen scheint, sagt Tim Lüddecke, Biochemiker und Zoologe. "Daraus ergeben sich mögliche Anwendungen bei Krankheiten, die auf Zellebene basieren - zum Beispiel in der Tumortherapie oder auch in der Gewebechirurgie." All das ist noch Gegenstand der Forschung, da die Gifte in ihrer Wirkweise noch nicht ausreichend verstanden sind.

Was tun, wenn man einem Ammen-Dornfinger begegnet?

  • Verhaltensregel 1: Streifen Sie in den Sommermonaten nicht durch hohes Gras, wo sich die Tiere versteckt halten können.
  • Verhaltensregel 2: Halten Sie bei Spaziergängen Ausschau nach Gespinnsten. Sie sind meist in Gräsern auf Hüfthöhe zu finden.
  • Verhaltensregel 3: Bewahren Sie nach einem Biss Ruhe und beginnen Sie nicht, an der Bissstelle zu kratzen. Der Naturschutzbund Brandenburg (externer Link) empfiehlt sogar, die Spinne, wenn möglich, zur genauen Identifikation einzufangen und mit zum Arzt zu nehmen.

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