23.04.2026, Bad Woerishofen in Bayern, Spritpreisanzeige an einer Freien V-Markt-Tankstelle in Bad Wörishofen (Unterallgaeu), der Diesel kostet 2,07 Euro. Super-Benzin E10 1,99 Euro pro Liter. Super 2,05 EURO.
23.04.2026, Bad Woerishofen in Bayern, Spritpreisanzeige an einer Freien V-Markt-Tankstelle in Bad Wörishofen (Unterallgaeu), der Diesel kostet 2,07 Euro. Super-Benzin E10 1,99 Euro pro Liter. Super 2,05 EURO.
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Archivbild 24. April: Spritpreisanzeige an einer Freien V-Markt-Tankstelle in Bad Wörishofen
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12-Uhr-Regel an Tankstellen: Bringt sie überhaupt etwas?

12-Uhr-Regel an Tankstellen: Bringt sie überhaupt etwas?

Die Spritpreise steigen weiter – zwar nur noch einmal am Tag, dafür aber umso stärker. Hat die 12-Uhr-Regel damit ihr Ziel verfehlt? Und wie könnte sich die Lage in den kommenden Monaten entwickeln? Ein Überblick über Ursachen und mögliche Folgen.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Die Regel, nach der Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich um 12 Uhr erhöhen dürfen, zeigt offenbar unerwartete Effekte: Ein Team von Wirtschaftsexperten des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) am ZEW Mannheim (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) hat herausgefunden, dass Mineralölkonzerne höhere Gewinne erzielen, während Autofahrer weiterhin hohe Preise zahlen – teils sogar höhere als vor der Einführung der Regulierung.

Sprit durch 12-Uhr-Regel noch teurer

"Seit der Einführung der 12-Uhr-Regel sind die Benzinpreise pro Liter um bis zu sechs Cent gestiegen", erklärt Leonard Gregor vom DICE-Institut. Eine eindeutige Begründung für diesen Anstieg gibt es bislang nicht. Den beobachteten Effekt beschreibt er so: Tankstellen setzen ihre Preise vorsichtshalber höher an, da sie diese im Tagesverlauf zwar senken, aber nicht mehr erhöhen dürfen. Dadurch steigt im Durchschnitt das Preisniveau.

Ölkonzerne profitieren

"Insbesondere bei Benzin sind die Gewinnmargen erheblich gestiegen", sagt Leona Jung vom DICE. Die Mineralölkonzerne profitieren somit von der aktuellen Lage. Bastian Hambalgo vom ADAC Südbayern ordnet das so ein: "Nicht jede Preissteigerung lässt sich durch gestiegene Ölpreise erklären. Das deutet darauf hin, dass einige Konzerne eher wirtschaftlichen Interessen folgen, als faire Preise zu gestalten." Auffällig sei auch, dass Preise in Krisensituationen schnell steigen, aber nur langsam wieder sinken.

Floppt die 12-Uhr-Regel in Deutschland?

ADAC-Sprecher Hambalgo bezweifelt, dass die ursprüngliche Idee der Regel eine direkte Entlastung der Verbraucher war: "Die Hoffnung war natürlich da, aber in erster Linie soll die Regel den Spritmarkt transparenter und stabiler machen." Zumindest in einem Punkt habe sie Wirkung gezeigt: "Es kann nicht mehr passieren, dass ich in einer Preisvergleichs-App nachsehe und zwei Minuten später an der Tankstelle plötzlich zehn Cent mehr pro Liter zahlen muss."

Bringt die 12-Uhr-Regel in Österreich mehr?

In Österreich gilt eine ähnliche Regelung bereits seit rund 15 Jahren. Dennoch steigen auch dort aktuell die Preise. Zeitweise durften sie deshalb nur noch dreimal pro Woche erhöht werden.

Ein Unterschied zu Deutschland: "In Österreich werden nur 50 Prozent der günstigsten Tankstellen in den Preis-Apps angezeigt", erklärt Gregor. Das erhöhe den Wettbewerbsdruck unter den Anbietern, überhaupt gelistet zu werden: "Das könnte auch hierzulande ein zusätzlicher preisdämpfender Faktor sein."

Was müsste passieren, damit die Preise sinken?

"Ein Ende des Konflikts im Iran würde den Ölpreis vermutlich wieder sinken lassen", sagt ADAC-Sprecher Hambalgo. Ökonom Gregor ergänzt: "Deutschland verfügt über wenig eigenes Öl. Durch die Sperrung der Straße von Hormus fehlen derzeit etwa 20 bis 25 Prozent des weltweiten Angebots." Sollte sich die Lage entspannen, könnten die Preise deutlich zurückgehen. Wie schnell das geschieht und ob das Vorkrisenniveau erreicht wird, sei jedoch schwer vorherzusagen.

Tankrabatt erreicht nur einen Teil der Verbraucher

Bereits 2022 zeigte eine Studie von Leonard Gregor von DICE, dass ein Tankrabatt nur bei etwa 50 bis 60 Prozent der Verbraucher ankommt: "Ob sich das wiederholt, ist unklar. Grundsätzlich ist ein Tankrabatt aber ein ungenaues Instrument", sagt er. Besonders profitieren Menschen mit hohem Spritverbrauch – also Vielfahrer oder Besitzer verbrauchsintensiver Fahrzeuge. Haushalte mit geringerem Verbrauch hätten entsprechend weniger davon.

Senkung der Energiesteuer ab 1. Mai

Ein Lichtblick ist laut ADAC-Sprecher Hambalgo die zum 1. Mai geplante Senkung der Energiesteuer: "Das führt idealerweise zu einer Preissenkung von etwa 17 Cent pro Liter." Gleichzeitig fordert er: "Diese Entlastung muss unbedingt bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen. Dafür sollte die angekündigte Verschärfung des Kartellrechts umgesetzt werden."

Im Zuge der 12-Uhr-Regel habe das Bundeskartellamt zusätzliche Möglichkeiten erhalten, die Mineralölkonzerne strenger zu kontrollieren. Unternehmen müssten beispielsweise begründen, warum Preise steigen. Hambalgo fordert, dass diese Befugnisse konsequent genutzt werden.

BR24 auf Instagram: Homeoffice gegen hohe Spritpreise?

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