Die Regel, dass Tankstellen ihre Preise nur einmal am Tag, um 12 Uhr, erhöhen dürfen, sollte eigentlich zu Spareffekten für die Kundinnen und Kunden führen. Doch eine Studie zeigt jetzt, dass die Regel der Mineralölindustrie sogar zusätzliche Gewinne verschafft. Beim Superbenzin lag die Gewinnmarge in den ersten zwei Wochen laut Studie im Schnitt um 6 Cent pro Liter höher als in den zwei Wochen davor. Beim Diesel gab es keinen belegbaren Effekt. Die Studie stammt vom ZEW Mannheim (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) und dem Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE).
Preisanstieg im Süden Deutschlands besonders deutlich
"Das Maßnahmenpaket hat bisher nicht dazu geführt, das Preisniveau zu senken. Insbesondere bei Benzin stiegen die Gewinnmargen erheblich", sagt Autorin Leona Jung vom DICE. Bei Diesel hätten die Margen im Beobachtungszeitraum stark geschwankt, sagt Mitautor Jacob Schildknecht vom ZEW. Daher lasse sich der Anstieg dort aktuell nicht belastbar quantifizieren. Es deute aber einiges darauf hin, dass es auch bei Diesel einen Effekt geben könnte.
Wie stark die Effekte sind, kommt aber auf Region und Tankstellengröße an. Bei kleineren Ketten und unabhängigen Anbietern ermittelten die Forscher die größten Margenanstiege, bei großen Ketten die kleinsten. Regional waren die Effekte in Süddeutschland besonders stark. Das könnte am höheren Pro-Kopf-Einkommen liegen, das eine höhere Zahlungsbereitschaft der Kundinnen und Kunden nahelegt, vermuten die Forschenden. Ein weiterer Faktor könnten auch regionale Unterschiede in den Lieferketten und bei der Rohölbeschaffung sein.
Sorge vor höheren Spritpreisen bestätigt
Basis der Studie waren Preisdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe in den 14 Tagen vor und nach der Reform, die am 1. April in Kraft getreten ist. Um die Gewinnmargen zu berechnen, verglichen sie die Nettopreise mit den Großhandelspreisen aus der europäischen Handelsregion Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen.
Schon im Vorfeld der Einführung der 12-Uhr-Regel hatte es Kritik und die Befürchtung gegeben, dass das aus Österreich übernommene Modell eher zu höheren Spritpreisen führen könne, weil die Preise auf Vorrat erhöht würden.
Mit Informationen von dpa
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