Wie geht die Stadt Nürnberg mit den baulichen Relikten aus der NS-Zeit um? Darüber wird seit Jahrzehnten diskutiert. Teile des Reichsparteitagsgeländes werden jetzt umgestaltet. Dafür gibt es eine Millionenförderung. Zwei Schecks über zusammen 127 Millionen Euro wurden von Bund und Freistaat Bayern am Freitag der Stadt Nürnberg überreicht.
Monumentale NS-Bauten wurden nie fertiggestellt
Die Kongresshalle in Nürnberg ist eines der größten, monumentalen Bauwerke Deutschlands aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das riesige, hufeisenförmige Gebäude sollte Eindruck hinterlassen, wurde aber nie ganz fertig gestellt. Von 1933 bis 1938 hielten die Nationalsozialisten im Nürnberger Südosten jährlich ihre Reichsparteitage ab. Mit Kunst und Kultur sollen Teile des Reichsparteitagsgeländes in Zukunft einen Gegenentwurf zur NS-Ideologie darstellen, so sieht es die Stadt Nürnberg.
Bund und Freistaat geben 127 Millionen Euro
Der Freistaat Bayern und der Bund haben einen millionenschweren Förderbescheid für Teile des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes an die Stadt Nürnberg übergeben. Insgesamt sollen 127,5 Millionen Euro in die Nutzung und den Erhalt der Kongresshalle, der Zeppelintribüne und des Zeppelinfelds gesteckt werden. Freitagmittag überreichten Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos), Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen symbolischen Scheck an Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU).
Kunst und Kultur gegen NS-Ideologie
Kulturstaatsminister Weimer sagte, es gehe darum, den Ort zu entmystifizieren. Das Böse aus der Zeit des Nationalsozialismus solle mit Kreativität überwunden werden, so der Staatsminister. "Dieser Ort soll erinnerungskulturell neu gedacht werden und wir wollen die Stadt Nürnberg bestmöglich dabei unterstützen", sagte Bayerns Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume.
Um- und Neugestaltung des Geländes bis 2028
In der Kongresshalle sollen auf über 7.000 Quadratmetern sogenannte "Ermöglichungsräume" entstehen. Sie sollen bis 2028, zusammen mit der neuen Spielstätte des Staatstheaters, die Basis für künstlerische Arbeit in dem alten Monumentalbau schaffen, heißt es. Unter anderem will die Stadt Künstlern Platz bieten für Ateliers, Studiobühnen, Ausstellungsflächen und Proberäume. In der Kongresshalle sind bereits das Orchester der Nürnberger Symphoniker, die Open-Air-Spielstätte Serenadenhof und das neu konzipierte Dokumentationszentrum untergekommen.
Ex-Reichsparteitagsgelände als Lern- und Begegnungsort
Das angrenzende Zeppelinfeld und die Zeppelintribüne werden als "begehbare Exponate" zum Lern- und Begegnungsort umgewandelt. Dort soll es auch eine Ausstellung geben.
Jährlich besuchen mehr als eine Million Interessierte das ehemalige Reichsparteitagsgelände, so das Kulturstaatsministerium.
Im Video: Nürnberg - Mehr als 127 Millionen für Kultur
Nürnberg: Mehr als 127 Millionen für Kultur
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