Katsuko Yabuki-Schmid kämpft auch 15 Jahre später noch mit den Tränen, wenn sie daran denkt: Am 11. März 2011 trifft ein Tsunami die Ostküste Japans mit voller Wucht. Viele Angehörige und Freunde sind betroffen. "Ein Tsunami ist so schnell: Er hat Kinder mitgenommen und Häuser, alles war weg", schildert Katsuko ihre Eindrücke von damals.
Eine Freundin stirbt in den Fluten
Katsuko ist zu diesem Zeitpunkt nicht in Fukushima. Sie sitzt zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn auf dem Sofa vor dem Fernseher in Stadtbergen. 1978 hat Katsuko ihren Mann Franz geheiratet und ist mit ihm nach Deutschland gekommen. Seitdem pflegt die Familie die Partnerschaft zwischen der Stadt Stadtbergen bei Augsburg und der japanischen Region Fukushima.
Im Fernsehen muss Katsuko mitansehen, wie Naturgewalten Japan und Fukushima verwüsten – den Ort, an dem sie aufgewachsen ist. "Das war eine große Sorge, gerade was die Familie angeht: Man hat niemanden erreicht, hatte keine Kontakte", erinnert sich ihr Sohn Christoph. Eine Freundin von Katsuko stirbt in den Fluten, wie rund 20.000 weitere Menschen in Japan.
Rund 150.000 Menschen müssen fliehen
Schließlich sieht Katsuko im Fernsehen Berichte über das Atomkraftwerk, ebenfalls getroffen vom Tsunami: ein Knall, eine Explosion, dunkle Rauchwolken steigen auf. In drei Reaktorblöcken kommt es zu einer Kernschmelze. "Die radioaktive Strahlung ist massiv erhöht", sagt eine Nachrichtensprecherin.
Rund 150.000 Menschen müssen sich in Sicherheit bringen, alles liegen und stehen lassen. Darunter sind auch Angehörige und Freunde von Familie Schmid. "Jede Familie konnte nur ein Päckchen oder eine Tasche mitnehmen, dann waren sie weg", so Katsuko.
Familie Schmid hilft mit Spenden und Indoor-Spielzeug
Familie Schmid reagiert schnell und organisiert von Deutschland aus Hilfe: Als Rathaus-Mitarbeiter sammelt Sohn Christoph Spenden. Knapp 80.000 Euro für Kinder, deren Eltern bei der Katastrophe verstorben sind. Auch Indoor-Spielgeräte besorgen sie. Denn draußen soll niemand spielen, wegen der Strahlenbelastung.
Strahlenbelastung bis heute teilweise lebensgefährlich
Ein Bekannter aus der Region Fukushima schickt den Schmids immer wieder Lokalzeitungen aus Fukushima. Bis heute sind darin die Strahlungswerte aufgelistet. In den meisten Gebieten ist die Belastung deutlich gesunken, doch in der direkten Sperrzone gilt die Strahlung noch immer als lebensgefährlich.
Der 15. Jahrestag der Katastrophe ist für die Schmids ein Tag des Innehaltens. Denn das Gedenken an Verstorbene ist tief verwurzelt in der japanischen Tradition. Auch in Stadtbergen, der Partnerstadt von Fukushima, wird es aufrechterhalten – bis heute.
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