Symbolbild: Viele Realschülerinnen und Realschüler schreiben ihre Abschlussprüfungen bei der Hitze in Turnhallen.
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Symbolbild: Abschlussprüfungen in einer Turnhalle
Bildrechte: picture alliance / SZ Photo | Claus Schunk
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Symbolbild: Abschlussprüfungen in einer Turnhalle

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Abschlussprüfungen an Realschulen: So bekämpfen sie die Hitze

Abschlussprüfungen an Realschulen: So bekämpfen sie die Hitze

Das Thermometer erreicht extreme Temperaturen – währenddessen schreiben rund 35.000 Realschülerinnen und Realschüler in Bayern ihre Abschlussprüfungen. Viele in Turnhallen. Klimaanlage? Fehlanzeige. So gehen Schulen und Schüler damit um.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Seine Deutsch-Abschlussprüfung wird Antonio Ferreira Barrozo so schnell nicht vergessen: "Ich musste eine Pause machen, kurz zur Toilette gehen und mit einem feuchten Tuch mein Gesicht abkühlen", erzählt der Landesschülersprecher. "Es war so warm, ich war komplett nass."

Improvisieren bei hohen Temperaturen gefragt

Dabei hat sich seine Schule, die Wolffskeel-Realschule in Würzburg, schon etwas einfallen lassen: Kurz vor den Prüfungen organisierte Schulleiter Ingolf John mit seinem Team spontan eine neue Turnhalle. Denn die vorgesehene Halle wäre den Schülerinnen und Schülern mit mehr als 30 Grad nicht zumutbar gewesen, sagt er.

Rund 35.000 Realschülerinnen und Realschüler in Bayern schreiben in diesen Tagen Abschlussprüfungen: am Mittwoch Deutsch, am Freitag Englisch, am Montag Mathematik. Für die Gestaltung der Prüfungen sind laut dem bayerischen Kultusministerium die Schulen verantwortlich, indem sie "regelmäßig lüften, die Räume abdunkeln und das Trinken ausdrücklich erlauben".

Hohe Anforderungen an die Jugendlichen

Das sei nicht so einfach, sagt Philipp Volkmer. Er ist im Bildungsreferat der Stadt München für die 22 städtischen Realschulen zuständig. "Es kämpfen alle Schulen damit." Klimaanlagen gebe es an keiner Schule. Neubauten seien auch nicht immer im Vorteil: Die dicken Wände und kleinen Fenster älterer Schulen könnten Hitze teilweise besser abhalten. "Das Problem: Wenn die einmal heiß sind, bekommt man die Hitze nicht mehr raus." Für die Jugendlichen hat Volkmer Respekt: "Wir verlangen von den Kindern und Jugendlichen oft Dinge, die Erwachsene nicht zu leisten imstande sind. Die können nicht während der Arbeit aufstehen und sich etwas zu trinken holen oder früh anfangen, wenn es noch kühler ist."

"War schon ziemlich warm", meint auch Johannes Killersreiter über seine Prüfungen an der Dreiflüsse-Realschule Passau. Seine Turnhalle habe glücklicherweise Rollos. Trotzdem sei der Raum an Grenzen gestoßen: "Wenn um die 100 bis 150 Leute in der Turnhalle sitzen plus Lehrkräfte und alles zu ist, wird es immer wärmer und stickiger." Er sei froh gewesen, als es nach vier Stunden vorbei war. Zugleich lobt er: Die Schule habe einen Kühlschrank mit kaltem Wasser gestellt. "Das könnten andere Schulen kurzfristig auch hinbekommen."

Medizin: Hitzebelastung auch Frage der Gerechtigkeit

Wie stark jemand auf die Hitze reagiert, hänge von Vorbelastungen wie chronischen Erkrankungen ab, sagt die Münchner Medizinpädagogin Julia Hellmann. Sie betont: "Bei solchen Temperaturen relevante Prüfungen schreiben zu lassen, finde ich schon krass." Denn nicht allein der Prüfungsraum sei ausschlaggebend. Die Schülerinnen und Schüler seien inzwischen mehrere Tage der Hitze ausgesetzt. Wer in einer heißen Wohnung lebe, könne vielleicht kaum schlafen. Dann summiere sich die Belastung. "Das hat dann auch etwas mit Umweltungerechtigkeit zu tun", sagt Hellmann. Kurzfristig empfiehlt die Expertin, den Körper zu kühlen. Schulen könnten kostenlose Getränke anbieten und Kühltücher verteilen. Langfristig fordert Hellmann Hitzeschutzkonzepte an Schulen.

Hitzeschutzkonzepte und Schulen umrüsten

Schulleiter Bernd Friedrich von der Karl-Meichelbeck-Realschule in Freising hat damit gute Erfahrungen gemacht. Auch dort schreiben die Schülerinnen und Schüler in einer Turnhalle. Es laufe in diesem Jahr dank einer Sanierung mit Rollos und LEDs statt Strahlern aber besser als erwartet. Der Direktor sagt: "Das Geld muss man in die Hand nehmen, weil es die nächsten Jahre nicht besser wird. Die Realschulen schreiben immer um diese Zeit die Prüfungen und wir haben schon oft erlebt, dass es furchtbar heiß war."

Vorschlag: Prüfungen vorziehen

In Würzburg kam der Vorschlag auf, die Prüfungen früher zu starten, etwa um 7.00 Uhr morgens. Oder gleich ein paar Wochen früher zu schreiben, ähnlich zu den Gymnasien. Grundsätzlich eine Idee, über die sich nachzudenken lohne, sagt Direktor Ingolf John. Einfach umsetzbar sei sie allerdings nicht. "Da gibt es sofort natürlich eine Frage der Bus-Anbindung. Kommen die Schüler überhaupt rechtzeitig zur Prüfung? Dann die Frage des Ministeriums: Wir würden damit Prüfungszeiträume aushebeln, die bayernweit einheitlich sein müssen, um Informationsaustausch verhindern zu können." Solche Änderungen könne es nur bayernweit und in Abstimmung mit dem Ministerium geben.

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