Ein etwas abgelegener und schwer einsehbarer Pendlerparkplatz an der A3 in der Nähe von Vilshofen im Landkreis Passau. "Ideal für Spritdiebe", sagt Vilshofens Polizeichef Michael Emmer. An einem Wochenende waren hier an vier Autos Kraftstoffdiebe am Werk gewesen. Ein paar Kilometer weiter waren es auf einem anderen Autobahnparkplatz sogar 15 Fälle. Natürlich könne die Serie mit den gestiegenen Diesel- und Benzinpreisen zu tun haben, so Emmer.
Ärgerlich für Autofahrer
Alex Meier ist einer der Geschädigten. Er zeigt auf die tiefen Kratzer an seinem Tankdeckel: "Hier haben sie mit einem Schraubenzieher zweimal angesetzt, den Deckel aufgehebelt und den Drehverschluss gleich mitgenommen." Die wenigen Liter, die im Tank waren, haben die Täter vermutlich mit einem Schlauch abgesaugt. Gott sei Dank, so Alex, habe er es noch bis zur nächsten Tankstelle geschafft. Aber: "Es ist halt ärgerlich. Auch weil ich jetzt in die Werkstatt muss."
Das zahlt die Kfz-Versicherung
"Gestohlenes Benzin oder Diesel ist fast ausnahmslos nicht durch die Kfz-Versicherung abgesichert", so Christian Eder vom Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) zum BR. Wenn Tankdiebe den Tankdeckel gewaltsam öffnen oder dabei andere Autoteile beschädigen, greife allerdings die Teilkaskoversicherung. Notwendig seien hierbei eine Anzeige bei der Polizei und eine Mitteilung an die Versicherung.
Anders sieht es bei Firmen aus. Entwenden Kriminelle beispielsweise bei Baustellenfahrzeugen den Sprit, können spezielle Versicherungen je nach Vertrag Schadensersatz leisten.
Lkw und Baumaschinen besonders im Visier
Auch wenn die bayerischen Polizeipräsidien und das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) keine aktuellen Spritklau-Statistiken ausweisen können: Die Tendenz ist steigend, heißt es nicht nur aus Vilshofen, sondern auch aus anderen Polizeidienststellen. Besonders Lastwagen haben die Diebe im Visier. In Mintraching im Landkreis Regensburg und Rotthalmünster im Landkreis Passau beispielsweise haben Unbekannte innerhalb kurzer Zeit Tausende Liter Diesel aus mehreren abgestellten Lkw abgezapft. Gleiches an der A3 bei Iggensbach: Während der Fahrer schläft, brechen Täter die Tanksicherung auf und saugen Hunderte Liter Diesel aus dem Tank.
Baumaschinen locken ebenso Spritdiebe an – etwa in Eging am See im Kreis Passau. Ein Baggerführer berichtet: "Wir wollten unsere zwei Bagger morgens anlassen. Da war uns schnell klar, dass bei beiden kein Diesel mehr drin ist." Diebe haben oft leichtes Spiel. Motorhauben sind mit Einheitsschlüsseln leicht zu öffnen.
Umgebauter Föhn als Tatwerkzeug
Wenn Täter nicht auf frischer Tat erwischt werden, sei es sehr schwer, solche Fälle aufzuklären, erklärt Erster Hauptkommissar Michael Emmer. Es könnten Einzeltäter dahinterstecken, denen gerade der Kraftstoff ausgegangen sei. Aber auch organisierte Banden.
"Wir hatten vor Kurzem einen Fall, bei dem die Täter mit einem umgebauten Föhn als Saugvorrichtung den Treibstoff mit Unterdruck aus dem Tank gebracht haben." Ein BLKA-Sprecher erklärte dem BR, dass Täter vor allem mit einfachen, schnellen und geräuscharmen Methoden vorgehen, meist in schlecht gesicherten oder wenig einsehbaren Bereichen.
"Cleveres Parken" als Schutzmaßnahme
Um Treibstoff-Diebstahl zu verhindern, müsste es den Tätern möglichst schwer gemacht werden, raten das BLKA und der ADAC. Fahrzeuge sollten vorwiegend auf eingezäunten Grundstücken oder überwachtem Gelände abgestellt werden. Vilshofens Polizeichef Michael Emmer spricht von "cleverem Parken". "Wer mit einem Auto nah an einer Mauer parkt, erschwert es den Dieben", so Emmer. "Baumaschinen und Lkws sind auf dem umzäunten Firmengelände mit Beleuchtung und Videoüberwachung deutlich sicherer als auf freien Parkplätzen."
Technische Vorrichtungen seien ebenfalls nützlich: Verschließbare Tankdeckel, Alarmsysteme an den Tanköffnungen oder Füllstandüberwachung per App – der Autofahrer wird gewarnt, wenn der Tankstand plötzlich sinkt.
Alex Meier, dessen Auto Tankdiebe vor Kurzem heimgesucht haben, hat die Konsequenzen schon gezogen. Er stellt sein Auto nachts nicht mehr an einem Pendlerparkplatz ab, sondern in der Nähe einer Tankstelle. Dieser Parkplatz sei beleuchtet und näher an einer befahrenen Straße. "Vielleicht bringt’s ja was", sagt er.
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