Die AfD in Bayern braucht mehr qualifiziertes Personal, denn die Partei hofft auf eine baldige Regierungsverantwortung. "Die Akademiegründung ist eine große Sache für uns, denn wir werden immer mehr Verantwortung übernehmen. Dafür brauchen wir mehr geschultes Personal", sagt der bayerische AfD-Landesvorsitzende Stephan Protschka auf BR24-Nachfrage.
Schulung für Regierungsverantwortung
Bei der Politischen Akademie Bayern "gehe es nicht um ideologische Ausbildung, sondern um Schulung für die spätere Arbeit in Ministerien", betont Parteichef Protschka. Das sei die Kaderschmiede der Partei. "Wir bereiten uns auf die Übernahme von Regierungsverantwortung in den Ministerien vor." Unter den Referenten der Akademie gebe es Leute, die bereits in einem Ministerium gearbeitet haben, so der Vorsitzende der AfD Bayern.
Höcke kam zur Gründungsveranstaltung
Gastredner bei der Gründungsveranstaltung war der Partei- und Fraktionschef der AfD in Thüringen, Björn Höcke. Der rechtskräftig verurteilte Rechtsextremist Höcke hat bei der Gründungsveranstaltung einen kurzen Vortrag gehalten. Zuvor war Höcke bei einem Treffen der AfD-Landtagsfraktion in Ansbach. Die AfD-Abgeordneten hatten dort fast zeitgleich zur Gründungsveranstaltung ihrer Partei ein "Kommunalpolitisches Forum" veranstaltet.
Obwohl es zwischen Partei und Fraktion durchaus Rivalitäten gibt, sind sich bei der Person Björn Höcke Partei- und Fraktionsspitze offensichtlich einig. Wie schon bei den Kommunalwahlen wird an der Zusammenarbeit mit Höcke festgehalten, trotz interner und vor allem externer Kritik. Was bleibt, ist ein großes Fragezeichen hinsichtlich der Ausrichtung der Politischen Akademie Bayern.
Wer schult wen?
Insgesamt wurden 118 bayerische AfD-Mitglieder zur Gründungsveranstaltung eingeladen. Gut 100 Mitglieder waren laut Parteichef der AfD Bayern, Stephan Protschka, anwesend. Den Ort wollte Protschka nicht nennen. Der Gastgeber habe es so gewünscht. Jeder AfD-Kreisverband durfte, je nach Größe, ein bis drei Plätze belegen. 40 Plätze waren reserviert für die bayerische "Generation Deutschland", die Jugendorganisation der AfD Bayern. Unter den Akademiemitgliedern seien keine Mandatsträger, so Parteichef Protschka. Die 118 Akademiemitglieder sind keine feste Zahl. Es könnten noch etwa 140 werden, so der AfD-Politiker Protschka.
Die Veranstaltungen sollen in der Regel in Wahlkreisbüros oder Gaststätten stattfinden. Eine Immobilie ist weiterhin nicht vorgesehen. Verantwortlich für die Akademie ist der Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Landesvorsitzende Rainer Rothfuß. Berater der Akademie in Bayern ist Roland Hartwig. Der ehemalige Mitarbeiter von AfD-Bundesparteichefin Alice Weidel. Er leitet die Politische Akademie Thüringen.
Vorbild Thüringen
Wie in Thüringen dauert die Ausbildung an der Politischen Akademie Bayern zwei Jahre. Es handele sich dabei um eine "modularisierte Ausbildung", bestätigt Parteichef Protschka. Ebenso ist es in Thüringen. Laut Hartwig geht es bei der Schulung in Thüringen um drei Säulen: Neben der Vermittlung von theoretischem Wissen, Rhetorik und Medientrainings sei als dritte Säule eine "Denkfabrik" ins Leben gerufen worden. Auf Bundesebene hatte Hartwig schon vor drei Jahren mit der Gründung der "Akademie Schwarz-Rot-Gold" ein bundesweites Parteischulungsangebot aufgebaut.
AfD braucht mehr geschultes Personal
Es geht womöglich um manche Ämter, Mandate und Posten, die die Partei mittelfristig besetzen könnte, doch dafür fehlt der AfD qualifiziertes Personal. Zudem ist die AfD Bayern noch immer eine relativ kleine Partei. Zwar erreichte sie im vergangenen Jahr erstmals die Zahl von 10.000 Mitgliedern, die Bayern-SPD hat im Vergleich dazu jedoch noch immer mehr als die vierfache Mitgliederzahl.
Hinzu kommt: Nicht alle Mitglieder wollen ein Amt übernehmen. Bei den vergangenen Kommunalwahlen in Bayern zeigte sich deswegen: Die AfD trat zwar flächendeckend in allen Kreisen und kreisfreien Städten an, in den meisten Gemeinden konnte sie jedoch keinen Kandidaten stellen. Angesichts der immer besseren Umfragewerte steigt der Druck innerhalb der AfD, Parteikader entsprechend zu qualifizieren.
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