Als Franz und Barbara Zieglmeier in der BR-Sendereihe Hofgeflüster von der Brandnacht auf ihrem Hof erzählen, merkt man ihnen an, wie sehr sie das Erlebte auch heute - sechs Jahre nach dem Brand - noch mitnimmt. Wenige Monate vor dem Brand hatten sie den alten Dreiseithof in Rohr in Niederbayern noch aufwendig renoviert und dort ihre Hochzeit gefeiert.
September 2020: Feuer auf dem Hof
Alles schien perfekt – bis zu dem verhängnisvollen Tag im September 2020: Es ist der vorletzte Tag der Hopfenernte. Franz vergewissert sich nachts um halb eins noch, dass alle Maschinen ausgeschaltet sind, bevor er ins Bett geht. Nur eine Stunde später: Alarm – es brennt!
Als die Zieglmeiers nach draußen stürmen, ragen schon die ersten Flammen aus dem Dachstuhl des 36 Meter langen Betriebsgebäudes. Drinnen befinden sich die gesamte Anlage zur Hopfenverarbeitung, das Getreidesilo mit der Ernte des ganzen Jahres – und 300 Mastschweine.
Ein Albtraum wird wahr
Obwohl insgesamt 13 Feuerwehren in kürzester Zeit anrücken, ist das Gebäude - und damit auch der Tierbestand - nicht mehr zu retten. Der Schaden liegt bei zwei Millionen Euro. Als Franz von den toten Tieren erzählt, steigen ihm Tränen in die Augen: "Wenn du siehst, wie mit einem Schlag alles verreckt und kaputt ist, da geht's dir dann erst mal nicht mehr so gut. Das Geld ist da zweitrangig." Auch Barbara ist sichtlich angegriffen: "Das ist der Albtraum für jeden Viehhalter."
Im Video: In der Serie Hofgeflüster berichten die Zieglmeiers von der Brandnacht und der schweren Zeit des Wiederaufbaus.
Für das "Hofgeflüster" besucht "Unser Land"-Reporterin Stefanie Heiß Bauernhöfe in Bayern und spricht mit den Landwirtsfamilien über Tabuthemen in der Landwirtschaft. Alle Videos der "Hofgeflüster"-Serie gibt es hier.
Jährlich rund 150 Stallbrände in Bayern
Laut einer Auswertung der Feuerwehreinsätze in Bayern in den letzten zehn Jahren gibt es durchschnittlich 150 Stallbrände pro Jahr. Und die Zahl der Brände könnte zunehmen, sagt Eva Zeiler, Professorin an der Hochschule Weihenstephan. Sie forscht zu Stallbränden in der Landwirtschaft. "Es ist viel mehr Strom im ganzen System verbaut. Man hat einen Spaltenschieberroboter, einen Fütterungsroboter, einen Melkroboter, eine PV-Anlage auf dem Dach. Die Brandlast auf den Betrieben ist mittlerweile eine andere als früher."
Tiere im Brandfall retten, sei sehr schwierig, da sie sich in ihrer Panik häufig in den Stall zurückziehen, so Zeiler weiter. "Was hilft, sind Rettungswege, die die Tiere auch im Alltag nutzen, zum Beispiel den Weg ins Außengehege."
Franz und Barbara Zieglmeier im Innenhof ihres Bauernhofs.
Zweiter Großbrand auf dem Familienbetrieb
Auch bei den Zieglmeiers ist die Brandlast im Gebäude groß: Der getrocknete Hopfen, die im Gebäude verbauten Materialien und die viele Technik wirken wie Brandbeschleuniger. Die Brandursache lässt sich aufgrund des hohen Zerstörungsgrads nicht mehr feststellen.
Besonders schlimm für die Familie: Das Gebäude ist schon zum zweiten Mal abgebrannt. Nach dem ersten Brand 1988 hatte der Vater von Franz den Stall wiederaufgebaut. Beim Brand im September 2020 wurde er erneut zerstört.
Tierschützer zeigen Stallbrände systematisch an
Und noch etwas belastet die Zieglmeiers: Tierschützer von PETA geben einer Lokalzeitung ein Interview und prangern den Brand auf ihrem Hof an. "Lokalteil, erste Seite. Das erwischt dich schon nochmal eiskalt", erzählt Barbara. Was sie besonders trifft: Niemand hat sie vorher von Seiten der Tierschutzorganisation kontaktiert.
PETA erklärt auf Anfrage, dass der Tierschutzverein jeden Stallbrand mit getöteten Tieren, von dem er durch Medienberichte Kenntnis erlange, zur Anzeige bringe. Nötig wäre diese Anzeige nicht, um polizeiliche Ermittlungen auszulösen. Bei Stallbränden kommt automatisch die Kriminalpolizei auf den Hof, um die Brandursache zu ermitteln. Liegt kein Fremdverschulden vor, wird das Verfahren eingestellt.
Existenzangst und komplizierte Abwicklung mit der Versicherung
Die erste Zeit nach dem Brand ist bei den Zieglmeiers geprägt von Existenzangst angesichts des immensen Schadens. Dazu kommt: Die Abwicklung solch großer Schadenssummen mit Versicherungen ist oft kompliziert und langwierig.
Nach einigem Hin und Her bekommen die Zieglmeiers knapp zwei Millionen Euro erstattet und nehmen sogar noch eine weitere Million an Kredit auf, erzählt Franz. "Wenn ich investiere, muss ich etwas dastehen haben, mit dem ich die nächsten 30 Jahre arbeiten kann."
Sie schaffen es, innerhalb eines Jahres das Gebäude wiederaufzubauen – allerdings ohne Schweinstall. Heute bauen sie nur noch Hopfen und Getreide an und haben dazu ein Lohnunternehmen für Waldarbeiten gegründet. Mittlerweile blicken sie wieder optimistisch in die Zukunft.
Dieser Artikel ist erstmals am 1. März 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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