Erst vor wenigen Wochen hatte das Benediktiner-Gymnasium wegen seiner angespannten Finanzlage für Schlagzeilen gesorgt. Der Schulbetrieb verursacht jährlich ein Defizit von rund 500.000 Euro. Zwar erhält die Schule für 2026 einen freiwilligen Zuschuss des Landkreises Garmisch-Partenkirchen von rund 90.000 Euro. Auch das Erzbischöfliche Ordinariat München und Freising unterstützt sie mit rund 120.000 Euro jährlich. Zusammen mit den Schulgeldern der Eltern reicht das jedoch nicht aus, um die Finanzierungslücke zu schließen.
Aktuell besuchen rund 240 Schülerinnen und Schüler das Gymnasium. Seit der Schließung des Internats zum Schuljahr 2023/24 fehlen die Einnahmen durch überregionale Internatsschüler, zudem stehen Teile der Klostergebäude leer. Dies verursacht erhebliche Unterhaltskosten.
Alpen-Akademie als Zukunftsmodell
Nun wollen die Benediktiner neue Wege gehen. Mit einer Machbarkeitsstudie, die der Freistaat Bayern mit 280.000 Euro fördert, soll geprüft werden, wie sich Schule und Kloster langfristig weiterentwickeln können.
Im Mittelpunkt steht eine Alpen-Akademie im benediktinischen Geist. Das Gymnasium soll das Herzstück bleiben, ergänzt durch neue Bildungsangebote für Jugendliche und Erwachsene. Themen wie Nachhaltigkeit, Landwirtschaft, Handwerk, Achtsamkeit und Persönlichkeitsbildung sollen dabei eine zentrale Rolle spielen.
Lernen außerhalb des Klassenzimmers
Teil des Konzepts ist die stärkere Einbindung der klostereigenen Betriebe. Landwirtschaft, Brauerei, Likörmanufaktur, Hotel, Forstbetrieb oder Wasserkraftwerk sollen zu Lernorten werden. Die Initiatoren sprechen von einem "Ökosystem Ettal": Junge Menschen sollen erleben, wie nachhaltiges Wirtschaften funktioniert und Verantwortung für Natur, Mitmenschen und sich selbst übernehmen.
Unterstützt wird das Projekt von ehemaligen Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums. Eine zentrale Rolle spielt dabei die gemeinnützige Initiative Placidus gUG. Gemeinsam mit den Mönchen wurde in den vergangenen Jahren an den Grundzügen des Konzepts gearbeitet. Auch der Vorsitzende der Freie-Wähler-Landtagsfraktion, Florian Streibl, setzt sich für die Pläne ein. Streibl ist selbst ehemaliger Ettaler Schüler. Er sieht in dem Projekt eine Antwort auf die Herausforderungen einer Zeit, die von technologischem Wandel und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt ist.
Zielmarke: Das Jubiläumsjahr 2030
Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen bis 2027 vorliegen. Danach entscheidet der Konvent der derzeit 25 Mönche über die Umsetzung. Pünktlich zum 700-jährigen Bestehen des Klosters im Jahr 2030 könnten die ersten Angebote der Alpen-Akademie starten. Die Vision: ein Bildungsort, der benediktinische Tradition mit den Anforderungen des 21. Jahrhunderts verbindet.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!
