Es sollte ein schöner Tag werden für die Zweitklässler der Grundschule Haimhausen. Gemeinsam waren die Kinder auf einem Schulausflug. Doch gegen 12.30 Uhr passiert der Unfall: Der angemietete Reisebus der beiden Schulkassen kollidiert in einer Kurve bei Hebertshausen im Landkreis Dachau mit einem entgegenkommenden Linienbus ohne Fahrgäste – mit schlimmen Folgen.
Ein Junge wird so schwer verletzt, dass er noch am Unfallort stirbt. 30 weitere Kinder, eine Lehrerin und zwei Busfahrer werden verletzt, zum Teil schwer.
Bus-Unfall in Oberbayern: Ein Kind stirbt noch am Unfallort
Es sind schreckliche Szenen am Unfallort: Der Reisebus ist schwer beschädigt, daneben findet die Feuerwehr zwei verletzte Kinder, wie Maximilian Reimoser, Sprecher Kreisbrandinspektion Dachau, berichtet.
Besonders schlimm hat es einen Jungen getroffen. Man habe alles Menschenmögliche versucht, um ihn zu reanimieren, beschreibt Dennis Behrendt, Einsatzleiter des Rettungsdienstes, das Ringen um das Leben des Zweitklässlers. Auch ein Hubschrauber stand schon bereit, um den Bub in eine Klinik zu fliegen. Doch der Notarzt habe ihn dann vor Ort noch für tot erklären müssen, so Behrendt sichtlich berührt.
Zwei andere Kinder und eine Lehrerin sind nach Angaben der Polizei schwerst verletzt, weitere Kinder teils mittelschwer. "Das sind einfach Bilder und Momente, die man nicht so leicht verarbeitet." Damit spricht Reimoser das aus, was viele der Rettungskräfte fühlen.
Was zur Ursache bisher bekannt ist
Doch wie konnte es zu dem Unfall kommen? Das ist nach Angaben der Polizei noch unklar. Die Staatsanwaltschaft München II hat einen Gutachter beauftragt, das Geschehen zu untersuchen. Die betreffende Kurve auf der Staatsstraße zwischen Haimhausen und dem Hebertshausener Ortsteil Ampermoching ist sehr eng. Offenbar geriet ein Bus zu weit nach links und rammte den anderen seitlich. Mehrere Fenster wurden zerstört, die Seite eingedrückt.
Sicher ist, dass in der sehr engen Kurve Tempolimits gelten, einmal 60, einmal 50 Kilometer pro Stunde. Eines kann Thomas Weber, Leiter der Polizeiinspektion Dachau, bereits ausschließen: Alkoholeinfluss. Die Busfahrer hätten freiwillig Atemalkoholtests gemacht. Das Ergebnis in beiden Fällen: null Promille, wie Weber betont. Er tritt damit Spekulationen in den sozialen Medien entgegen.
Was für die Angehörigen getan wird
Ein furchtbarer Tag, auch für die Angehörigen. An einer Sammelstelle im Ortsteil Ampermoching wurden sie psychosozial betreut. Die Notfallseelsorger wollen sich in den nächsten Tagen noch einmal bei den Betroffenen melden. Die Gemeindeverwaltung hat ein Bürgertelefon eingerichtet, wie Bürgermeister Stefan Jänicke-Spicker erklärt, der selbst Feuerwehrkommandant seiner Gemeinde ist.
Stille Einkehr in der Pfarrkirche
Am Abend öffnet auch die Kirche St. Nikolaus in Haimhausen, nicht weit von der Grundschule, ihre Tore. Viele Leute kommen, beten, stehen teils noch lange im Nieselregen beisammen und versuchen, das Erfahrene zu verarbeiten.
Der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) zeigt sich bei einer Pressekonferenz tief bewegt: "Als Vater von drei Kindern, die auch schulpflichtig sind, die auch mit dem Bus gefahren sind, weiß man erst mal, was passiert, wenn man morgens sein Kind auf einen Schulausflug schickt und es dann abends nicht mehr zurückerhält." Auch Bayerns Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) kondoliert: "Es ist eine unfassbare Tragödie und kaum in Worte zu fassen. Unsere Herzen weinen", sagte die Ministerin.
"Noch viel Nachbearbeitung" nötig
Die Aufarbeitung des Unfalls im Zuge der Ermittlungen ist nur die eine Seite. Auf der anderen Seite steht die psychische Verarbeitung der schlimmen Geschehnisse. Landrat Löwl hat für die gesamte Schule Gesprächsangebote angekündigt. "Manches kommt erst Tage später so richtig hoch", weiß Rettungsleiter Dennis Behrendt.
Auch die Rettungskräfte müssen den Einsatz erst verarbeiten. Denn der sei keineswegs alltäglich, betont Reimoser. Dem Feuerwehrmann ist klar: "Das wird sicherlich nicht mit dem heutigen Tage vorbei sein, sondern auch dieser Einsatz zieht noch viel Nachbearbeitung mit sich."
Mit Informationen der dpa.
Im Audio: Henning Pfeifer, BR-Polizeireporter, zu ersten Erkenntnissen
Einsatzfahrzeuge am Unfallort
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