Der Tipp kam von einem Sporttaucher, der in der Gegend regelmäßig unterwegs ist. Der hatte im Lindauer Raum die Reste eines kleinen Schiffswracks im Bodensee entdeckt und sich bei Tobias Pflederer gemeldet. Der ist im Hauptberuf zwar Kardiologe, hat aber auch Archäologie studiert und ist als Forschungstaucher der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (BGfU) regelmäßig in Bayerns Seen unterwegs. Pflederer hat das Wrack dann mit seinem Team unter die Lupe genommen.
Schiffswrack könnte ein kleiner Lastensegler sein
Klarheit über das Alter soll eine Holzprobe bringen, die das Team genommen und eingeschickt hat. Die Datierung könne allerdings ein paar Wochen dauern. Dann werde man vielleicht ein grobes Datum bekommen. "Ob's jetzt aus der frühen Neuzeit beispielsweise kommt – die Schiffe sind ja lange eingesetzt worden bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts – oder ob es vielleicht sogar aus dem Mittelalter kommt, das wäre natürlich spannend", sagt Tobias Pflederer. Die frühe Neuzeit reicht von 1500 bis 1800 n. Chr., beginnt also vor etwa 500 Jahren. Sollten die Schiffsreste noch älter sein und aus dem Mittelalter stammen (500 bis 1500 n. Chr. ), könnten sie auch schon mehr als tausend Jahre überdauert haben. Noch ist das fraglich.
Was sich hingegen schon abzeichnet, ist die Art des Schiffs. Der Größe nach könnte es sich um eine Lädine handeln, also um einen kleinen Lastensegler. Solche wurden am Bodensee über Jahrhunderte eingesetzt, um Waren von A nach B am Ufer entlang zu transportieren.
Wie ein Schiff unter Wasser untersucht wird
Eine größere Ausgrabung unter Wasser ist bislang nicht geplant. Dafür bräuchte man zum einen das gleiche Equipment wie über Wasser, also etwa kleine Kellen und Schaufeln, aber zusätzlich seien eine künstliche Strömung für gute Sicht und kleine Sauger, die über Wasser von einer Pumpe bedient werden, nötig.
Gehoben wird das Wrack "auf keinen Fall", sagt Tobias Pflederer. Denn "sobald man ein Holz aus dem Wasser holt, vor allem wenn es alt ist, geht es ja sofort kaputt", betont der Forschungstaucher. Das Beste sei, es dort zu lassen, zu dokumentieren, sich anzuschauen, was es genau ist und dann auch wieder abzudecken und zu schützen.
Zunächst stehe nun die Frage im Vordergrund, ob das Wrack bedroht ist. Also ob es freigespült oder durch Wellen auf Dauer beschädigt wird. Das müsse man die nächsten Monate ganz genau beobachten.
Teils obskure Funde im Bodensee
Pflederer ist regelmäßig in Seen auf Forschungstauchgängen unterwegs. Dabei findet er alles Mögliche. Sachen, die Leute dort entsorgt oder verloren haben, Wracks, wie das Dampfschiff Säntis, bis zu Einbäumen, die Menschen früher in der Jungsteinzeit und in der Bronzezeit verwendet haben. Selbst kleine Siedlungen und Skelettreste wurden schon gefunden.
Das Wrack auf dem Grund des Bodensees
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