Ein kleiner Zaun aus grüner Folie steht an der Staatsstraße bei Weihermühle im Landkreis Cham. Er ist etwa 30 Zentimeter hoch und 150 Meter lang. Dieser sogenannte Amphibien-Schutzzaun soll verhindern, dass Amphibien bei ihrer Wanderung vom Winterquartier in ihr Laichgewässer – dem nahegelegenen Weiher – die Straße überqueren.
Wanderungen in frostfreien Nächten
Die Wanderungen beginnen jetzt im Frühjahr, vor allem bei frostfreien Nächten und bei feuchtem Wetter. Die Amphibien, darunter Erdkröten und Grasfrösche, machen sich bei diesen Bedingungen auf den Weg in Richtung Wasser, um sich dort fortzupflanzen, wie Markus Schmidberger vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) im Interview mit BR24 erklärt.
Treffen die Amphibien dann auf den Zaun, werden sie in Eimern abgefangen und von Helfern täglich zu ihrem Laichgewässer getragen. Allein an einem Zaun können pro Frühjahr etwa 200 bis 2.000 Amphibien gerettet werden – je nach Lage des Zauns und der Population vor Ort, so Schmidberger.
Straßen als Todesfalle für Amphibien
Gibt es keinen Schutzzaun, ist die Straße eine große Gefahr für die Amphibien, sagt Schmidberger: "Die springen nicht in großen Sätzen da rüber, sondern [machen] langsame Bewegungen." Dementsprechend dauere es, bis die Amphibien eine zweispurige Straße überquert haben.
Dabei bestehe aber nicht nur die Gefahr, dass die Kröten, Frösche und Molche überfahren werden, sondern auch, dass sie von Fahrzeugen angezogen werden: "Sobald ein Auto eine höhere Geschwindigkeit hat, dann herrscht da Unterdruck. Und das Auto fährt drüber und hebt die Kröte hoch."
Gefahr auch für Straßenverkehr
Die Hilfe an den Amphibien-Schutzzäunen kommt aber nicht nur den Tieren zugute, so Schmidberger: "Ich fahr selber Motorrad. Wenn ich jetzt auf einer Straße fahre und da liegen hunderte überfahrene Tiere. Und ich habe eine leichte Kurve und muss mich neigen […] Dann kann schnell mal ein Motorrad wegrutschen."
Laut Schmidberger können außerdem Auffahrunfälle verhindert werden, da die Amphibien durch die Zäune nicht auf die Straße wandern und Autos nicht plötzlich abbremsen müssen: "Da wird sozusagen auch der Straßenverkehr sicherer, wenn Zäune aufgebaut werden."
Im Jahr 2025 etwa 12.000 Tiere gerettet
Das Team um Markus Schmidberger vom LBV Cham betreut mehrere Amphibien-Schutzzäune im Landkreis Cham, darunter auch den Zaun bei Weihermühle. Neben dem LBV kümmert sich auch der BUND Naturschutz um einige Zäune im Landkreis Cham, wie es auf BR24-Anfrage heißt. Darunter beispielsweise bei Schillertswiesen und Kiesried.
Die Organisation und Koordination der Zäune übernimmt dagegen die untere Naturschutzbehörde (uNB) des Landratsamtes in Cham. So konnten laut Simon Skuthan von der uNB im vergangenen Jahr an 29 Amphibien-Schutzzäunen im Landkreis Cham insgesamt etwa 12.000 Tiere gerettet werden. Darunter Erdkröten, Grasfrösche und Molche.
Ehrenamtliche Unterstützer gesucht
Damit die Rettungsaktionen auch heuer wieder gut funktionieren, werden weitere ehrenamtliche Unterstützer gesucht, die an den Zäunen die derzeit aktiven Helfer – die sogenannten Zaunbetreuer – unterstützen, so Skuthan im BR24-Interview: "Dass man sagt, man kann sich eine Art Betreuer-Stamm, einen ehrenamtlichen Stamm, aufbauen. Worauf man gegebenenfalls auch mal zurückgreifen kann."
Die Arbeit der Zaunbetreuer könne dabei bis in den April hineinreichen – scheint sich aber bereits jetzt zu lohnen: Wie der LBV Cham berichtet, wurden am Zaun bei Weihermühle in dieser Woche bereits über 200 männliche Erdkröten über die Straße getragen.
Ein Einsatz, den auch Markus Schmidberger zu schätzen weiß: "Ob das jetzt meine Kollegin ist […] oder alle anderen Zaunbetreuer: Hut ab für diesen Einsatz."
Im Audio: Amphibien-Rettung im Landkreis Cham (12.03.2026)
Der Aufbau des Amphibien-Schutzzauns bei Weihermühle im Landkreis Cham
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