Ein knielanger dunkelblau-orangefarbener und dick gefütterter Funktionsmantel, eine Mütze, die unter dem Kinn gebunden wird, und Handschuhe: So sieht die Arbeitskleidung von Ann Kristin de Regt und Daniel Lindner aus – auch derzeit bei den aktuellen Rekordtemperaturen. Die beiden arbeiten an einem der wohl kältesten Arbeitsplätze im Freistaat, dem Produktions- und Logistikzentrum des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im unterfränkischen Wiesentheid.
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Aktuell zwei Temperaturextreme
Hier lagern alle Vollblutspenden aus Bayern und werden in ihre Bestandteile, etwa Plasma, aufgeteilt. Damit die Proteine im Plasma erhalten bleiben, werden die Präparate auf minus 40 Grad Celsius heruntergekühlt. So lange, bis eine verletzte oder kranke Person die Blutspende benötigt, dann wird sie in den Kliniken wieder auf Körpertemperatur gebracht. Das sind rund 37 Grad Celsius. Ähnlich heiß ist es für Ann Kristin de Regt, die Leiterin der Herstellung, wenn sie zum Akklimatisieren wieder nach draußen geht. Sie sagt zu den extremen aktuellen Temperaturunterschieden von fast 80 Grad Celsius: "Zu Beginn ist es kurz angenehm. Wenn man dann aber ein paar Minuten drin ist, dann merkt man die Kälte an den Füßen und Händen. Die ist doch einfach sehr kalt."
Kälteempfinden jeden Tag anders
Eine Dreiviertel- bis allerhöchstens eine Stunde halte man es in den Kühlräumen aus, je nach Tagesform, sagt Daniel Lindner. Er arbeitet seit elf Jahren hier und meint, der Körper gewöhne sich mit der Zeit an die extreme Kälte. Lindner ist Gruppenleiter für die Frischplasmaquarantäne, also des Prozesses, Plasma länger haltbar zu machen. Lindner sagt: "Es gibt Tage, da geht es ganz schnell, dass man durchgekühlt ist, oder man hält auch immer länger aus an anderen Tagen."
Blutspenden braucht "Kontinuität"
Blutplasma hält sich laut BRK bei minus 40 Grad Celsius bis zu zwei Jahre, Blutkonserven bis zu 42 Tagen. Deshalb sei beim Blutspenden "Kontinuität" essenziell, so Patric Nohe, Pressesprecher des BRK-Blutspendedienstes. Doch die ist im Sommer nicht gegeben, da viele Dauerspenderinnen und -spender im Urlaub sind oder wegen Hitze auch mal aussetzen. Noch gibt es laut Nohe im Freistaat aber keine Unterversorgung: "Wir sind in Bayern zum Glück versorgt. Allerdings ist dies nur so, weil es wirklich viele großartige Menschen gibt, die sich auch bei diesen hohen Temperaturen in den Dienst der Gemeinschaft stellen. So muss es weitergehen." Patientinnen und Patienten in den Kliniken seien auf ein kontinuierliches Engagement ihrer Mitmenschen angewiesen. Denn täglich braucht es im Freistaat laut BRK durchschnittlich 2.000 Blutkonserven, bundesweit circa 15.000.
"Boomer"-Blutspender brauchen Nachwuchs
Ein Problem ist, dass besonders die sogenannte "Boomer"-Generation fleißig Blut spendet, die jüngeren Generationen aber zögerlicher sind. Nohe sagt, das BRK versuche, die Blutspende so attraktiv wie möglich zu gestalten: "Beispielsweise insofern, dass wir es den Leuten so unkompliziert wie möglich machen, um Blut zu spenden. Das heißt, wir sind in der Fläche unterwegs und versuchen, wirklich ein breites Angebot an Terminen zu machen, zu dem man mit wenig Aufwand hinkommen kann." In Bayern gespendetes Blut bleibt in Bayern. "Wer zum Beispiel in Augsburg Blut spendet, kann damit auch jemanden in Würzburg das Leben retten und umgekehrt", so Nohe.
Blutspenden in Bayern – die wichtigsten Zahlen:
• 2025 kamen 535.829 Menschen zu Blutspendeterminen.
• Die Zahl der aktiven Spenderinnen und Spender sank leicht auf 247.944.
• Die Zahl der Erstspender stieg zwar um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, lag aber weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2023.
• Das Durchschnittsalter der Spenderinnen und Spender liegt bei Anfang 40.
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