Die Krise in der Autoindustrie verschärft sich: Der Autobauer Audi will die im März 2025 vereinbarte Zukunftsvereinbarung neu verhandeln. "Die wesentlichen Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert. Wir haben die Schlechtwetterklausel gezogen und wollen schnellstmöglich Gespräche mit der Arbeitnehmerseite führen", teilte Audi-Chef Gernot Döllner in einem Pressegespräch mit.
Die sogenannte Schlechtwetterklausel besagt, dass Betriebsrat und Unternehmen sich schon früher als geplant wieder an den Verhandlungstisch setzen dürfen, wenn es dem Unternehmen wirtschaftlich schlechter geht. Sie können dann über Änderungen bei Arbeitsbedingungen und Kosten sprechen. Döllner sieht die Bedingungen für die Klausel als erfüllt an. Damit zieht das Unternehmen quasi die Notbremse. Erst diese Woche teilte der Autobauer mit, Mitarbeiter an Rüstungsunternehmen zu verleihen.
Beschäftigungsgarantie und Zulagen eigentlich bis 2033 gesichert
Die Schlechtwetterklausel gibt es bereits seit 2019. Ende 2024 hat Audi sie bereits angewendet. Als Ergebnis entstand die Zukunftsvereinbarung von März 2025. Die wichtigsten Punkte darin sind beispielsweise: betriebsbedingte Kündigungen sind bis zum 31. Dezember 2033 ausgeschlossen, keine Absenkung des monatlichen Tarifentgelts und keine Verschlechterung bei den Zulagen und Zuschlägen. Dafür werden 7.500 Stellen sozialverträglich bis 2029 abgebaut, zum Beispiel über Altersteilzeitmodelle. Da sei man laut Unternehmen auch auf einem guten Weg.
Doch nun soll alles noch einmal auf den Tisch. Die vor anderthalb Jahren beschlossenen Punkte sollen neu verhandelt werden. So will es das Unternehmen. Konkrete Pläne wie einen weiteren Stellenabbau gibt es laut CEO Döllner noch nicht: "Es ist zu früh, Zahlen zu nennen. Es steht auch noch kein Zeitplan. Wir wollen jetzt erstmal die Gespräche mit dem Betriebsrat aufnehmen."
Betriebsrat will Zulässigkeit prüfen
Ein Sprecher des Betriebsrates teilte auf BR-Anfrage mit, man werde zunächst prüfen, ob die Bedingungen für die sogenannte Schlechtwetterklausel tatsächlich erfüllt seien. "Wir müssen jetzt außerdem abwarten, welche Maßnahmen und Forderungen Audi vorschlägt, bevor wir in Verhandlungen gehen. Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit."
Die Mitarbeiter werden über die Lage bei Audi in den regelmäßig stattfindenden Betriebsversammlungen informiert. Bei Audi in Neckarsulm war das bereits am heutigen Nachmittag der Fall. In Ingolstadt findet die Veranstaltung am Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Klar ist, die Verunsicherung dürften bei allen Beschäftigten noch einmal gewachsen sein.
Grund ist die Krise in der Autoindustrie
Seit längerem steckt die deutsche Autoindustrie in der Krise. Vor allem der Audi-Mutterkonzern VW fährt einen harten Sparkurs. Über 100.000 Stellen könnten weltweit im VW-Konzern wegfallen. Auch Werksschließungen stehen im Raum, neben drei VW-Werken wird auch immer wieder das Audi-Werk in Neckarsulm genannt.
Mehrere Faktoren setzen die deutsche Autobranche derzeit unter Druck: Seit 2025 erheben die USA auf zahlreiche importierte Autos und Autoteile Zusatzzölle von 25 Prozent. Das belastet die Exportperspektiven – insbesondere bei Audi, da das Unternehmen bislang kein eigenes Werk in den USA hat. Am größten Automarkt der Welt, in China, verlieren deutsche Hersteller zunehmend Preiskämpfe gegen dort heimische Hersteller wie BYD und MG.
Zwar verdienen deutsche Autobauer noch immer Milliarden, trotzdem laufen in der gesamten Branche Sparprogramme und Umstrukturierungen. Die hohen Gewinne brauchen die Hersteller eigenen Angaben nach, um in den Umbau zur Elektromobilität und in neue Technologien zu investieren.
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