Tonnenschwere Bagger, Bohrwagen und Sprengtrupps arbeiten sich am Nordportal des Auerbergtunnels bei Eschenlohe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen Meter für Meter in den Berg. Wo bis vor wenigen Tagen noch die letzten Vorbereitungen liefen, wächst jetzt eines der größten Straßenbauprojekte in Bayern.
Tunnelbauer haben jetzt den festen Fels erreicht
Noch geht der Vortrieb vergleichsweise langsam voran. Zunächst mussten sich die Bauarbeiter durch lockeres Gestein arbeiten. Inzwischen ist dieser Abschnitt geschafft. "Wir sind jetzt im Festgestein. Das ist Hauptdolomitgestein, das ist sehr fest. Da fahren wir jetzt im Sprengvortrieb", erklärt Projektleiter Stephan Geuder im BR24-Interview.
Derzeit entstehen rund fünf Meter Tunnel pro Tag. Schon in den kommenden Tagen sollen die Sprengabschnitte deutlich verlängert werden. "Pro Sprengung werden künftig rund zweieinhalb Meter herausgebrochen. So können wir eine Vortriebsgeschwindigkeit von zehn bis 13 Metern pro Tag erreichen", sagt Geuder. Gearbeitet wird dafür rund um die Uhr. Bis der Tunneldurchschlag gelingt, rechnen die Verantwortlichen mit gut einem Jahr. Ab August soll parallel an der zweiten Röhre gearbeitet werden.
Die ersten Meter sind bereits geschafft im Auerbergtunnel.
Entlastung für Pendler und Anwohner
Der Auerbergtunnel ist Teil eines ganzen Bündels von Straßenprojekten im Loisachtal. Zusammen mit der bereits fertiggestellten Ortsumfahrung Oberau und der Umfahrung Farchant soll eine leistungsfähige Verbindung zwischen München und Garmisch-Partenkirchen entstehen. Je Fahrbahn führen dann zwei Fahrspuren entweder Richtung Berge oder nach München.
Und auch der Markt Garmisch-Partenkirchen selbst soll entlastet werden. Im Kramertunnel erfolgt bald der Fahrbahneinbau. Im Gegenverkehr werden die Fahrzeuge durch die Röhre fahren. Verkehrsfreigabe soll 2028 sein und den Ortsteil Garmisch vom Durchfahrtsverkehr befreien. Die Vorbereitungen für den Wanktunnel, der Ortsumfahrung von Partenkirchen, laufen. Jedoch ist laut Staatlichen Bauamt Weilheim ein Baustart der Röhre mit Gegenverkehr frühestens 2030 möglich.
Nach derzeitigem Planungsstand werden für die fünf Straßentunnel im Loisachtal rund 1,4 Milliarden Euro investiert. Das ergibt sich aus den aktuellen Kostenschätzungen und bereits realisierten Projekten.
Kritik an den Tunnelprojekten
Die Tunnelprojekte im Loisachtal sind nicht unumstritten. Umweltverbände wie der Bund Naturschutz (BN) kritisieren seit Jahren die hohen Kosten und befürchten, dass zusätzliche Straßenkapazitäten langfristig noch mehr Autoverkehr anziehen könnten. Zudem greifen die Bauarbeiten in Natur und Landschaft ein. Stattdessen fordert der BN einen Ausbau des Schienenverkehrs im Oberland.
Die Befürworter halten dagegen, dass der Verkehr bereits heute vorhanden sei. Mit den Tunneln solle er nicht zunehmen, sondern aus den Ortszentren verlagert werden. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter verweist auf die Entlastung für die Menschen vor Ort: "Wir haben im Werdenfelser Land heute rund 20.000 Fahrzeuge am Tag, Tendenz steigend. Darum müssen wir für mehr Verkehrssicherheit sorgen und vor allem die Anwohner entlasten. Deshalb sind diese Maßnahmen enorm wichtig", sagte der CSU-Politiker im BR24 Interview. Nach der Eröffnung des Tunnels Oberau habe sich die Lebensqualität für viele Anwohner bereits spürbar verbessert.
Auerbergtunnel soll Nadelöhr entschärfen
Der Auerbergtunnel besteht aus zwei jeweils 1,9 Kilometer langen Röhren mit je zwei Fahrstreifen. Zusammen mit dem vierstreifigen Ausbau der B2 soll er den Flaschenhals am Ende der A95 beseitigen und den Verkehr Richtung Garmisch-Partenkirchen flüssiger machen.
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