Nahaufnahme eines pink lackierten Busses mit der weißen Aufschrift "Ersatzverkehr"
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Für Pendler ist die Sanierung der Bahnstrecke zwischen Regensburg und Nürnberg eine Geduldsprobe. Wie läuft es mit dem Schienenersatzverkehr?
Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2026
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Für Pendler ist die Sanierung der Bahnstrecke zwischen Regensburg und Nürnberg eine Geduldsprobe. Wie läuft es mit dem Schienenersatzverkehr?

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Ausgebremst? Mit dem Schienenersatzverkehr zur Arbeit

Ausgebremst? Mit dem Schienenersatzverkehr zur Arbeit

Für Pendler ist die Sanierung der Bahnstrecke zwischen Regensburg und Nürnberg eine Geduldsprobe. Für den Pendler Simon Semmler wird der erste Tag mit dem Ersatzbus zum Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Kommt er pünktlich zum Unterricht an?

Über dieses Thema berichtet: BR24 vor Ort am .

Es ist der erste Montag mit Schienenersatzverkehr, Simon Semmler ist früh wach. Um 4.45 Uhr klingelt sein Wecker, um kurz vor halb sechs muss er aus dem Haus. Mit dem Auto von seinem Wohnort Daßwang im Landkreis Neumarkt zur Bushaltestelle in Parsberg. Am Tag zuvor hatte er sich die Bushaltestelle schonmal bei Tageslicht angeschaut. "Es ist ja alles ein wenig unvorhersehbar, ich bin schon etwas gestresst deshalb", sagt der 30-Jährige, der als Lehrer an einer Mittelschule in Nürnberg arbeitet.

Fast eine Stunde mehr Reisezeit mit dem Bus

37 Minuten braucht Semmler normalerweise mit dem Zug von Parsberg nach Nürnberg. Jetzt, mit dem Ersatzbus, muss er einiges mehr an Zeit einplanen: eine Stunde und 35 Minuten – vorausgesetzt, der Bus fährt pünktlich. Für Pendler wie ihn ist die Generalsanierung zwischen Regensburg und Nürnberg eine Belastungsprobe.

Die Strecke ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Bayern. Tausende Menschen pendeln täglich zwischen der Metropolregion Nürnberg und Regensburg. Über 350 Züge sind täglich auf der Strecke unterwegs, neben den Regionalzügen auch Fernzüge und Güterverkehr. Bis Juli sind die Pendler auf Ersatzbusse angewiesen, während auf der Bahnstrecke Gleise, Weichen und Oberleitungen erneuert werden. Der Fernverkehr wird über Ingolstadt umgeleitet, Güterzüge vor allem über Schwandorf.

Ersatzverkehr muss sich noch einspielen

Semmlers Schule liegt im Stadtzentrum von Nürnberg. Mit dem Auto direkt zur Schule zu fahren, kommt für ihn deshalb nicht infrage. Zudem kann er im Zug – oder jetzt im Bus – den Unterricht vor- oder nachbereiten. Bevor er am Montagmorgen zur Bushaltestelle losfährt, checkt er nochmal die App der Deutschen Bahn. Seine Verbindung hat bereits Verspätung und der Halt in Nürnberg, an dem er eigentlich aussteigen will, entfällt. Egal, Hauptsache erstmal nach Nürnberg kommen.

An der Bushaltestelle in Parsberg warten bereits ein Dutzend weitere Pendler. Der Bus kommt dann doch pünktlich. Semmler findet einen Sitzplatz. Zunächst läuft alles gut. Aber kurz vor dem Ziel nimmt der Busfahrer eine falsche Abzweigung und muss eine Schleife fahren. Nach rund 70 Kilometern auf der Autobahn erreicht der Bus sein Ziel mit leichter Verspätung. Sogar an der Haltestelle, die laut App eigentlich ausfallen sollte. Semmler muss nur noch in die U-Bahn umsteigen, die ihn zur Schule bringt.

Er schafft es rechtzeitig zum Unterricht. Die rund 15 Minuten, die Semmler durch den Umweg verloren hat, hatte er eigentlich für ein kleines Frühstück mit Kollegen eingeplant. Er ist dennoch erleichtert, rechtzeitig angekommen zu sein. "Also ich denke, abgesehen von der Extrarunde, ist es schon recht angenehm mit dem Bus", lautet sein Fazit zum Schienenersatzverkehr.

Busfahrer wurden bei Testfahrten geschult

Zwischen Nürnberg und Regensburg sind während der Generalsanierung fast 100 Busse unterwegs. Sie legen täglich über 45.000 Kilometer zurück. Die Busfahrer wurden aus mehr als zehn Ländern rekrutiert und wochenlang auf ihren Einsatz vorbereitet, zum Beispiel mit Testfahrten auf den Strecken.

Zur besseren Orientierung stehen an den Haltestellen in Regensburg, Neumarkt und Nürnberg sogenannte Reisendenlenker bereit. Sie helfen Fahrgästen beim richtigen Ein- und Umstieg oder informieren bei Verspätungen.

Bahn hat stellenweise nachjustiert

Die Bahn hat bereits Erfahrungen mit Schienenersatzverkehr im großen Rahmen. Bei der ersten Generalsanierung in Deutschland, der Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt, konnte die DB erste Erfahrungen sammeln. Trotzdem: Jede Strecke ist anders, eine Blaupause für alle Schienenersatzverkehre gibt es nicht.

Die Bahn hat sich deshalb darauf eingestellt, Anpassungen vorzunehmen, sollten sie notwendig werden. Laut einer Bahnsprecherin wurde bereits in den ersten Tagen nach Start des Schienenersatzverkehrs nachjustiert. So seien beispielsweise Beschilderungen ergänzt und Haltestellen verrückt worden. Auch auf Baustellen in den Städten wurde kurzfristig reagiert. Falls notwendig, sei man auch in Zukunft vorbereitet, um nachzusteuern.

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