Start Generalsanierung - Nürnberg-Regensburg“ steht auf einem Leuchtschild vor einem Bagger. Die Deutsche Bahn beginnt die Generalsanierung am Freitag, 6. Februar. Die Arbeiten sollen fünf Monate dauern und bis zum 10. Juli abgeschlossen sein.
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Start Generalsanierung - Nürnberg-Regensburg“ steht auf einem Leuchtschild vor einem Bagger.
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Bahn-Generalsanierungen in Bayern – die Pläne und die Kritik

Bahn-Generalsanierungen in Bayern – die Pläne und die Kritik

An diesem Wochenende beginnt die erste von insgesamt sieben geplanten Generalsanierungen von wichtigen Bahnstrecken in Bayern. Seit Freitagabend ist die Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg gesperrt. Das Vorgehen der Bahn wird stark kritisiert.

Über dieses Thema berichtet: radioWelt am .

Zwischen Nürnberg und Regensburg werden unter anderem bis Mitte Juli über 80 Kilometer Gleise und Oberleitung sowie mehr als 40 Weichen erneuert und 20 Bahnhöfe entlang der Strecke modernisiert. Ziel dieser Korridorsanierung bis zum Spätsommer ist es, die Strecken langfristig stabiler und widerstandsfähiger zu machen.

Pro Bahn kritisiert Zustand der Umleitungsstrecken

Weniger Störungen, und damit weniger Verspätungen will die Bahn erreichen. Lukas Iffländer von Pro Bahn sagt, der Fahrgastverband stehe hinter dem Konzept der Generalsanierungen. Er kritisiert aber, dass die Umleitungsstrecken nicht ausgebaut worden sind, und dass trotz der Vollsperrung eben nicht alles saniert werden wird.

Es fehlen demnach das Europäische Zugleitsystem ETCS und mehrere marode Brücken entlang der Strecke werden auch nicht saniert. "Gerade bei den ersten Generalsanierungen wird das leider jetzt nicht vollständig umgesetzt, weil die Bahn mit der Planung nicht hinterherkommt. Das heißt, bei den Generalsanierungen in Bayern da haben wir einige Bauchschmerzen. Das generelle Konzept ist allerdings in Ordnung."

Sieben Generalsanierungen - zwei gelten als besonders problematisch

Die Bauarbeiten zu bündeln, so dass zeitweise rund 2.000 Bauarbeiter an der Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg effektiv arbeiten können, dafür sorgt die Vollsperrung. Sie ist die erste von insgesamt sieben Generalsanierungen oder Korridorsanierungen, die in den nächsten Jahren in Bayern geplant sind. Vor allem die Vollsperrung der Strecken Nürnberg Regensburg und Obertraubling - Passau, und der zwei Strecken von Rosenheim bis Salzburg und von München bis Rosenheim gelten als problematisch wegen der Umleitungen.

Bildrechte: Deutsche Bahn, Bearbeitung BR / Harald Vobrugg
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Grafik zu den geplanten Generalsanierungen wichtiger Bahnlinien in Bayern

Störungen könnten sich dominoartig ausweiten

Auf den Umleitungsstrecken bedeutet das jeweils Verkehr bis zum Anschlag. Denn auf bereits gut ausgelasteten Strecken müssen zusätzlich die umgeleiteten Fern- und Güterzüge fahren. Das macht die bisher nicht sanierten Strecken extrem anfällig, warnt Peter Westenberger vom Verband der privaten Güterbahnen. Das könne dazu führen, dass es unvorhergesehene Störungen geben könne, "die sich über Bayern hinaus dominoartig ausbreiten, dass der Zugverkehr zum Erliegen kommt und nur langsam wieder angefahren werden kann." Das könne in einem neuralgischen Bereich durch einen ausgefallenen Bahnübergang, einen Suizid, ausgefallene Weichenantriebe oder schon durch eine extreme Wetterlage sein, wenn "der Zugverkehr für mehr als eine halbe Stunde ausfällt."

Umleitungsstrecken sorgen für längere Fahrzeiten

Selbst wenn alles gut geht und der Verkehr nicht zusammenbricht, bedeuten die vielen Umleitungskilometer für Fern- und Güterzüge in jedem Fall längere Reise und Transportzeiten, also gestiegene Kosten. Viele Pendler werden auf das Auto umsteigen, so die Erfahrungen nach Vollsperrungen und längeren Baustellen. Darum spricht zum Beispiel der Schienenverkehrsexperte der TU Berlin, Markus Hecht, von großen volkswirtschaftlichen Kosten der Komplettsperrung. Dafür werde es für den Auftraggeber, also die DBInfraGo billiger: "Sie bekommt alles vom Bund bezahlt und kann bei einer Vollsperrung viel leichter bauen, als wenn nur ein Gleis gesperrt würde, wie sonst überall in Europa bei Bauarbeiten."

In BR24 TV sagte der Verkehrswissenschaftler Christian Böttger, dass es keine Berechnung der wirtschaftlichen Wirkung dieser Generalsperrung gibt und das erforscht werden müsste, wie hoch der wirtschaftliche Schaden der Generalsanierungen sei.

Im Güterverkehr könnten Kunden abspringen

Die privaten Güterzuganbieter transportieren mehr als die Hälfte aller Güter auf der Schiene, sie fürchten, dass Ihnen ein großer Teil des Geschäfts wegen der langen Umleitungstrecken wegbrechen könnte, fürchtet Westenberger. Er nennt als konkretes Beispiel den Autobauer Audi, der noch vor zwei Jahren damit geworben hat, dass er den Teiletransport in die Werke in Ungarn über die Schiene abwickelt.

Der Fall hänge mit der Korridor-Sperrung entlang der Donau zusammen, "dass Audi angekündigt hat, Verkehre zwischen Süddeutschland und Ungarn, die auf der Schiene sind, wieder auf die Straße zurück zu verlagern, weil sie während der Korridor-Sperrung eben keine Perspektive sehen, dort einen vernünftigen Verkehr mit der Schiene abzuwickeln." Das sei bitter, denn wenn man Kunden verliere, "ist es extrem schwer, die auch wieder zurückzugewinnen für die Schiene".

Güterbahnen schreiben an den Bundesverkehrsminister

Weil die Sperrungen in Bayern auch den Verkehr in die Nachbarländer betreffen, werden sie wohl auch Thema sein beim Treffen des deutschen Verkehrsministers Patrick Schnieder mit dem österreichischen Verkehrsminister Peter Hanke in der nächsten Woche. Westenberger hat einen Tag vor Beginn der Vollsperrung zwischen Nürnberg und Regensburg eine Brief an den Bundesverkehrsminister geschrieben. Klare Forderung, das Prinzip der Vollsperrungen müsse überprüft werden. Spätestens wenn sich herausstellen sollte, dass "das Baufreiheitsversprechen von fünf bis acht Jahren in Frage steht".

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