Viele haben ihn noch – teilweise aktiv bespart, in vielen Fällen seit Jahren ruhend: einen Riester-Vertrag. Im kommenden Jahr will die Bundesregierung die geförderte private Altersvorsorge neu aufstellen. Am 1. Januar soll ein neues Modell starten, das "Altersvorsorgedepot". Der Regierungsentwurf ist noch nicht endgültig verabschiedet, Änderungen im parlamentarischen Verfahren also möglich. Klar ist aber schon jetzt: Künftig wird es keine neuen Riester-Verträge mehr geben.
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Bestandsschutz für laufende Riester-Verträge
Für bestehende Verträge soll es Bestandsschutz geben. Niemand muss automatisch kündigen oder umstellen. Aber: Was ist für Sparerinnen und Sparer mit einem laufenden oder stillgelegten Riester-Vertrag die klügste Entscheidung?
Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Denn die Entscheidung hängt häufig an einem kleinen, aber entscheidenden Detail: Wie stark profitiert man im eigenen Vertrag aktuell von der Förderung?
Neues Vorsorge-Modell mit neuer Logik
Dieses Detail ist deshalb so wichtig, weil das neue Modell die Logik der Förderung verändert. Das bisherige Modell arbeitete in der Praxis stark mit Zulagenmechanismen, die je nach persönlicher Situation sehr unterschiedlich wirken konnten. Im geplanten Depotmodell dagegen soll die Förderung ganz einfach pro eingezahltem Euro greifen. Genau darin könnte für viele möglicherweise das Problem liegen: Denn wer nur wenig einzahlen kann, bekommt im neuen System automatisch weniger staatlichen Zuschuss.
Für Menschen, bei denen die Riester-Förderung bislang besonders stark "zieht" – etwa durch Kinderzulagen oder weil mit eher kleinen Eigenbeiträgen vergleichsweise viel Förderung zusammenkommt – kann das bedeuten: Ein vorschneller Ausstieg wäre riskant. Beispielrechnungen zeigen, dass Riester in bestimmten Konstellationen bei geringen Beiträgen und mit Kindern relativ vorteilhaft bleiben kann, während das neue Modell stärker an die eigene Sparleistung gekoppelt ist.
Für manche lohnt sich Riester weiterhin
Für diejenigen, die im bestehenden Riester-Vertrag kaum von Zulagen profitieren und noch viele Jahre bis zum Ruhestand haben, könnte ein Umstieg eine Chance sein. Denn das neue Modell soll eine höhere Renditechance ermöglichen: weg von der strikten Beitragsgarantie als Renditebremse, hin zu kapitalmarktnäheren Lösungen. Um diesen Kurswechsel konsequent durchzuziehen, ist ein Standardprodukt mit Kostendeckel ebenso geplant wie ein Depot mit Fondsauswahl innerhalb vorgegebener Risikoklassen. Einzelaktien wären nicht förderfähig, ETFs und Fonds dagegen schon. Zusätzlich sollen Garantievarianten mit 80 oder 100 Prozent Beitragsschutz möglich bleiben.
Für viele Bestandskunden führt das zu einer pragmatischen Zwischenentscheidung: nicht "entweder oder", sondern erst einmal Luft holen. Einen Vertrag ruhend zu stellen, kann sinnvoll sein, wenn man unsicher ist und noch nicht kündigen möchte. Denn Kündigungen können – je nach individueller Vorgeschichte – dazu führen, dass Fördervorteile verloren gehen oder rückabgewickelt werden. Deshalb gilt: Kündigen nur nach genauer Prüfung – nicht aus Ärger!
Mehr Klarheit bis zum Herbst
Im Laufe des Jahres dürfte für viele Sparerinnen und Sparer ein realistischer Fahrplan erkennbar sein: den eigenen Vertrag wieder hervorholen, Kosten und Förderwirkung prüfen und sich dann auf der Basis des dann verabschiedeten "Altersvorsorgedepots" bewusst entscheiden.
Wer im alten System überproportional profitiert, fährt häufig gut damit, den Riester-Vertrag zunächst nicht anzufassen. Wer dagegen noch eine lange Laufzeit vor sich hat, einen klaren Renditefokus und nur wenige Möglichkeiten, eine Zulage zu erhalten, für den kann das neue Depot eine sinnvolle Alternative sein.
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