"Vorübergehend geschlossen" heißt es in den Gletscherskigebieten in Zermatt und in Saas-Fee. Die hochgelegenen Pisten bieten normalerweise im Sommer durchgehend gute Bedingungen für Trainingscamps und zum Genuss-Skifahren. Auch am Stilfser Joch, international bekannt für seine Sommerski-Möglichkeiten, stand der Betrieb wochenlang still. "Wir hatten fünf Hitzewellen in diesem Sommer", erzählt Karl Thöni, Mitarbeiter am Stilfser Joch, "der Gletscher hat sehr gelitten und ist um mehrere Meter geschrumpft."
So lag die Nullgrad-Grenze oftmals weit über 4.000 Metern. Seit einigen Tagen ist es zumindest in der Nacht wieder kalt, so dass Karl Thöni und seine Kollegen zwei Lifte öffnen konnten. "Durch die warme Witterung waren mehrere Gletscherspalten auf den Pisten entstanden", erzählt Thöni, "doch die konnten nun gut gefüllt werden."
Ökologie im eigenen Interesse
Skipisten auf Gletschern präparieren und Spalten mit Kunstschnee füllen: Ist das in Zeiten des Klimawandels ökologisch vertretbar? Ja, sagt der renommierte Gletscher- und Klimaforscher Georg Kaser. Für das Eis sei das Skifahren kein Problem, auch nicht der Skibetrieb oder der Unterhalt der Anlagen: "Das macht dem Gletscher nichts aus. Man kann sogar sagen, dass die Betreiber der Gletscherskigebiete zumindest marginal dazu beitragen, die Eismasse zu erhalten. Schließlich bildet sie deren Einkommensgrundlage."
Für die Ökologie werde mittlerweile viel getan. So seien beispielsweise Ruß und Ölreste heutzutage kein Problem mehr in Gletscherskigebieten dank schwefelfreiem Biodiesel. Darüber hinaus nutzen Betreiber unter anderem die Sonnenenergie und mikrobiologische Kläranlagen.
Gletscher leiden unter menschengemachtem Klimawandel
Doch die Folgen des Klimawandels setzen den Alpen insgesamt stark zu, da sind sich Georg Kaser und die Innsbrucker Glaziologin Andrea Fischer einig. "Die ökologischen Bedenken bezüglich des Skitourismus sind die gleichen wie beim Tourismus allgemein und betreffen die Energiebilanz, den Verkehr und die Infrastruktur", so Fischer. Die Anreise mit dem Auto, der Bau von Verkehrswegen und Parkplätzen verändern nicht nur das Landschaftsbild, sondern schlagen sich auch in der CO2-Bilanz negativ nieder.
"Was den Gletschern massiv schadet, ist dieser menschengemachte Klimawandel, der uns momentan 5 bis 10 Prozent der Gletscherfläche pro Jahr kostet", erklärt die Glaziologin. Der Mensch müsse daher dringend dafür sorgen, dass er seinen ökologischen CO2-Fußabdruck künftig deutlich verkleinere.
Wo trainiert der Ski-Nachwuchs aus Bayern?
Mitte August gab es in den Alpen nirgends mehr geöffnete Pisten. Für europäische Profi-Skifahrer und Nationalteams ist das ein Problem. Sie haben ihr Trainingslager heuer nach Südamerika verlegt und trainieren beispielsweise in Chile auf vier Metern Neuschnee. Das kann und will sich der Ski-Nachwuchs in Bayern nicht leisten.
Der Bayerische Skiverband nutzt daher Alternativen, sagt Leistungssportkoordinator Fabian Emmert: "Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir nicht zwingend auf Schnee trainieren, sondern können uns auf die athletischen Entwicklungen der Nachwuchssportlerinnen und -sportler konzentrieren. Das bedeutet viel Krafttraining, auch für die Rumpfstabilität, außerdem Ausdauertraining wie Laufen und Radeln sowie Koordinationstraining."
Ansonsten weicht der bayerische Ski-Nachwuchs auf die Skihallen in Wittenburg oder in den Niederlanden aus. "Im vergangenen Jahr konnten wir auch im August noch gut am Stilfser Joch und in Saas-Fee trainieren", berichtet Emmert, "das war heuer nicht möglich. Aber vielleicht sieht es nächstes Jahr schon wieder anders aus."
Warten auf das weiße Gold
Langfristig werde sich jedoch auch der Wettkampfzeitraum im Spitzensport den klimatischen Veränderungen anpassen müssen, so Emmert. Die Rennen werden in die Zeiten verlegt werden müssen, in denen verlässlich gute Schneebedingungen in den Bergen herrschen. So wird es beispielsweise jetzt schon knapp für das Training der internationalen Spitzen-Slalom-Fahrerinnen und -fahrer, denn der Weltcup-Winter beginnt bereits Mitte November im finnischen Levi.
Kurz entschlossen fliegen die österreichischen Slalom-Profis daher nun ebenfalls nach Chile, wo sie gute Bedingungen vorfinden. Derweil hofft Karl Thöni am Stilfser Joch auf 30 bis 40 cm Neuschnee, die man brauche, damit wieder alle Lifte und Pisten geöffnet werden könnten. "Ja, wir warten natürlich auf das weiße Gold", sagt er. Doch momentan ist in Südtirol auf über 3.000 Metern kein ergiebiger Schneefall in Sicht.
Dieser Artikel ist erstmals am 12. September 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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