Im meteorologischen Sommer 2026, also von Juni bis August, wurden in Bayern durchschnittlich rund 28 heiße Tage registriert. Das sind Tage, an denen die höchste gemessene Lufttemperatur bei mindestens 30 Grad liegt. Hinzu kamen im Landesmittel etwa sieben sehr heiße Tage mit Temperaturen von 35 Grad und mehr.
Grafik: Immer mehr heiße und sehr heiße Tage
Besonders viele sehr heiße Tage gab es 2026 etwa in Unterfranken. So maß die Station in Kitzingen 21 Tage mit Temperaturen von mindestens 35 Grad, in Würzburg waren es 17. In Kahl am Main sowie in Regensburg und Rothenburg ob der Tauber wurden jeweils 16 sehr heiße Tage registriert. Die hohen Temperaturen in Unterfranken werden unter anderem durch die geografische Lage der Region sowie eine hohe Sonneneinstrahlung begünstigt. Ein Großteil der Region liegt niedrig. Bei schwachen Windverhältnissen kann das den Luftaustausch begrenzen und die Erwärmung bodennaher Luft verstärken.
Meteorologe: Neue Klimarealität
Damit zählten auch Mittelfranken und die Oberpfalz zu den Regionen mit einer vergleichsweise hohen Zahl sehr heißer Tage. Bayern steht laut Meteorologe Guido Kugelmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) nicht vor einem einmaligen Hitzeereignis, sondern vor einer langfristigen Entwicklung. "Wir erleben eine neue Klimarealität, an die wir uns anpassen müssen." Solche Rekordtemperaturen werden künftig häufiger auftreten, erklärt er. Für die hohen Temperaturen in diesem Jahr nennt der Experte mehrere Ursachen: warme Luftmassen aus Nordafrika, ein langanhaltendes Hochdruckgebiet sowie die intensive Sonneneinstrahlung Ende Juni.
An einzelnen Tagen stiegen die Temperaturen sogar auf über 40 Grad. Mit 40,8 Grad wurde die höchste Temperatur Bayerns in Kitzingen gemessen. Kahl am Main erreichte diesen Sommer 40,7 Grad. In Röllbach, Möhrendorf-Kleinseebach und Würzburg war die Höchsttemperatur jeweils bei 39,9 Grad.
Grafik: Mittlere Sommertemperatur in Bayern steigt
Die Durchschnittstemperatur des Sommers lag dieses Jahr in Bayern bei 19,9 Grad. Zum Vergleich: Im Referenzzeitraum 1961 bis 1990 betrug die mittlere Sommertemperatur 15,8 Grad, im Zeitraum 1991 bis 2020 lag sie bei 17,3 Grad.
Durchschnittstemperatur in Bayern für den Sommer (Grad Celsius)
Nach Einschätzung von Klimaexperte Guido Kugelmann ist davon auszugehen, dass sich die Entwicklung fortsetzt. "Beim menschengemachten Klimawandel sind höhere Durchschnittstemperaturen und mehr Extremereignisse zu erwarten, also auch mehr heiße und sehr heiße Tage."
Hitze und ihre Folgen
Besonders belastend für Mensch und Natur wird es, wenn die heißen und sehr heißen Tage gebündelt auftreten. Üblich ist in Bayern, dass Tage mit einer Höchsttemperatur von 35 Grad einzeln sind. 2026 lag der Durchschnitt bei zwei am Stück. Rund ein Drittel der Stationen mit einer langen Zeitreihe hatten im Jahr 2026 die längste Periode mit durchgehend sehr heißen Tagen. Darunter Kitzingen, wo die Höchsttemperatur im Juni elf Tage am Stück über 35 Grad lag. Diese Zahl wurde bisher nur im Jahrhundertsommer 2003 erreicht.
Die anhaltende Hitze kann gefährlich werden für Mensch und Natur. "Durch die höheren Temperaturen verdunstet mehr Wasser. Die Böden sind in diesem Sommer stark ausgetrocknet. Höhere Temperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit und zunehmende Trockenheit erhöhen das Risiko für Waldbrände", sagt Kugelmann.
Besonders viele Tropennächte in 2026
Und nicht nur tagsüber wird es immer heißer. Der Sommer 2026 verzeichnete in Bayern auch historisch viele Tropennächte – wenn von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. Im bayernweiten Mittel gibt es üblicherweise rund eine Tropennacht pro Sommer. Die meisten Tropennächte wurden bisher im Jahr 2003 auf dem Hohen Peißenberg gemessen. Damals waren es zwölf. Diese Marke wurde im Sommer 2026 an mindestens fünf bayerischen Stationen übertroffen.
Und auch die Tropennächte reihten sich in den meisten Fällen aneinander – so gab es etwa in Würzburg, aber auch in der kleinen Gemeinde Sandberg in Unterfranken oder auf dem Hohen Peißenberg acht Tropennächte am Stück. Die folgende Grafik zeigt an fünf Beispielen, wie groß der Unterschied dieses Sommers zu vorigen auffälligen Jahren ist:
Grafik: Zusammenhängende Tropennächte werden häufiger
Ob die zunehmende Dauer solcher Wetterlagen mit dem Klimawandel zusammenhängt, ist in der Wissenschaft weiterhin Gegenstand von Diskussionen. "Es gibt verschiedene Theorien, etwa dass höhere Temperaturen an den Polen den Jetstream beeinflussen und er dadurch weniger intensiv wird", sagt Meteorologe Guido Kugelmann
Bayernkarte: Der Hitze-Sommer 2026 im Überblick
Auf der folgenden Karte können Sie nachvollziehen, wo und wie stark der Sommer 2026 vom „Normalwert“ (Mittel der Sommer 1991 bis 2020) abwich:
Für den kommenden Herbst erwarten Meteorologen überdurchschnittlich warme Monate. "Die Prognosen deuten auf einen wärmeren Herbst im Vergleich zum langjährigen Mittel hin", sagt Guido Kugelmann.
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