Von einer kühlen Erfrischung von den ohnehin schon hohen Temperaturen an Land kann im Mittelmeer mancherorts keine Rede mehr sein. Denn die Wassertemperatur misst im Sommer laut dem EU-Beobachtungsprogramm Copernicus Marine Service mittlerweile an manchen Stellen rund 30 Grad Celsius. Im Juni haben die Weltmeere nun einen neuen Temperaturrekord erreicht. Nach Angaben von Copernicus lag die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Ozeane im vergangenen Monat bei 20,98 Grad – Rekordwert für Juni.
Das Mittelmeer erlebt damit eine besondere Hitzewelle: Die Wassertemperaturen liegen im Durchschnitt 5,2 Grad über dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 1982. Daten der Plattform "Climate Reanalyzer" der University of Maine (externer Link) stützen diese Werte. Doch wie verändert das warme Wasser den Urlaub am Mittelmeer?
Algen und Bakterien häufen sich in warmem Wasser
Knapp 18 Prozent der Bayern machen laut Reiseanalyse 2025 am liebsten Urlaub in Italien. Doch das immer wärmer werdende Mittelmeer, auch vor Griechenland, Kroatien, der Türkei und Spanien, hat Folgen.
Eine 2025 veröffentlichte Studie des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel zeigt: Schon geringe zusätzliche Erwärmungen erhöhen die Risiken für Natur und Menschen. Mit steigenden Wassertemperaturen können sich schädliche Algen und Bakterien häufen. In warmen, nährstoffreichen und eher stehenden Küstengewässern wird das Wasser dann grün und trüb. Hier sollten Urlauber nicht baden, um Hautreizungen, Magen-Darm-Probleme oder Ohrenentzündungen zu vermeiden.
Das Mittelmeer reagiert besonders stark auf warmes Klima, wie die Hitzewelle im Juni. Laut GEOMAR erwärmt es sich wegen seiner Geografie schneller: Als Binnenmeer ist es nur über die Straße von Gibraltar mit dem kühleren Atlantik verbunden. Der Wasseraustausch ist gering, das Meer kühlt schlechter ab.
Buchten können wegen zu vieler Algen geschlossen werden
Beliebt bei vielen Bayern ist auch die kroatische Küste. Doch gerade die idyllischen, windgeschützten Buchten mit seichtem Wasser sind anfällig dafür, "umzukippen". Gemeint ist ein Zustand, in dem durch geringen Sauerstoffaustausch Fische sterben und sich zusätzlich Algen ansammeln, erklärt Christian Wild, Leiter des Bereichs Marine Ökologie an der Universität Bremen. Die Biomasse zersetzt sich, das Wasser färbt sich braun bis schwarz und die Bucht beginnt zu miefen.
Dieses Szenario tritt meist gegen Ende des Sommers auf. Betroffen sein können neben kroatischen Buchten auch Lagunen und Küstenabschnitte bei Venedig, Ravenna und Rimini. Hier mussten bereits 2024 Urlaubsstrände wegen zu vieler Algen schließen.
"Das Risiko nimmt zu, aber das heißt nicht, dass es so sein muss", sagt Wild. Denn die meisten Buchten des Mittelmeers kippen nicht um. Durch ausreichende Sauerstoffversorgung, Wellengang und tiefere Gewässer können sich problematische Algenteppiche dort deutlich schwieriger bilden.
Auch Unterwasserwelt betroffen
Durch das wärmere Wasser verändert sich die Unterwasserwelt deutlich. Das bekommen auch Schnorchler und Taucher zu spüren. Laut GEOMAR-Studie könnten Seegraswiesen schon bei geringer zusätzlicher Erwärmung massiv zurückgehen und heimische Fischbestände um 30 bis 40 Prozent schrumpfen. Wärmeliebende, invasive Arten breiten sich aus. Korallenriffe geraten ab etwa plus 3,1 Grad Celsius zunehmend in Gefahr. Viele Tauchgebiete dürften sich deshalb langfristig stark verändern.
Am besten informieren sich Reisende schon vor der Reise, ob ihre Urlaubsregion von den Folgen des warmen Mittelmeerwassers betroffen ist. Ist das Wasser grün und trüb, sollte dieser Abschnitt gemieden werden. Außerdem sollten Warnschilder am Strand unbedingt beachtet werden.
Weitere Temperaturrekorde erwartet
Grundsätzlich rät Christian Wild nicht dazu, den Urlaub am Mittelmeer ausfallen zu lassen. Touristen sollten sich aber darauf einstellen, dass sie im Extremfall einen "unerfreulichen Küstenurlaub" mit zum Beispiel mehr Algen erleben.
Angesichts der derzeitigen Meerestemperaturen und des sich abzeichnenden El Niño werden in den kommenden Monaten wahrscheinlich weitere Temperaturrekorde gebrochen werden, sagt Copernicus-Direktor Carlo Buontempo. Kühler wird es vorerst also nicht.
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