30 Prozent aller städtischen Straßen sollen bis zum Jahr 2040 von Baumkronen überdeckt sein: Das ist die Forderung des Bürgerbegehrens, das von den beiden TUM-Studierenden Stephanie Günther und Joseph Coenen initiiert worden ist. "Das bedeutet ungefähr 12.000 bis 15.000 neue Bäume, die wir innerhalb des Mittleren Rings pflanzen müssten", erklärt Coenen. Wenn es nach den Initiatoren geht, sollte die Planung der neuen Bäume in sogenannten Hitzequartieren außerdem schon im Jahr 2030 abgeschlossen sein.
Bürgerbegehren erfolgreich mit rund 50.000 Unterschriften
Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren, also den Antrag auf einen Bürgerentscheid, sind in München rund 33.000 Unterschriften nötig. Der "Baumentscheid" hat dieses Quorum um rund 17.000 Stimmen überschritten. Nach Aussage der Initiatoren haben in den vergangenen vier Monaten rund 50.000 Münchnerinnen und Münchner beim "Baumentscheid" unterschrieben.
30 Prozent Baumkronenüberdeckung gegen Hitzestress
Die Stadt München selbst hat in ihrem Papier "Klimaresilientes München 2050" ebenso die Vision formuliert, 30 Prozent ihrer Straßen mit Baumkronen zu überdecken. Also zehn Jahre später als es von der Initiative gefordert ist. "Unsere Ziele liegen eigentlich gar nicht so weit von dem entfernt, was die Stadt sowieso schon geplant hat", meint deshalb Initiator Joseph Coenen. "Aber selbst wenn das beschlossen ist, heißt das nicht, dass das auch passiert. Denn es gibt verschiedene Prioritäten in der Stadt." Je mehr politischer Druck gemacht werde, desto eher würde die notwendige Hitzeanpassung passieren, hofft der Student.
So geht es mit dem Baumentscheid weiter
Zunächst werden die gesammelten Unterschriften vom Kreisverwaltungsreferat München überprüft. Die Initiatoren sehen danach drei mögliche Wege, wie es mit dem Bürgerbegehren weitergehen könnte. Entweder werden die Ziele des Bürgerbegehrens vom Stadtrat direkt übernommen. Oder es kommt zum Bürgerentscheid, bei dem dann mindestens zehn Prozent aller Wahlberechtigten zustimmen müssten – also knapp 110.000 Menschen. "Die dritte Möglichkeit wäre, dass wir über gemeinsame Gespräche mit dem Stadtrat eine Verhandlungslösung finden", erklärt Stephanie Günther. Die Initiative sei für alle drei Möglichkeiten offen. "Wir sind gespannt", ergänzt die Studentin.
Rund 50.000 Münchnerinnen und Münchner haben in den letzten vier Monaten beim "Baumentscheid" unterschrieben.
Was der Münchner Oberbürgermeister zum "Baumentscheid" sagt
Der Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause bekundete dem BR gegenüber Sympathie für das Anliegen des "Baumentscheids". Er verwies jedoch auf die Kosten: Ein einzelner neuer Baum kostet je nach Standort zwischen 5.000 und 95.000 Euro. Deshalb diskutiere die Rathaus-Koalition derzeit darüber, wie auf die Anliegen des Baumentscheids eingegangen werden könne. Nach den Sommerferien werde dem Oberbürgermeister zufolge eine Entscheidung zum Baumentscheid fallen.
Stadt München plant Pflanzung von insgesamt rund 3.500 Bäumen
Zur weiteren Einordnung: Die Stadt München hatte im Jahr 2023 die Pflanzung von rund 3.500 Bäumen beschlossen. Davon werden dem Münchner Baureferat zufolge bis Ende dieses Jahres rund 2.000 gepflanzt sein. Die weiteren 1.500 Bäume sind schon geplant. Für dieses "3.500-Bäume-Programm" hat die Stadt München etwa 52 Millionen Euro Kosten veranschlagt. Denn in vorhandene Grünflächen kosten Bäume und ihre Pflanzung sowie Pflege rund 5.000 Euro. Und wenn im Straßenraum umfangreiche Baumaßnahmen notwendig sind, im Durchschnitt sogar 45.000 Euro.
Hohe Investitionen in Bäume, die sich auszahlen?
Auch die "Baumentscheid"-Initiatoren bedenken die Kosten der Baumpflanzungen. "Die Kosten sind auf jeden Fall ein wichtiges Thema und ein Punkt, den man auch immer mit ansprechen muss", so Joseph Coenen. Sein Argument: Was kostet es später, wenn man jetzt nichts macht? Die Hitze beeinträchtigt jetzt schon nicht nur die Gesundheit von vielen Menschen, sondern auch die bayerische Wirtschaft. Und Bäume könnten die Hitze in der Stadt lindern – bis zu zehn Grad Celsius gefühlter Temperatur. Dem TUM-Professor Stephan Pauleit zufolge verringert sich die Anzahl der Hitzestresstage auf Flächen, auf denen Bäume gepflanzt sind im Vergleich zu vollversiegelten Flächen zudem um die Hälfte.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

