Gemeinderatssitzung in Vohenstrauß: Dort wurde Parität bereits erreicht.
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Gemeinderatssitzung in Vohenstrauß: Dort wurde Parität bereits erreicht.

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Bayerns Kommunalpolitik ist Männersache – mit Ausnahmen

Bayerns Kommunalpolitik ist Männersache – mit Ausnahmen

Bayerns Kommunalvertretungen sind auch nach den Wahlen im März im Schnitt nur zu einem Viertel mit Frauen besetzt. BR24 hat die Daten analysiert und nach Gründen und Lösungen gefragt. Eine kleine Stadt in der Oberpfalz beweist, dass es anders geht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Im Gemeinderat von Untergriesbach im niederbayerischen Landkreis Passau sitzen 19 Männer und eine Frau. Regina Paleczek (FWG) ist die einzige Gemeinderätin. In 41 von 2056 bayerischen Gemeinden gibt es gar keine. Die aktuellen Zahlen des Landesamts für Statistik zeigen: Trotz leichter Fortschritte bleibt die Kommunalpolitik in Bayern eine Männerdomäne.

"Beim letzten Mal waren wir schon nur zwei. Ich habe gehofft, dass sich dieses Mal die Frauenquote erhöhen würde", sagt Paleczek. Es sei schwierig, Frauen zu finden, die kandidieren. Die 41-Jährige vermutet, dass es Frauen schwerer fällt, sich in den Vordergrund zu rücken.

Frauenanteil in Stadt- und Gemeinderäten – klicken Sie sich durch unsere Karte!

Frauenanteil steigt – bleibt aber niedrig

Das Bayerische Landesamt für Statistik hat nun alle Ergebnisse der bayerischen Kommunalwahl im März 2026 veröffentlicht. Die Daten zeigen: In allen drei Gremien (Gemeinde- und Stadträte sowie Kreistage) ist der Anteil von Frauen um zwei Prozentpunkte gestiegen.

Am besten schneiden die Stadträte in kreisfreien Städten ab. Unter allen Mitgliedern in Bayern liegt der Frauenanteil bei 36 Prozent. Es folgen die Kreistage in den Landkreisen mit 30 Prozent. Schlusslicht sind die Gemeinderäte und die Stadträte kreisangehöriger Städte: Dort liegt der Frauenanteil insgesamt bei nur 24 Prozent – mit großen Unterschieden von Ort zu Ort.

Grafik: So hoch ist der Frauenanteil in der Kommunalpolitik

Expertin rät: mögliche Kandidatinnen gezielt ansprechen

Wie lässt sich der Frauenanteil weiter erhöhen? Helga Lukoschat, Vorsitzende der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) in Berlin, rät Parteien und Wählergruppen, gezielt nach Kandidatinnen zu suchen, sie aufzubauen und im Wahlkampf zu unterstützen. Hinderlich für eine Kandidatur sei etwa die Angst vor Anfeindungen – von außen, aber auch in den Räten. Lukoschat fordert eine respektvolle Debattenkultur in den Gemeinde- und Stadträten: "Ausfällige Bemerkungen dürften nicht hingenommen werden."

Die Grünen haben für alle Parteilisten eine Quote eingeführt: Sie reservieren für Frauen alle ungeraden Plätze auf den Listen, also auch Platz eins. Ähnliche Quoten gibt es auch bei der SPD und der Linken. Und dann gibt es noch sogenannte Frauenlisten, die ausschließlich Kandidatinnen stellen.

Zeitliche und materielle Ressourcen seien entscheidend für eine erfolgreiche Kandidatur, sagt Lukoschat. Männer hätten häufiger diese Freiräume, weil die Partnerinnen ihnen den Rücken freihalten und sich um Kinder und Haushalt kümmern.

Diesen Rückhalt brauchen Frauen ebenso, sagt Regina Paleczek aus Untergriesbach. "Frauen würden sich gerne mehr engagieren, aber haben Bedenken, dass das zeitlich nicht klappt mit der Familie", sagt sie. Die Gemeinderatssitzungen bei ihr im Ort finden abends statt und dauern schon mal drei bis vier Stunden.

41 Gemeinderäte ohne Frauen

In Untergriesbach sitzt immerhin eine Frau im Gemeinderat. In 41 bayerischen Gemeinden gibt es gar keine Frau. Etwa in Breitenberg, rund 20 Minuten nördlich, ebenfalls im Landkreis Passau. Gemeinderatsmitglied Michael Rosenberger (CSU) hat das Ergebnis überrascht. "Ich kapier’s nicht", sagt er. In der vergangenen Legislaturperiode (2020 bis 2026) waren es immerhin noch zwei Frauen.

Bei den Breitenberger Parteilisten fällt auf: Frauen wurden nicht besonders weit vorne platziert, aber Frauen wurden auch ganz gezielt nicht gewählt. Für die CSU traten in Breitenberg elf Männer und drei Frauen an. Diese standen auf den Listenplätzen vier, neun und zwölf. Am Ende gingen sechs Plätze an die CSU. Die Christliche Parteifreie Wählergemeinschaft (CPW) nominierte zwei Frauen auf den Plätzen sechs und zehn. Die Partei erhielt sechs Sitze. Die AfD, die zwei Sitze bekam, hatte keine Frau auf der Liste.

Rosenberger erinnert es an eine Wahl vor 25 Jahren, als es ähnlich war. "So ticken die Menschen hier", sagt er. Er will das Thema Frauenanteil in den Gemeinderat mitnehmen. "Das muss man fraktionsübergreifend besprechen", findet er.

Vohenstrauß zeigt: So kann Parität gelingen

Dass es auch anders geht, zeigt Vohenstrauß im oberpfälzischen Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Im Stadtrat der knapp 8.000-Einwohner-Gemeinde herrscht Parität: Von 20 Mitgliedern sind elf weiblich. Nur drei Gemeinderäte in Oberbayern können das noch leicht toppen: Grafrath, Inning am Ammersee und Schöngeising.

"Die Parteien hatten durchweg eine hohe Anzahl an Frauen auf der Liste, das war ein wichtiger Grund", sagt die Vohenstraußer Stadträtin Lisa Vater (Freie Wähler/FW-UW). Auch sie findet, Parteien müssten auf die Frauen zugehen. Sie selbst wurde von den Freien Wählern angesprochen. Ihre Kollegin Anna Balk (CSU) ergänzt: "Gerade wenn man Kinder hat, braucht es von zu Hause den entsprechenden Rückhalt."

14 Prozent Frauenanteil bei den (Ober-)Bürgermeistern

Deutlich schlechter sieht es bei kommunalpolitischen Ämtern wie Bürgermeistern und Landräten aus. Vier Landkreise haben keine einzige Gemeinde mit einer Bürgermeisterin: Berchtesgadener Land, Miesbach, Neumarkt in der Oberpfalz und Pfaffenhofen an der Ilm. In keiner kreisfreien Stadt steht eine Frau an der Spitze – bei der vergangenen Wahl waren es immerhin drei.

Der Frauenanteil bei (Ober-)Bürgermeisterämtern liegt bei 12,5 Prozent. Nur 257 der 2.056 Gemeinden in Bayern werden aktuell von einer Frau geleitet. Das Verhältnis ist nicht nur in Bayern so, sagt Lars Holtkamp, Professor für Politik und Verwaltung an der Fernuniversität Hagen. Und das habe sich auch in den vergangenen 20 Jahren nicht verändert.

Bayernkarte: Hier führen Frauen das Rathaus

Wählen Sie aus, ob Sie die Gemeinden mit Bürgermeisterinnen oder die Landkreise mit Landrätinnen sehen möchten.

In Untergriesbach hat sich inzwischen ein Frauennetzwerk gegründet. "Wir wollen Frauen begeistern, sich politisch zu engagieren, in der Kommunalpolitik oder auch noch weiter", sagt die einzige Gemeinderätin Regina Paleczek. Außerdem wollen sie versuchen, Frauen auf den Wahllisten weiter nach vorne zu bringen.

Für die Wählerinnen und Wähler gibt es im Wahlsystem eine Möglichkeit, Frauen gezielt zu unterstützen: Durch Kumulieren und Panaschieren können die Bürgerinnen und Bürger ihre Räte individuell zusammenstellen und gezielt weibliche Bewerberinnen unterstützen – unabhängig davon, auf welchem Platz sie auf der Liste stehen.

Dieser Artikel ist erstmals am 13.07.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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