(Symbolbild) Eine Frau bei der Therapie für Stressmanagement und Meditation
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(Symbolbild) Ab 2027 gibt es in allen Bundesländern Anspruch auf einige Tage Bildungszeit im Jahr – außer in Bayern. Unfair oder aus gutem Grund?
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(Symbolbild) Ab 2027 gibt es in allen Bundesländern Anspruch auf einige Tage Bildungszeit im Jahr – außer in Bayern. Unfair oder aus gutem Grund?

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Bayerns Sonderweg: Warum es keinen Bildungsurlaub gibt

Bayerns Sonderweg: Warum es keinen Bildungsurlaub gibt

In Sachsen können Beschäftigte ab 2027 Bildungsurlaub nehmen. Dann gibt es in allen Bundesländern Anspruch auf ein paar Tage Bildungszeit im Jahr – außer in Bayern. Laut Staatsregierung soll das so bleiben. Unfair oder aus gutem Grund?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Youtube am .

Yoga zur Stressbewältigung oder ein Seminar über Fake News: Beschäftigte in fast allen Bundesländern können sich jährlich ein paar Tage Bildungszeit nehmen. Ab 2027 auch in Sachsen. Ausnahme: Bayern. Warum dieser Sonderweg? Was bringt ein Bildungsurlaub überhaupt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist Bildungsurlaub?

Bildungsurlaub ist ein gesetzlicher Anspruch auf Weiterbildung. Üblich sind fünf Tage pro Jahr – zusätzlich zu den normalen Urlaubstagen. Der Arbeitgeber zahlt Gehalt und Sozialabgaben weiter. Der Arbeitnehmer zahlt Workshop, Anfahrt und Unterkunft.

Der Bildungskurs muss im jeweiligen Bundesland als solcher anerkannt sein. Meistens sind das Angebote in den Bereichen Politik, berufliche Weiterbildung, Gesundheit (zum Beispiel Stressprävention) oder eine Fortbildung fürs Ehrenamt.

Warum kennt Bayern keinen Bildungsurlaub?

"Ein Gesetz ist nicht der Schlüssel zu einer höheren Weiterbildungsbeteiligung", argumentiert das bayerische Sozialministerium. Ein Bildungszeitgesetz führe nicht zwingend dazu, dass mehr Menschen sich weiterbilden. Der Blick in andere Bundesländer zeigt: Laut Bildungsbericht 2024 erfolgt tatsächlich nur ein Prozent aller Weiterbildungen auf Basis einer gesetzlichen Bildungsfreistellung. Auch deshalb, weil die meisten Bildungsmaßnahmen anders organisiert und finanziert werden.

Das Sozialministerium sagt weiter, Bayern fördere Weiterbildung auf vielfältige Weise – etwa mit dem "Pakt für berufliche Weiterbildung".

Was hält die Wirtschaft von Bildungsurlaub?

Laut Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) würde ein Bildungszeitgesetz "nur für unnötige Kostensteigerungen sowie weitere Bürokratisierung sorgen". Angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage komme die Forderung "zur Unzeit", sagt Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. "Wir müssen mehr arbeiten statt weniger."

Laut vbw steht Bayern in Sachen Weiterbildung auch ohne gesetzliche Regelung gut da. Im Deutschen Weiterbildungsatlas 2019 liegt der Freistaat mit knapp 13 Prozent "Weiterbildungsbeteiligung" der Über-25-Jährigen knapp über dem Bundesdurchschnitt (etwa zwölf Prozent).

Was sagen Sozialverbände und Gewerkschaften?

Ein Bildungszeitgesetz ist zur Fachkräftesicherung, wegen der Transformation und zur Stärkung der Demokratie "überfällig", so der DGB Bayern. Vorsitzender Bernhard Stiedl nennt es ein "peinliches Signal", dass Bayern als einziges Bundesland kein Bildungszeitgesetz hat.

Verena Bentele vom VdK ergänzt, es gehe darum, Menschen durch Weiterbildung bis zur Rente zu bringen oder Frauen nach der Kindererziehung wieder in den Job. Bildungsurlaub sei eine "volkswirtschaftlich auch langfristig lohnende Investition".

Welche Erfahrungen haben andere Bundesländer?

Den Anspruch auf Bildungszeit gibt es zwar in fast allen Bundesländern, genutzt wird er aber wenig. Nach Schätzungen des ifo-Instituts nahmen im Jahr 2024 deutschlandweit nur 9,4 Prozent aller Erwachsenen (25 bis 64 Jahre) überhaupt an Weiterbildungen teil. Für 2025 konnten noch keine offiziellen Zahlen ermittelt werden; die Website "Bildungsurlauber.de" [externer Link] spricht von insgesamt 1,2 Millionen Menschen, also rund acht Prozent aller Berechtigten, die im vergangenen Jahr einen Bildungsurlaub in Anspruch genommen haben sollen.

Warum gibt es so wenige Bildungsurlauber?

Martin Noack, Experte für Weiterbildung bei der Bertelsmann Stiftung, sieht zwei Gründe: Fast jeder Zweite wisse nichts vom Recht auf Bildungsurlaub. Und die Kosten für Anfahrt und Kursteilnahme seien vielen zu hoch.

Ist das Thema in Bayern vom Tisch?

Die Sozialministerin bleibt dabei: In Bayern soll es laut Ulrike Scharf (CSU) kein Bildungszeitgesetz geben. Es gibt aber Befürworter, auch in den Regierungsparteien. "Ein Bildungsurlaub fördert nicht nur Kompetenzen, sondern steigert auch Mitarbeiterzufriedenheit und Loyalität zum Arbeitgeber", schreibt Freie Wähler-Fraktionschef Florian Streibl dem BR. Schränkt aber ein: Die Haushaltslage biete weniger Spielraum als noch vor einigen Jahren. "Entgangene Arbeitszeit" bedeute letztlich auch "geringere Steuereinnahmen des Staates".

Ähnlich sehen es die Jugendorganisationen von CSU und Freien Wählern. Beide sprechen sich für ein Bildungszeitgesetz aus. Julian Preidl, Chef der Jungen Freien Wähler in Bayern, betont: Ein Bildungsurlaub müsse mit "einer spürbaren Entlastung der Betriebe" einhergehen.

Die Landtags-SPD fordert schon lange ein Recht auf Bildungsurlaub und will weiter dafür kämpfen.

Auf YouTube: Gesetzeslücke: Bildungsurlaub in Bayern

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