Unter dem Badezimmer im Haus von Anja Jakob haben Biber eine Höhle gegraben. Mit einem Metermaß misst die 52-Jährige die Tiefe des Lochs: Rund eineinhalb Meter ist es inzwischen tief. Vor allem nachts sind die Biber aktiv und bauen ihre Burgen im Wasserlauf direkt am Haus. "Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass während man da schläft, unter einem der Biber spazieren geht", erklärt sie.
Hoher Schaden durch Biber – und Angst vor Hauseinsturz
Täglich steigt Anja Jakob mit Gummistiefeln in die Lauter, um Äste und Baumstämme zu entfernen, die Biber über Nacht für den Burgenbau angeschleppt haben. Ist sie verhindert, hilft ein Nachbar aus. Dass Anja Jakob die Bauten des Bibers zerstören darf, hat sie sich vom zuständigen Landratsamt genehmigen lassen. Dennoch kommt es vor, dass sich das Wasser staut – ideale Bedingungen für Biber, die sich hier wohlfühlen.
Inzwischen waren die Tiere so aktiv, dass Anja Jakob befürchtet, das Haus in Tiefenlauter im Landkreis Coburg könnte zum Einsturz gebracht werden. Die Hundetrainerin sieht ihre Existenz in Gefahr, denn auf finanzielle Hilfe von Behörden kann sie nicht hoffen.
Beratung statt Entschädigung
Schon mehrmals waren Biberberater des Landkreises auf dem Grundstück von Jakob. Aus dem zuständigen Landratsamt in Coburg heißt es, man habe bereits geholfen und alle Maßnahmen ausgeschöpft. Auch Biber wurden kürzlich aus der Lauter entnommen. Damit sei der rechtliche Rahmen voll ausgeschöpft.
Doch Aufnahmen der Wildkamera zeigen: Es sind noch immer Tiere da, die weiterhin ihre Burgen bauen. "Ich hatte anfangs die Hoffnung, dass mir irgendeine der Stellen sicher helfen wird, und es war sehr nüchtern festzustellen, dass sie zwar mit dem einen oder anderen Tipp kommen, die aber häufig nicht umzusetzen waren", so Jakob. Sie sei mit ihrem "Latein am Ende und die Behörden auch, weil sie mir nicht sagen können, was hier wirklich hilft".
Mit dem Biber leben müssen
Rainer Lutz ist einer der Biberberater des Landkreises Coburg. Er kennt ähnliche Situationen gut. "Biber sind ökologisch wertvoll und ausdrücklich gewollt", erklärt er. Gleichzeitig räumt er ein, dass sie erhebliche Schäden verursachen können. Eingriffsmöglichkeiten seien jedoch stark begrenzt. Entschädigungen gibt es nur für Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft – private Hausbesitzer gehen leer aus. "Die Menschen sind auf sich selbst gestellt und müssen mit dem Wildtier Biber leben", sagt Biberberater Lutz.
Auch Anja Jakob bleibt kaum eine andere Wahl. Sie will das Loch unter ihrem Haus nun zuschütten lassen – in der Hoffnung, das Problem damit zumindest vorübergehend in den Griff zu bekommen. Kosten: rund 15.000 Euro.
Zum Hören: Biber-Sorgen in Oberfranken
Seit Monaten sorgen Biber in Tiefenlauter im Landkreis Coburg für erhebliche Probleme.
BR24 auf Instagram: Biber untergraben Wohnhaus
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