Atrium im neuen Innovationszentrum bei Roche in Penzberg
Atrium im neuen Innovationszentrum bei Roche in Penzberg
Bild
In Penzberg steht jetzt Europas größtes Diagnostik-Forschungszentrum. Der Pharmakonzern Roche hat 300 Millionen Euro investiert.
Bildrechte: Roche
Schlagwörter
Bildrechte: Roche
Audiobeitrag

In Penzberg steht jetzt Europas größtes Diagnostik-Forschungszentrum. Der Pharmakonzern Roche hat 300 Millionen Euro investiert.

Audiobeitrag
>

Bluttest gegen Alzheimer: Roche eröffnet Hightech-Zentrum

Bluttest gegen Alzheimer: Roche eröffnet Hightech-Zentrum

In Penzberg steht jetzt Europas größtes Diagnostik-Forschungszentrum. Der Pharmakonzern Roche hat 300 Millionen Euro für frühere Diagnosen bei Alzheimer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen investiert. Herzstück der neuen Anlage ist ein Würfel.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Roche hat in Penzberg im Landkreis Weilheim-Schongauein neues Diagnostik- und Innovationszentrum eröffnet. In dem Neubau in Form eines Würfels arbeiten künftig rund 1.000 Fachkräfte an Testverfahren für verschiedene Erkrankungen. Dabei geht es vor allem um die frühzeitige Erkennung von Alzheimer und Multiple Sklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionskrankheiten.

"Mit dem neuen Forschungszentrum wird Roche in Penzberg das größte seiner Art in Europa", betonte Roche-CEO Thomas Schinecker bei der Eröffnung am Donnerstag. Der Hightech-Bau ist Teil einer Investitionsoffensive: Seit 2020 hat Roche mehr als 3,5 Milliarden Euro in Deutschland investiert, rund die Hälfte davon in Penzberg.

Durchbruch beim Alzheimer-Bluttest

In dem neuen Zentrum will Roche an In-vitro-Diagnostika für mehrere Bereiche arbeiten, zum Beispiel für Alzheimer und Multiple Sklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionskrankheiten. Ein Ergebnis der neuen Forschung ist ein neuartiger Alzheimertest. Der soll über eine einfache Blutprobe eine deutlich frühere Diagnose ermöglichen soll. Damit könnte eine der häufigsten Volkskrankheiten früher erkannt - und Therapien gezielter eingesetzt werden.

Dr. Patrick Menzel, Leiter der Alzheimer-Testentwicklung, sagte, damit wolle man das Leben der Patienten wesentlich erleichtern, schnellere Diagnosen zur Verfügung stellen und Neurologen entlasten.

Roche will die Entwicklungszeit bei Tests um rund 30 Prozent verkürzen. Die Konsequenz: Innovationen gelangen schneller vom Labor in die Arztpraxis.

Chemie, Biologie – alles unter einem Dach

In Penzberg kommen erstmals chemische und biologische Labore an einem Ort zusammen. Für die rund 1.000 Beschäftigten bedeutet das kürzere Wege und engere Zusammenarbeit. "Ein Test ist insgesamt sehr komplex aufgebaut", erklärt Dr. Michael Gerg, der Leiter der Proteinchemie. "Da ist sehr, sehr viel Chemie und Biologie drin. Die ganzen einzelnen Stoffe werden hier entwickelt und dann von den Kollegen in der Testentwicklung zusammengebracht – zu einem Gesamtkunstwerk."

Center-Managerin Julia Riedlinger ergänzt, die Digitalisierung und Automatisierung entlaste von Routinetätigkeiten und verkürze die Entwicklung neuer Testverfahren deutlich.

Im "Cube" lagern Millionen Proben

Herzstück des Neubaus ist der "Cube" – ein vollautomatisiertes Probenlager. Bis zu 2,5 Millionen biologische Proben werden dort bei minus 80 Grad Celsius gelagert. Ein Robotiksystem verteilt die Proben über ein Transportsystem in streng gesicherte Laborebenen. Sie bilden die Grundlage für die Entwicklung neuer Tests, die Optimierung bestehender Verfahren und sorgen dafür, dass Diagnosen zuverlässig, schnell und reproduzierbar sind.

Deutschland soll führender Pharma- und Biotechstandort werden

Bei der Eröffnung mit dabei waren Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bundes-Forschungsministerin Dorothee Bär (alle CSU). Roche-CEO Thomas Schinecker sprach bei seinem Bekenntnis zum Standort Deutschland von klaren Erwartungen: "Roche geht in Vorleistung und erwartet, dass die Bundesregierung die richtigen Maßnahmen trifft, um Deutschland zu einem führenden Pharma- und Biotechstandort zu machen." Er forderte weniger Bürokratie und mehr Belohnung für Leistung.

Söder betonte, die Politik sei "auf einem guten Weg". Dobrindt sprach von einem "Sprung in die Zukunft der Diagnostik". Bär hob die Biotechnologie als Schlüsseltechnologie der Hightech-Agenda hervor, "je genauer die Diagnostik, desto personalisierter die Therapie.“

Hightech, Nachhaltigkeit und Jobs

Roche senkt den Energiebedarf des neuen Zentrums nach eigenen Angaben um 70 Prozent im Vergleich zu früheren Laboren. Möglich machen das die Holz-Hybridbauweise, ein intelligentes Energiemanagement, Abwärmenutzung und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Der Betrieb soll CO₂-frei sein.

Mit 7.700 Beschäftigten ist Roche einer der größten Arbeitgeber im südlichen Oberbayern. Das neue Diagnostikzentrum soll diese Rolle langfristig sichern – und dabei helfen, Krankheiten früher zu erkennen, Therapien zu personalisieren und das Gesundheitssystem zu entlasten.

Im Video: Roche eröffnet Hightech-Zentrum

Roche eröffnet Hightech-Zentrum
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Roche eröffnet Hightech-Zentrum

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!