Holz ist teuer, und das schon seit Monaten. Julia Möbus, die Geschäftsführerin der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DeSH) warnte vor einer "ernsten Situation", in der sich die Holzindustrie befinde. Im BR erklärte sie, dass hohe Rohstoffkosten, Transport- und Energiekosten zu einer "angespannten Lage" beitragen würden. Ähnlich sieht das Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Holzindustrie (HdH). Seine Industrie stehe unter Druck.
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Holzindustrie in der Krise?
Der Bundesverband der Holzindustrie warnte bereits im vergangenen Herbst vor einer "existentiellen Krise der Säge- und Holzindustrie". In den Sägewerken seien die Lager vielerorts leer, weil kaum frisches Holz geliefert werde. "Rohstoffunterversorgung" war das Reizwort.
Trotz hoher Rundholzpreise bekomme man nicht ausreichend Holz, erklärte Ohnesorge im BR. Dabei sei Holz nicht grundsätzlich zu knapp, nur die Einschlagmengen seien niedrig. Wolfgang Mayerhofer, Geschäftsführer Waldbauernvereinigung Deggendorf, erklärt sich die hohen Holzpreise aus der "Holzknappheit im letzten Jahr".
Es gibt ausreichend Holz
Auch andere Experten erklären übereinstimmend, dass die Holzmengen nicht das Problem seien. DeSH-Geschäftsführerin Julia Möbus erklärte, nicht zu wenig Holz sei das Problem, "sondern weil es im Wald geblieben ist".
Herbert Borchert von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft bestätigt auch für Bayern: "Wir haben reichlich Holz!" Das Problem seien derzeit die hohen Transport- und Energiekosten.
Weniger Waldschäden - weniger Schadholz
Die eigentlich gute Nachricht ist: Es gab im vergangenen Jahr weniger Waldschäden, erklärt Borchert. Daher gibt es aber auch deutlich weniger Schadholz, das für die Holzproduktion verkauft wird.
Der Engpass beim Schadholz liege am vergangenen, nass-kühlen Sommer, erklärt Forstexperte Herbert Borchert. Niederschlag und kühle Temperaturen hätten dafür gesorgt, dass es der Borkenkäfer schwer hatte. Die Populationen seien überraschend klein und hätten wenig Schaden angerichtet. Dazu fehlten größere Stürme. Die Folge: Weniger Bäume hätten wegen Borkenkäfer-Befall oder Sturmschäden gefällt werden müssen.
Ausgleich durch geplanten Holzeinschlag
Es habe aber durchaus erhebliche Borkenkäferschäden und so auch Verluste bei den Fichten gegeben, vor allem in Hessen und Nordrhein-Westfalen, erklärt Borchert. Süddeutschland sei allerdings nicht so stark betroffen.
Aktuelle Zahlen zeigen: In Bayern sank der Holzeinschlag um vier Prozent, beim Nadelholz um drei Prozent. Der Anteil von Schadholz betrug 2024 in Deutschland noch 45 Prozent, 2025 waren es weniger als die Hälfte, nur noch 22 Prozent. Das allerdings wurde weitestgehend ausgeglichen durch die Menge des planmäßig geernteten Holzes. Die stieg 2025 gegenüber dem Vorjahr um 32 Prozent beziehungsweise um elf Millionen Kubikmeter an (Quelle: Holzpreisstatistik des Statistischen Bundesamtes, externer Link).
Holz ist nicht knapp, aber teuer
Dass es in Bayern genug Holz gebe, bestätigt auch Johann Stadler, erster Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Eichstätt. Julia Möbus (DESH) sagt, es gebe hierzulande große Mengen an Nadelholz, die in die USA exportiert würden. Man könne weniger Nadelschnittholz exportieren und dafür mehr auf dem deutschen Markt verkaufen.
Allerdings werde auch dieses Holz teurer aufgrund der steigenden Transportkosten, die wiederum von den steigenden Energiepreisen beeinflusst seien. Johann Stadler, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Eichstätt, erklärt, er müsse für den Transport seines Holzes bis zu 15 Prozent mehr verlangen – aufgrund der gestiegenen Benzin- und Energiepreise.
Brennholz nicht überall teurer
Die gestiegenen Energiepreise würden sich auch auf den Verkauf von Brennholz auswirken, so Julia Möbus. Ähnliches habe man sehen können beim Beginn des Ukraine-Kriegs. Es gab einen "Run auf alle Hölzer, die zur Verbrennung genutzt werden können", erklärt Möbus, so dass die Preise in "astronomische Höhen geschnellt sind".
Dass Brennholz deutlich teurer geworden ist, kann Wolfgang Mayerhofer, Geschäftsführer Waldbauernvereinigung Deggendorf, nicht bestätigen. Die Preise seien sogar rückläufig, etwa bei Buche. Auch die Hackschnitzelpreise seien konstant. Seine Prognose: Es wird in den nächsten Wochen moderate Preisrückgänge geben.
Im Video: Holz-Preise auf Rekordhoch
Dieser Artikel ist erstmals am 16.04.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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