Kommandos hallen im Schneetreiben über den weitläufigen Exerzierplatz der Balthasar-Neumann Kaserne in Veitshöchheim. Soldaten marschieren ein. Es ist der Auftakt zu einem formalen Akt, mit dem das deutsche Heer umgekrempelt wird.
Unter anderem treten an: Abordnungen zweier Kampftruppenbataillone. Beide werden aus bisherigen Strukturen herausgelöst, um Teil der Litauen der Brigade der Bundeswehr zu werden. Der Appell ist die nächste Etappe auf dem Weg hin zur Stationierung in dem baltischen Land. Dort liegt die Zukunft für die Männer und Frauen des Panzerbataillons 203 aus Nordrheinwestfalen und des Panzergrenadierbataillons 122 aus Oberviechtach in der Oberpfalz. Die Stationierung werde nun "real", sagt Oberstleutnant Rayk Engel am Rande des Appells. Engel ist der Kommandeur des Oberviechtacher Grenadierbataillons.
Brigadeführung ist bereits in Litauen
Seine übergeordnete Führung: Nun sitzt sie nicht mehr in Bayern, sondern bereits in Litauen. Denn der Brigadestab ist bereits vor Ort, um eines der ambitioniertesten Projekte der Bundeswehrgeschichte voranzubringen. Die Brigade untersteht der 10. Panzerdivision, die aus Veitshöchheim befehligt wird – deshalb der Appell dort.
Einsatzbereitschaft bis Ende 2027
In Litauen sollen rund 5.000 Männer und Frauen dauerhaft stationiert werden und einsatzbereit sein. Zielmarke: Ende 2027. Brigadekommandeur Christoph Huber ist zuversichtlich, dass bis dahin auch die nötige Infrastruktur steht und die Truppen aus Deutschland verlegt werden können. Im Interview betont Huber die Bedeutung von Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten sowie von Depots für Munition und Betriebsstoffe. All das seien Voraussetzungen für die Einsatzbereitschaft vor Ort, so Brigadegeneral Huber.
Stationierung soll Abschreckung dienen
Die dauerhafte Stationierung einer ganzen Brigade: Sie soll der Abschreckung dienen. Botschaft: Bis hierhin und nicht weiter. Ein Angriff auf die Nato lohnt sich nicht. Ehrengast des Appells in Veitshöchheim: der Nato-General im Ruhestand, Erhard Bühler. Er nennt die Stationierung eine "Folge der sicherheitspolitischen Lage". Die sei "unberechenbarer, komplizierter, ernster und gefährlicher als sie es jemals seit Aufstellung der Bundeswehr im Kalten Krieg und danach war". Anzeichen, dass sich das schnell ändern werde, gebe es nicht, sagte Bühler.
Novum: Ausbildung in Litauen
In der Truppe sind konkrete Folgen davon spürbar: Am 30. Januar fliegen junge Soldaten des Panzergrenadierbataillons 122 aus Oberviechtach für mehrere Wochen nach Litauen. Sie werden dort auf einem Truppenübungsplatz ihre Basisausbildung abschließen, die am Anfang ihrer Dienstzeit steht.
Klar ist bei all dem aber auch: Die Aufstellung der Litauen-Brigade reißt zu Hause erstmal Lücken. Die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz", zu der die Oberviechtacher Grenadiere bislang gehörten, hat nun ein Grenadierbataillon weniger. Das Heer muss priorisieren. Als Herausforderung gilt auch der Aufbau der nötigen Unterstützungseinheiten: Von den Pionieren bis zur Logistik und nicht zu vergessen: Der Flugabwehr. Ohne Unterstützer kommt keine Kampfbrigade aus, die entsprechenden Einheiten müssen aber erst noch neu aufgestellt werden, was wiederum personelle Lücken an anderer Stelle reißen wird.
Im Video: Litauen-Brigade – Feierlicher Appell in Veitshöchheim
Litauen-Brigade – Feierlicher Appell in Veitshöchheim
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