Um 11:38 Uhr donnern zwei Eurofighter im Tiefflug über Schloss Schleißheim. Kampfjets vor weiß-blauem Himmel: Das ist das Abschiedsgeschenk für Brigadegeneral Thomas Hambach, der vor dieser Kulisse in den Ruhestand verabschiedet wird. Sieben Jahre lang stand er an der Spitze des Landeskommandos Bayern.
Hambach führte damit die Schnittstelle für die Zusammenarbeit zwischen Militär und zivilen Organisationen im Freistaat. Denn das Landeskommando koordiniert zum Beispiel Einsätze der Bundeswehr im Katastrophenfall – etwa bei einem Hochwasser wie im Juni 2024. Zudem trifft es Vorkehrungen für den Verteidigungs- oder Bündnisfall. In diesem Zusammenhang hob Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Bedeutung des Landeskommandos hervor. Es sei wichtig, direkte Ansprechpartner für zivile Stellen zu haben, sagte Söder am Rande der Kommandoübergabe.
Bayern und die Bundeswehr
Der Freistaat ist für die Bundeswehr seit jeher ein wichtiger Stationierungsraum. Bayern beheimatet in allen Regierungsbezirken zahlreiche Einheiten und Dienststellen mit insgesamt rund 30.000 Soldatinnen und Soldaten. Unter anderem sind im Freistaat auch etliche bedeutende Truppenschulen angesiedelt. Dazu zählen zum Beispiel die Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald, die Offizierschule der Luftwaffe in Roth, die Pionierschule in Ingolstadt, die Infanterieschule in Hammelburg oder die Schule der ABC-Abwehrtruppe in Sonthofen. In München ist darüber hinaus eine der beiden Universitäten der Bundeswehr ansässig.
Veränderungen seit russischer Vollinvasion
Seit 2022 hat die Truppe dabei vielfache Veränderungen erlebt. Unter anderem wurden in Bayern stationierte Verbände neu gegliedert, um sie für Aufgaben im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung aufzustellen. Besonders deutlich wurde das am Beispiel der 10. Panzerdivision, die von Veitshöchheim aus geführt wird und der zahlreiche Einheiten in Bayern unterstehen. Anstoß für den beschleunigten Umbau war die russische Vollinvasion in der Ukraine und die damit verbundene Veränderung der Sicherheitslage.
Die führe auch dazu, dass Bundeswehreinheiten wieder deutlich intensiver üben, sagte Brigadegeneral Thomas Hambach in einem Interview mit BR24 am 1. Oktober. Er betonte, dass auch Manöver im öffentlichen Raum wichtig seien, um Verfahren zu trainieren und die Zusammenarbeit mit zivilen Behörden und Organisationen zu üben.
Schüsse auf Soldaten: "Extrem bedauerlich"
Den Zwischenfall im Raum Erding nannte Hambach "extrem bedauerlich". Im Oktober vergangenen Jahres hatten Polizisten dort während einer Übung im öffentlichen Raum in den Abendstunden auf Soldaten geschossen. Ein Soldat wurde damals verletzt. Vorangegangen war offenbar ein Missverständnis. Die Polizisten waren laut Aussagen von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) von einer womöglich terroristischen Gefahr ausgegangen. Eine der Lehren aus dem Vorfall sei "noch intensivere Kommunikation", sagte Thomas Hambach.
Rainer Simon neuer höchster militärischer Repräsentant
Die Nachfolge von Thomas Hambach als Kommandeur des Landeskommandos tritt Brigadegeneral Rainer Simon an. Simon diente zuletzt im Kommando Cyber- und Informationsraum in Bonn. Den Freistaat kennt der General indes gut: In seiner Laufbahn war er unter anderem in Füssen, Murnau, Regensburg und Pöcking stationiert. Nun gibt er der Truppe in Bayern ein Gesicht – als ihr höchster militärischer Repräsentant.
Ein Interview mit Thomas Hambach hören Sie im Podcast "BR24 Politik und Hintergrund" vom 4. Oktober. Sie finden die Ausgabe unter diesem Link in ARD-Sounds.
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