Mit einem dreifachen "Gö-Sucht" starten die Kipfenberger Fasenickl in den großen Umzug durch die Gemeinde. Sie ziehen sich die Maske über das Gesicht. Und los geht es. Rund 6.000 Menschen stehen am Straßenrand und jubeln ihnen entgegen. Dafür regnet es Bonbons. Einige Meter weiter bleiben sie stehen und vergrößern den Abstand. Sie greifen nach ihrer Goaßl, und laute Schläge knallen durch die Straße, als sie die Peitsche durch die Luft wirbeln.
Seit über 200 Jahre der Kipfenberger Fasenickl
Der Brauchtum des Kipfenberger Fasenickl geht auf das Jahr 1810 zurück. Mit den lauten Schlägen der Peitschen und den Glocken, die am Gewand angebracht sind, soll der Fasenickl den Winter vertreiben. Traditionell dürfen nur Männer als Fasenickl gehen. "Es ist schon ein anderes Gefühl der Anonymität, wenn man die Maske anzieht", meint Oberfasenickl Lukas Bruckschlögl. Das Gewand, das sie tragen, wird in Handarbeit gemacht. Die beige Hose und das Hemd zieren viele tausend von Hand ausgestochene rote Rauten. Die Masken macht Fasenickl Benjamin Blechinger bei sich im Keller – vor allem aus Lindenholz.
"Ich versuche dabei auch Züge des Trägers einzuarbeiten. Also, wenn jemand eine eher größere Nase hat, dann hat der Fasenickl das auch“, meint er schmunzelnd.
Narren aus ganz Deutschland, der Schweiz und Frankreich beim Narrentreffen
Beim großen Narrentreffen an diesem Wochenende sind die Gäste aus ganz Deutschland angereist - aber auch darüber hinaus. Gruppen aus der Schweiz und Frankreich sind auch dabei. Die Gemeinschaft untereinander lässt sie die weiten Strecken auf sich nehmen. Und beim großen Umzug werden sie gefeiert.
Tolle Stimmung. Tolle Narren", meint eine Frau. "Das macht richtig Spaß, da zuzuschauen", sagt eine andere. Eine Gruppe Buben ruft laut: "Gö-Sucht! Gö-Sucht! Gö-Sucht!" Sie lachen: "Wir sind Kipfenberger!“
Über zwei Stunden dauert der Umzug der rund 30 Gruppen. "Es sind Hexen dabei, Druiden … Wir haben französische Teufel, wir haben Guggenmusiken aus Österreich und der Schweiz", zählt die Vorsitzende des Vereins, Eva Schermer, auf. Fast zwei Jahre hat der Verein auf dieses Wochenende hingearbeitet. Wie viele Stunden es sind, können sie letztlich nicht mehr sagen.
Schließlich ist es geschafft: "Anstrengend. Aber ich bin zufrieden. Sehr zufrieden. War richtig schön", meint Oberfasenickl Lukas Bruckschlögl. Alle vier Jahre findet normalerweise ein so großes Narrentreffen statt.
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