Rita Suessmuth aufgenommen im Rahmen der Verleihung des Deutsch-Polnischen Preises in Muenchen, 14.02.2025
Rita Suessmuth aufgenommen im Rahmen der Verleihung des Deutsch-Polnischen Preises in Muenchen, 14.02.2025
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Rita Suessmuth aufgenommen im Rahmen der Verleihung des Deutsch-Polnischen Preises in München, 14.02.2025.
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Rita Suessmuth aufgenommen im Rahmen der Verleihung des Deutsch-Polnischen Preises in München, 14.02.2025.

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Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben

Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben

Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Sie starb am Sonntag, wie der Deutsche Bundestag mitteilte. Süssmuth wurde 88 Jahre alt. Bundestagspräsidentin Klöckner würdigte sie als "eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik".

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Sie war eine Ausnahmeerscheinung in der Bundespolitik. Als Ministerin und Bundestagspräsidentin zeigte sie große Unabhängigkeit – auch gegenüber der eigenen Partei. Im Juni 2024 hatte sie eine Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Jetzt ist Rita Süssmuth gestorben.

Trauer um Rita Süssmuth: "Unsere Herzen sind schwer"

Die amtierende Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) würdigte Süssmuth als "eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik". Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete sie als "eine große Politikerin und einen Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen".

"Unsere Herzen sind ganz schwer. Wir trauern um Rita Süssmuth. Sie hat sich wie keine Zweite für Frauen in der Politik eingesetzt", so die bayerische Frauenministerin Ulrike Scharf (CSU). "Mit ihr verlieren wir ein großes Vorbild, eine Kämpferin und Mutmacherin." Der Auftrag sei nun, ihr Erbe weiterzuführen und alles daran zu setzen, mehr Frauen für die Politik zu gewinnen, um die Realität der Gesellschaft auch in den politischen Entscheidungen richtig abzubilden."

Süssmuth kam erst mit 44 Jahren in die Politik

In die Politik kam Süssmuth erst Anfang der 80er Jahre mit 44 Jahren. Die Professorin für Erziehungswissenschaft trat in die CDU ein. Bereits 1985 wurde sie überraschend neue Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit im Kabinett von CDU-Kanzler Helmut Kohl. In dem 1986 um den Bereich Frauen erweiterten Ressort machte die engagierte Katholikin schnell durch eine liberale Linie in der Frauen- und Abtreibungspolitik von sich reden. Ihr Einstehen für feministische Positionen ließ die Feministin Alice Schwarzer Süssmuth als "Lovely Rita" adeln.

Klöckner: Süssmuths Politik gegen Aids "bahnbrechend"

Auch beim Umgang mit der damals gerade aufkommenden Immunschwächekrankheit HIV setzte Süssmuth eigene Akzente: Leidenschaftlich kämpfte sie gegen die Ausgrenzung der Erkrankten. Sie war seit langem Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung.

Süssmuths Politik gegen die Immunschwächekrankheit Aids sei "bahnbrechend" gewesen, erklärte Klöckner am Sonntag. Süssmuth habe sich entschieden gegen jede Form der Ausgrenzung gewandt und die Grundlage für die erfolgreiche HIV-Prävention in Deutschland gelegt. Ihre Prämisse lautete: "Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Infizierten."

Kohl sah in ihr eine Gegnerin

Süssmuths liberale Haltung in gesellschaftspolitischen Fragen führte bereits nach der Bundestagswahl 1987 zum Bruch mit Teilen der Union. Kohl empfand seine Frauenministerin zunehmend als Störenfried. Weil Süssmuth andererseits viele Sympathien genoss, konnte er sie nicht ganz ins Abseits stellen.

Kohl lobte Süssmuth weg - sie wurde 1988 mit 51 Jahren Bundestagspräsidentin und hatte damit plötzlich das zweithöchste Amt im Staat inne. Für Kohl blieb sie aber unbequem, 1989 beteiligte sie sich am erfolglosen Versuch, ihn als CDU-Chef zu stürzen.

Die bis zu seinem Tod 2020 mit dem Universitätsprofessor Hans Süssmuth verheiratete Mutter einer Tochter und fünffache Großmutter blieb trotz dieses kleinen Aufstands vor allem für ihre engagierte Ausübung des Amts der Bundestagspräsidentin in Erinnerung. Klöckner erklärte am Sonntag, in dieser Position habe Süssmuth den deutschen Einigungsprozess mitgestaltet.

Dienstwagen und Flugbereitschaft: Sie überstand auch zwei Affären

Allerdings sind mit ihrem Namen auch zwei Affären verbunden. 1991 die Dienstwagenaffäre, weil ihr Mann einen Parlamentswagen genutzt haben soll. 1996 der Vorwurf, dass sie die Flugbereitschaft der Bundeswehr für private Besuche ihrer Tochter nutzte. Doch Süssmuth überstand beide Affären. Erst nach der Wahlniederlage der Union 1998 räumte sie den Platz.

Das Ende der Ära Kohl läutete auch ihr Ende in der CDU ein, bald verlor sie ihren Platz im Parteipräsidium. Heftige Anwürfe aus den eigenen Reihen brachte Süssmuth ein, dass sie 2000 unter der rot-grünen Bundesregierung von Gerhard Schröder den Vorsitz der nach ihr benannten Süssmuth-Kommission zur Zuwanderung übernahm.

Süssmuth ließ sich nie entmutigen

Süssmuth entwickelte Ideen, die womöglich in der Flüchtlingskrise 2015 geholfen hätten, die aber nie vollständig umgesetzt wurden. Verbittert war sie darüber nicht. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte sie vor einigen Jahren, sie habe sich das Motto von Samuel Beckett zu eigen gemacht: "Scheitern, weitermachen, nochmal scheitern, besser scheitern, weitermachen". 

Mit Informationen von KNA, AFP und dpa

Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot.
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Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Sie starb am Sonntag, wie der Deutsche Bundestag mitteilte. Süssmuth wurde 88 Jahre alt.

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