In einer Maschinenhalle schlägt der Blitz ein, kurz danach steht ein Bauernhof im Vollbrand. Betroffen ist auch der Kuhstall: Ein Szenario, das sich so vor wenigen Wochen im Landkreis Ansbach abgespielt hat. In so einer Situation herrscht Chaos unter den Tieren, erklärt der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) der Kreisgruppe Hof, Thomas Lippert. "Man versucht sie ganz vorsichtig aus dem Stall zu nehmen und dann stehen die irgendwo. Die haben Null Führung, die wissen nicht, wo sie hin sollen, da entstehen auch Fluchtreflexe und es kann ganz schnell gefährlich werden."
Um das zu verhindern, gibt es im Landkreis Hof jetzt einen sogenannten Panelhänger: ein Pkw-Anhänger, auf dem 40 Viehgatter montiert sind. Die Metallgitter sind quasi ein mobiler Zaun für bis zu 200 Rinder, der überall aufgestellt werden kann. Ein Unikat, das es in dieser Art laut dem BBV noch nirgends in Bayern gibt.
"Bitte lauf jetzt da entlang": Tiere sollen Orientierung bekommen
Wenn im Landkreis Hof der nächste Stallbrand ausbricht, informiert die Integrierte Leitstelle Hochfranken den Bauernverband. Der wiederum schickt seinen Fahrer zu dem Brandort. In etwa 15 Minuten ist der Zaun für die Tiere aufgebaut, erklärt Lippert. "Man versucht denen direkt vom Stall weg eine Linie zu geben, so nach dem Motto: Bitte lauf jetzt da entlang", sagt Lippert im BR24-Gespräch. Mithilfe der Gatter entstehe ein Korridor, an dem sich die Tiere orientieren und entlang laufen sollen. Wenn die Tiere weit genug vom Brandort entfernt stehen, könnten sie geordnet abtransportiert werden.
Dass das keine Selbstverständlichkeit bei einem Stallbrand ist, weiß Patrick Heerdegen. Er ist Geschäftsführer vom Maschinenring Münchberg, einer Selbsthilfe-Gemeinschaft von Landwirten. Zusammen mit dem Bayerischen Bauernverband und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat Heerdegen den Panelhänger entwickelt.
Panelhänger kann auch bei Seuchen zum Einsatz kommen
Heerdegen erinnert sich an einen Stallbrand, nach dem die Rinder über einen Zeitraum von anderthalb Tagen eingefangen werden mussten. "Die waren teilweise im Wald und man hat nur notdürftig irgendwelche Unterkünfte geschaffen, in leeren Fahrsilos oder leeren Maschinenhallen." Mit den Panels wäre es möglicherweise gar nicht so weit gekommen.
In Konradsreuth, also in zentraler Lage im Landkreis Hof, steht der Anhänger für den Notfall bereit und soll vorwiegend dazu dienen, um im Brandfall, im Katastrophenfall oder bei Seuchen Tiere transportsicher zu verwahren. "Wenn der Stall abgebrannt ist, könnte er auch eine Zwischenaufhaltsmöglichkeit bieten", erklärt Heerdegen.
Feuerwehr: "Jetzt brauchen wir nichts mehr zusammenzubasteln"
Seine Feuertaufe muss der Panelhänger noch bestehen. Wie hat man im Landkreis Hof bisher ohne diese Innovation auf Stallbrände reagiert? "Feuerwehren haben Leitern zusammengebunden, haben das als Gitter außenrum gelegt und darin die Tiere aufgefangen", sagt Matthias Diezel von der Feuerwehr Hof. Mit dem Panelhänger stünden den Einsatzkräften nun fertige Gitter zur Verfügung. "Das ist eine Erleichterung, jetzt brauchen wir nichts mehr zusammenzubasteln."
Aktuell gibt es im Landkreis Hof nur ein Exemplar des Panelhängers, doch das soll als Beispielprojekt vorangehen. Der Bauernverband versucht bereits, Panelhänger auch für die Nachbarlandkreise zu organisieren.
Bislang war der Panelhänger nur zu Anschauungszwecken im Einsatz.
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