Ein heller Lichtstreif am Himmel, gefolgt von einem lauten Knall: Gestern Abend war dies über Teilen Deutschlands zu beobachten. Auch in einigen Orten Nordbayerns berichteten Menschen von diesem Phänomen. Mittlerweile ist klar, dass es sich dabei um einen Meteoriten aus dem Weltall gehandelt hat. Der Brocken war dabei so groß, dass er nicht wie üblich in der Erdatmosphäre verglühte, sondern in ein Hausdach in Koblenz einschlug und dort ein etwa fußballgroßes Loch hinterließ.
- Zum Artikel: Meteore über Bayern: hell, häufig und meist harmlos
NASA und ESA überwachen Asteroiden in der Erdumlaufbahn
Die Bewohner des Hauses hatten Glück, es wurde niemand verletzt – auch, weil sich laut Feuerwehr zum Zeitpunkt des Einschlags keine Personen in dem Raum befanden, den der Meteorit traf. Trotzdem fragen sich nun viele Menschen, wie es sein kann, dass trotz moderner Satellitentechnik offenbar niemand vorher von dem Himmelskörper wusste.
"Erdnahe Asteroiden, insbesondere die größeren mit mehreren dutzend oder hundert Metern Durchmesser, werden systematisch durch fotografische Himmelsüberwachung der US-Weltraumbehörde NASA oder auch der Europäischen Raumfahrtagentur ESA erfasst und verfolgt", versichert Dieter Heinlein im BR24-Interview. Der Physiker beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit Astronomie und ist der Meteoritenspezialist des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR).
Kleinere Himmelskörper sind nur schwer zu erfassen
Ganz anders ist es ihm zufolge mit kleineren Objekten, wie dem vom Sonntagabend. "Diese Asteroidenfragmente kann man mit der Methode nur schwer und selten erfassen", so Heinlein. Gleichzeitig würden diese in der Regel aber auch keine größeren Schäden erzeugen. "Für die Erde als Planet sind sie schon gar nicht gefährlich." Eine Vorhersage ist daher schwierig.
Auch sind Meteoriten der Größenordnung keine Seltenheit. "Also man sagt eigentlich, dass es auf der Gesamterde pro Jahr 19.000 Fälle solcher Fälle gibt", erklärt Stefan Hölzl, ehemaliger Leiter des Rieskratermuseums in Nördlingen, dem BR. Das Problem dabei ist nur, dass die meisten Meteoriten, die die Erde treffen, im Anschluss nicht gefunden werden, weil sie etwa ins Meer oder in anderes unwegsames Gelände stürzen.
Wer einen Meteoriten im eigenen Garten findet, darf ihn behalten
"Im Endeffekt werden Meteoriten in Deutschland nur alle paar Jahre entdeckt", resümiert Hölzl. Aber findet man dann doch mal einen, darf man ihn auch behalten: "In Deutschland ist es so, dass die Hälfte dem Grundstückseigentümer gehört und die Hälfte dem Finder. Aber wenn Sie es in Ihrem eigenen Garten finden, ist die Sache klar: Dann gehört der Meteorit Ihnen."
So ein Gesteinsbrocken aus dem Weltall kann dazu auch ganz schön wertvoll sein. Der Wert hängt allerdings stark von seiner Art und dem Zeitpunkt des Fundes ab. Bei frisch gefallenen Meteoriten "reißen sich die Wissenschaftler drum", so Hölzl. Die meisten Meteoriten seien jedoch sogenannte gewöhnliche Chondrite – Steinmeteorite, die die Urmaterie in unserem Sonnensystem darstellen. Hier beginne der Preis bei etwa einem Euro pro Gramm.
Wertvoller Schatz aus dem Universum
Handelt es sich aber um einen seltenen Typ, könne der Wert schon mal auf 1.000 Euro pro Gramm oder mehr steigen. Um die Echtheit zu bestätigen, sei die Expertise von Forschern aber unerlässlich. Meteoritenspezialist Heinlein weist darauf hin, dass sich auch Wissenschaftler freuen, wenn man einen gefundenen Meteoriten kurzzeitig für Untersuchungen zur Verfügung stellt. Der Geologe Hölzl spricht von einer "Win-Win-Situation": Für ein kleines, abgegebenes Scheibchen des Fundes erhalte der Finder die wissenschaftliche Bestätigung. Die ist dann auch für den Verkauf hilfreich.
Vorhersage für nächsten Einschlag nicht möglich
Soll man also die nächsten Wochen nochmals gebannt in den Nachthimmel blicken? Astronom Heinlein mahnt zur Gelassenheit: "Wann das nächste Mal ein Meteorit in Deutschland landet, ist dem Zufall überlassen." Darüber hinaus kann man zwar den Lichtstreif erkennen, der Einschlag kann aber viel weiter weg sein. "Der Meteor, also die Leuchterscheinung vom Sonntagabend, war im Umkreis von mehreren hundert Kilometern zu sehen, da das Leuchten der Feuerkugel bereits in ca. 100 Kilometer Höhe beginnt und bis herunter auf 20 Kilometer über dem Erdboden andauert." Deshalb wurde die Feuerkugel, die der Stein aus dem Weltraum erzeugte, auch in Bayern wahrgenommen.
Im Audio: Wie gefährlich sind Meteoriten?
Ein Meteorit hat am Abend des 8. März laut Polizei Schäden an Häusern im Hunsrück, der Eifel und Koblenz angerichtet. Warum hat keiner gewarnt?
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

