Hilfe nach dem Krebs: Treffen der "Sisterhood"-Gruppe in Dillingen
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Das Leben nach dem Krebs: Geheilt, aber nicht gesund

Das Leben nach dem Krebs: Geheilt, aber nicht gesund

Diagnose Brustkrebs – und dann? Viele Frauen fühlen sich nach Chemo, OP und Reha alleingelassen. Im Landkreis Dillingen hat eine Betroffene entschieden: Das darf so nicht bleiben.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Etwa ein Dutzend Frauen kommt an diesem Abend zum monatlichen Treffen. Sie alle haben Krebs überlebt und ringen nun damit, wieder im Alltag anzukommen. In der Gruppe "Sisterhood" geht es genau darum: das Leben nach dem Krebs.

Gegründet hat die Gruppe die 34-jährige Nadine Förg aus Höchstädt. Im Februar 2025 bekommt sie die erlösende Nachricht: Ihr Körper ist frei von Krebszellen. "Mein zweiter Geburtstag", sagt sie. Vorbei ist es trotzdem noch nicht: Sie quälen die Langzeitfolgen der Therapie, Erschöpfung, Schmerzen, die Angst vor jeder Nachsorge.

Gleichzeitig fühlt sich Förg oft unverstanden: "Du siehst wieder gut aus, bist doch gesund", bekommt sie zu hören. Von außen werde erwartet, dass sie funktioniere wie vorher. "Aber ich kann einfach nicht mehr so, weder körperlich noch psychisch", sagt sie.

Gerade auf dem Land fehlen Hilfsangebote

Professionelle Unterstützung für diese Phase findet sie im Landkreis Dillingen nicht. Die einzige Psychoonkologin in der Region sitzt im Nachbarlandkreis Günzburg. Eine Selbsthilfegruppe gibt es vor Ort nicht mehr. Deshalb versucht sie zunächst, sich selbst zu helfen.

Was ihr guttut: Spaziergänge mit ihrem Hund Balu, in der Natur innehalten, nichts denken, kein Handy in der Hand. "Dinge, die ich inzwischen sehr schätze", sagt sie. Den entscheidenden Impuls, aktiv zu werden, bringt ihr das Buch "Lebensheldin". Über dieses "Mutmachbuch" lernt sie den gleichnamigen Verein kennen, nimmt an einer Veranstaltung teil. "Das hat bei mir den Schalter umgelegt", erzählt sie. "Das war so erfüllend und mutmachend. Da wusste ich: Ich muss was zurückgeben. Wir brauchen das hier bei uns."

Höchstädterin gründet Gruppe für Betroffene und Angehörige

Seit rund einem Vierteljahr leitet sie nun "Sisterhood", eine offene Gruppe für Frauen mit Krebsdiagnose und ihre Wegbegleiterinnen – Mütter, Tanten, Freundinnen. Einmal im Monat treffen sie sich. Die Stadt Dillingen stellt ihnen den Raum zur Verfügung. Nadine arbeitet ehrenamtlich.

Für eine Teilnehmerin ist die Gruppe "ein Rettungsanker": "Du kriegst die Diagnose, kriegst die Therapie hingepfeffert, dann gehst du auf Reha – und dann war’s das. Du kriegst keine Infos mehr." Hier könne sie von anderen lernen – und selbst Erfahrungen weitergeben. Hier gehe es um die mentale, psychische und emotionale Gesundheit.

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Nadine Förg - "Sisterhood"-Gruppengründerin in Dillingen mit ihrem Hund

Im Mittelpunkt: Das Leben nach der Krankheit

Statt medizinischer Details gibt es Gesprächsrunden, Meditationen und kurze Impulse. Die Themen, wie etwa die Frage, was einem wirklich gut tut, bekommt Nadine Förg vom bundesweit tätigen Verein "Lebensheldin", bei dem sie eine Ausbildung zur Mentorin gemacht hat.

Wenn sie fragt: "Möchte jemand etwas teilen?", erzählen die Frauen, was ihnen hilft. Eine läuft viel, hört dabei die Vögel und spürt die Sonne – "ein Moment, in dem ich zur Ruhe komme". Monika, erst 35 Jahre alt, kann gutes Essen jetzt mehr schätzen: "Besonders nach der Therapiezeit, in der oft alles fremd geschmeckt hat. Weil Nadine auch noch sehr jung ist, war das für mich ein Zeichen: Es geht nicht nur mir so. Ich bin froh, hier zu sein und einfach zu fühlen: Ich bin nicht alleine", sagt sie.

Auch für Förg sind die Abende wichtig. "Da geht mir das Herz auf. Dieses Mutschenken und der Austausch untereinander: Man sieht, man bewirkt etwas. Man schafft einen Raum und bekommt so viel zurück."

Im Oktober, den die Deutsche Krebshilfe zum "Brustkrebsmonat" [externer Link] erklärt hat, liegt der Fokus insbesondere auf der Früherkennung. Etwa jede achte Frau in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Die Heilungschancen sind gut, wenn der Tumor früh entdeckt wird. Was oft fehlt, ist das Angebot für die Zeit danach. Genau hier setzt "Sisterhood" an – als Ort, an dem Frauen lernen, wie ihr Weg nach dem Krebs weitergehen kann: nicht wie früher, aber gemeinsam.

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