Seit Monaten liegen die Ölpreise deutlich über dem Niveau der vergangenen Jahre. Das trifft Verbraucher nicht nur an der Tankstelle. Jetzt, am Beginn der Heizperiode, besonders relevant für viele Menschen in Bayern: Heizöl ist momentan enorm teuer.
Grafik: Preisentwicklung beim Heizöl in Deutschland
Seit dem Beginn des Irankriegs und der Schließung der Straße von Hormus ist Heizöl in Deutschland deutlich teurer als in den vorigen Jahren. Die Beratungsgesellschaft co2online rechnet in ihrer aktuellen Heizkostenprognose damit, dass die Heizkosten 2026 für diejenigen, die mit Öl heizen, voraussichtlich um knapp ein Viertel höher sein dürften als im vergangenen Jahr.
In Bayern haben besonders viele Haushalte eine Ölheizung
Das ist besonders für die Menschen in Bayern ein Problem. Wie im Rest von Deutschland heizen hier die meisten mit fossilen Energieträgern. Das sei vor allem historisch gewachsen, meint Dr. Serafin von Roon von der Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft: "Früher war das einfach die beste Option für die Verbraucher. Es war die kostengünstigste Variante, sowohl in der Anschaffung als auch dann im Betrieb. Außerdem ist die Installation sehr einfach."
Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern spielt Heizöl im Freistaat aber noch eine große Rolle.
Grafik: Heizmix in den Bundesländern
Mehr als jedes dritte bayerische Gebäude, rund 37 Prozent, wurde laut Zensusdaten im Jahr 2022 mit Öl beheizt – und damit mehr als mit Gas oder irgendeinem anderen Energieträger. Besonders häufig mit Öl heizen die Niederbayern und die Oberpfälzer.
Das liegt daran, dass vor allem in ländlichen Regionen das Öl als Energieträger für Heizungen dominiert. "In den 1970er Jahren wurden in Deutschland viele Gasleitungsnetze verlegt", sagt Florian Mattner, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW). Aber: nur da, wo es sich gerechnet habe, also in die dichtbesiedelten Städte wie München oder Nürnberg, so Mattner. "Im ländlichen Bereich, in Dörfern mit wenigen Häusern und wenigen Anschlussnutzern, wären die Leitungen weniger tragbar gewesen".
Bayernkarte: So wird in den Gemeinden geheizt
Wählen Sie aus, ob Sie den dominierenden Heiztypen oder die Verbreitung von Ölheizungen in den bayerischen Gemeinden sehen möchten.
In Bayern, dem größten Flächenland in Deutschland, gibt es viele solcher vergleichsweise dünn besiedelten Bereiche. Dort hatten viele Menschen schon einige Jahre zuvor Zugang zu billigem Heizöl. Dank einer Pipeline von Triest nach Ingolstadt und mehreren Raffinerien in Bayern konnten sich die Verbraucher auf dem Land lange Zeit gut mit Öl versorgen.
Auch Gas wird teurer
Von Roon meint aber auch: Der Preisschock werde sich nicht auf Heizöl beschränken. Auch auf Gaskunden kommen wohl höhere Heizkosten zu. "Bis die Preissteigerung bei den Kunden ankommt, kann es aber noch ein bisschen dauern. Im Gegensatz zum Heizöl, wo Kunden zum aktuellen Marktpreis einkaufen müssen, haben Menschen, die mit Gas heizen, in der Regel einen Vertrag mit Preisbindung". Trotzdem, Neukunden spüren bereits jetzt einen Preisanstieg.
Grafik: Gas-Preisentwicklung in Deutschland und Bayern
Alternative Heizkonzepte auf dem Vormarsch
Der Preisschock infolge des Irankriegs ist bereits der zweite innerhalb weniger Jahre. 2022 machte der Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine vor allem Gas in Deutschland um ein Vielfaches teurer. Auch deshalb überlegen viele Verbraucher im Freistaat, womit sie zukünftig heizen.
"Bayern hat sich auf den Weg gemacht, die Wärmewende umzusetzen", sagt VBEW-Geschäftsführer Mattner. Bei Neubauten werden seit einigen Jahren in der Mehrzahl der Fälle Wärmepumpen eingebaut. So reißen beispielsweise die Förderanträge für Zuschüsse für Einbauten von Wärmepumpen bei der Kreditstelle für Wiederaufbau (KfW) seit Jahren nicht ab. Außerdem setzen viele Menschen auf Nah- und Fernwärmekonzepte.
Grund dafür sei vor allem, dass sich die Kostenbilanz verschoben habe. "Gas und Öl werden an sich immer teurer, dazu kommen die beiden Preisschocks der letzten Jahre", so Forscher von Roon. "Außerdem machen Förderprogramme des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und der KfW solche Umbaumaßnahmen billiger".
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