Graue Drähte, dazwischen ein paar rote Schalthebel: Daraus soll ein brauchbares Cockpit werden, mit dem ein Pilot fliegen kann – genau das ist der Job eines Fluggeräte-Elektronikers. Die beiden Schülerinnen Lilly und Laura, 14 Jahre, schauen auf den Kabelsalat in einem Kleinflugzeug am Flughafen Straubing: "Ich fand es sehr gut, dass wir auch reingucken durften, weil es etwas Neues ist, was wir noch nie gesehen hatten", so ihr Fazit.
An Bildern sehen sie, wie das Cockpit nach dem Umbau ausschaut – klare Linien, große Displays, kaum mechanische Knöpfe. Doch ob so ein Beruf für die beiden was wäre? Lilly wirkt skeptisch: "Ich glaube, ich könnte mit solchen kleinen Teilen nicht so gut umgehen, mit so Kabeln."
Azubi-Bus-Tour: Neue Einblicke in unbekannte Berufe
Um herauszufinden, welcher Beruf der richtige ist, sind die beiden Schülerinnen in den Azubi-Bus gestiegen. Lilly und Laura besuchen die 8. Klasse der Mittelschule Straßkirchen – in einem Jahr müssen sie sich um eine Ausbildung bewerben.
Wie wichtig eine gute Ausbildung ist, zeigen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (externer Link): Die Arbeitslosenquote von Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung betrug in Bayern zuletzt 13,1 Prozent, während sie für Menschen mit Berufsabschluss nur bei 2,3 Prozent lag.
Ein Klassiker unter den Berufswünschen – Bürokauffrau
Lilly und Laura haben schon ein erstes Praktikum gemacht und deshalb eine Idee, was sie einmal werden wollen: Bürokauffrau. Ein Klassiker – der Beruf gehörte im vergangenen Ausbildungsjahr 2025/26 zu den gefragtesten Ausbildungsberufen. Weibliche Ausbildungssuchende bewarben sich insbesondere als Medizinische Fachangestellte, Kauffrauen für Büromanagement oder Zahnmedizinische Fachangestellte. Männliche Bewerber suchten eher nach einer Ausbildungsstelle als Kfz-Mechatroniker, Fachinformatiker oder Elektroniker.
Bei der Tour des Azubi-Busses stehen drei Unternehmen auf dem Programm. Einmal im Jahr wird diese Aktion von der Stadt Straubing gemeinsam mit dem Landkreis organisiert. Nach dem Flughafen Straubing fährt der Kleinbus mit insgesamt 20 Schülerinnen und Schülern aller Schularten weiter.
Wenn Betriebe jahrelang keinen Azubi finden
Zweiter Halt ist die Firma Vilsmeier Maschinenbau, ein kleiner Handwerksbetrieb in Geiselhöring. Zwölf Beschäftigte stellen hier Einzelteile her, die in der Automobilindustrie oder der Landwirtschaft gebraucht werden. Maria Vilsmeier ist die Senior-Chefin und freut sich über den Besuch der Jugendlichen: "Wissen Sie, was ganz besonders ist bei uns im Betrieb? Dass alle unsere Mitarbeiter seit der Ausbildung bei uns sind. Wir hätten keine Facharbeiter, wenn wir sie nicht selber ausgebildet hätten."
Deshalb war es auch eine schwierige Situation für den Betrieb, als sich in den Jahren 2021 bis 2024 kein Azubi fand. Im vergangenen Ausbildungsjahr 2025/26 gab es in Bayern gut 494.000 Ausbildungsstellen. Auf gut 444.000 Bewerber – das heißt, rund 50.000 Stellen blieben unbesetzt.
Eine Frau in der Maschinenhalle – für die Schülerinnen unerwartet
Lilly und Laura fällt an einer der großen Maschinen eine junge Frau auf: Jasmin Dunskus, 24 Jahre, ist gelernte Feinwerkmechanikerin – sie löchern sie mit ihren Fragen. Welche Schulfächer sind dafür wichtig? Was macht ihr am meisten Spaß an dieser Arbeit? Und war das schon immer ihr Traumberuf? Die Feinwerkmechanikerin erklärt geduldig und erzählt, dass sie selbst auch andere Pläne hatte, dann hier durch Zufall ein Praktikum machte und danach für sie klar war, dass sie hier ihre Ausbildung machen wollte.
Eine Frau in der Maschinenhalle – das hatten die beiden Schülerinnen gar nicht erwartet: "Man denkt immer, Maschinenbau ist was für Männer, aber es zeigt, wie viel Spaß ihr das macht. Man hat keine Angst, wenn man weiß, man ist nicht allein."
Speed-Dating dank Azubi-Bus: Eindrücke, Ideen und erste Ausbildungspläne
Nach der dritten Station an der Pflegefachschule in Mallersdorf mit Einblicken in die Kranken- und Altenpflege ist das berufliche Speeddating vorüber. Lilly und Laura sind sich einig: "Sehr schön, mal was Neues zu erfahren. Bei ein paar Betrieben kann ich mir nicht so gut vorstellen, da zu arbeiten. Aber ich fand es trotzdem sehr spannend, einfach mehr Berufe kennenzulernen."
Diese beiden wollen immer noch Bürokauffrau werden. Andere Schüler waren aber interessiert an einigen der vorgestellten Berufe und können sich nach der Tour durchaus vorstellen, dort eine Ausbildung zu machen.
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