Seit Kriegsbeginn nehmen Spekulationen zu, wie viele Raketen und Drohnen Iran im Arsenal hat. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die Luftabwehrsysteme der Israelis beziehungsweise der mit den USA verbündeten Golfstaaten ausreichen, um iranischen Angriffen standzuhalten. Der umfangreiche Waffengang der US-Streitkräfte hat auch Konsequenzen für das eigene Lager.
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Psychologische Kriegsführung um Raketenarsenale
Krieg habe für alle Beteiligten immer viel mit Psychologie zu tun, sagt Douglas Barrie, Verteidigungsanalyst der britischen Denkfabrik IISS. Unter keinen Umständen würde eine Kriegspartei zugeben, sie habe nur noch eine geringe Zahl an Raketen im Lager oder es seien mehrere Tausende.
Die USA und Israel geben vor, sie könnten den Krieg noch so lange führen, wie es nötig sei, erklärt der Experte für Militärluftfahrt. Die Iraner hingegen würden behaupten, sie könnten die Verluste wegstecken und weiterhin zurückschlagen.
Irans Raketenlager wohl nicht aufgefüllt
Aufgrund US-amerikanischer Geheimdiensteinschätzungen hieß es in der Vergangenheit, Iran verfüge über 2.000 bis 3.000 ballistische Raketen mit großer Reichweite und hoher Durchschlagskraft. Allerdings habe Iran bereits während des 12-Tage-Kriegs im vergangenen Juni gegen Israel hunderte Raketen abgefeuert, so Barrie. Damals griffen die USA und Israel vor allem das iranische Atomprogramm an.
Im Interview mit BR24 äußert der Experte Zweifel, dass das Mullah-Regime inzwischen seine Lager aufgefüllt hat. Sein Argument: Die USA und Israel hätten während der Kampfhandlungen mehrere iranische Rüstungsfabriken zerstört.
Experte: US-Angaben glaubwürdig
Das US-Zentralkommando für den Nahen Osten berichtet am 4. März 2026, die Zahl der von Iran abgefeuerten ballistischen Raketen sei seit Beginn der Kampfhandlungen um 86 Prozent zurückgegangen.
Barrie hält die Information für glaubwürdig. Die Luftangriffe der USA und der Israelis seien erfolgreich gewesen und hätten das iranische Luft-Abwehrsystem und Depots mit ballistischen Raketen zerstört. Das sei einer der Gründe, warum die iranischen Streitkräfte und die Revolutionsgarde inzwischen deutlich weniger große Raketen abfeuern.
Navdav Shoshani, Oberstleutnant und Pressesprecher der israelischen Armee, erklärt vor internationalen Journalisten, die israelische Luftwaffe habe gezielt Abschussrampen ins Visier genommen und 300 getroffen. Auch das habe die Fähigkeiten des Regimes maßgeblich reduziert.
Iran setzt auf Kamikazedrohnen Shahed
Mit Kamikazedrohnen des Typs Shahed 136 dürfte jedoch Iran die Region noch eine ganze Zeit lang in Atem halten. Russland setzt die Drohne seit Langem erfolgreich im Krieg gegen die Ukraine ein. Drohnen seien deshalb so gefährlich und effektiv, weil man diese im Vergleich zu großen Raketen einfach und günstig in Massenproduktion herstellen könne, erklärt Barrie.
Eine Strategie sei es, den Gegner bei einem Angriff mit Kamikazedrohnen regelrecht zu überfluten. Eine einzelne Drohne könne man sehr einfach vom Himmel holen. Wenn gleichzeitig ein Schwarm 100 Drohen angeflogen kommt, gerät selbst ein so hochentwickeltes Abwehrsystem wie das israelische an seine Grenzen.
Israelisches Luftabwehrsystem am Limit?
Zum Ende des 12-Tage-Krieges musste Israel aufgrund des heftigen iranischen Beschusses auf einen Teil seines ausgeklügelten Luftabwehrsystems verzichten, so Beobachter. Arrow 2 und Arrow 3-Abfangraketen gingen zur Neige, so dass die israelische Luftwaffe "David's Sling"- und "Iron-Dome"-Flugabwehrraketen zum Abfangen ballistischer Raketen einsetzen musste, obwohl diese üblicherweise Mittel- und Kurzstreckenwaffen stoppen sollen. Beobachter gehen davon aus, dass sich Israel vor dem aktuellen Angriff auf das Mullahregime nachhaltiger ausgerüstet hat.
Hat der Krieg Folgen für Ukraine?
Frank Sauer, Militärexperte der Bundeswehruniversität München, macht im Handelsblatt [externer Link, möglicherweise Bezahlungsinhalt] deutlich, dass die intensiven Angriffe der US-Streitkräfte Konsequenzen für das Arsenal der Amerikaner hätten. Der Verbrauch von Marschflugkörpern, Raketen und Bomben sowie von Lenkflugkörpern zur Verteidigung sei enorm, so Sauer. Das Wiederauffüllen der Bestände dürfte Monate dauern. Das könnte auch für andere Staaten, wie beispielsweise die Ukraine, Folgen haben. Das Land benötigt dringend Patriot-Flugabwehrraketen gegen russische Angriffe.
So wird klar, warum US-Präsident Trump für diesen Freitag ein Treffen mit Vertretern der Rüstungsindustrie einberufen hat. Im US-Fachmagazin "Military Times" heißt es, Ziel des Treffens sei, die aufgrund des Iran-Krieges geleerten Arsenale schnell wieder aufzufüllen.
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