Auf einen Felsbrocken ist ein Wegweiser zur Ötzi-Fundstelle aufgemalt.
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Wegweiser zur Ötzi-Fundstelle am Tisenjoch
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Wegweiser zur Ötzi-Fundstelle am Tisenjoch

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Der Mann aus dem Eis: Wie Ötzi immer noch für Sensationen sorgt

Der Mann aus dem Eis: Wie Ötzi immer noch für Sensationen sorgt

Vor 35 Jahren haben zwei Nürnberger die bedeutendste Eismumie Europas gefunden. Bis heute ist das Interesse an Ötzi ungebrochen und ein größeres Museum in Planung. Wissenschaftler liefern neue Erkenntnisse – auch zum Brotbacken und Bierbrauen.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Zum Jubiläum ist die Ötzi-Finderin Erika Simon aus Nürnberg noch einmal ins Ötztal gereist. Die 86-Jährige kann mittlerweile nicht mehr auf das Tisenjoch auf 3.210 m steigen, wo sie an der Grenze zwischen Italien und Österreich einen der bedeutendsten Funde zur Erforschung der Menschheitsgeschichte machte.

Doch im Ötzi-Dorf, einem archäologischen Freilichtpark in Tirol, schaut sie sich interessiert eine Doku an einem interaktiven Infoboard an. Darin wird unter anderem erklärt, wie sie und ihr Mann Helmut am 19. September 1991 beim Bergsteigen vom Weg abkamen und den Mann im Eis entdeckten. "Von dem Körper ragten nur Kopf und Rücken heraus", erinnert sich Erika Simon. Mit dem letzten Foto auf ihrer Filmrolle hielt das Ehepaar diesen Fund fest und meldete ihn weiter unten beim Wirt auf der Similaunhütte.

Ältester "Cold Case": Ötzi

Dass dies einer der bedeutendsten Funde für die Erforschung der Menschheitsgeschichte ist, war dem Ehepaar Simon in dem Moment nicht klar. Beide dachten, es handle sich um einen verunglückten Bergsteiger. Dann sickert die Sensation allmählich durch: die älteste jemals in Europa gefundene Mumie, 5.300 Jahre alt, im Eis gut konserviert. Bis heute ist die Faszination ungebrochen und Wissenschaftler kommen immer wieder zur Fundstelle, einer steinigen Rinne am Tisenjoch.

Auch Profiler Alexander Horn vom Polizeipräsidium München beschäftigt sich mit dem "Cold Case" Ötzi. Eine der für ihn spannendsten noch offenen Fragen lautet: Wie lange hat es gedauert, bis Ötzi gestorben ist, nachdem ihn der tödliche Pfeil aus vermutlich dreißig Metern Entfernung traf? "Der Täter hat anscheinend den Pfeilschaft rausgezogen und das Opfer liegen gelassen. Das deutet auf ein persönliches Motiv hin, denn wertvolle Gegenstände wie das Kupferbeil wurden nicht gestohlen", sagt Alexander Horn.

Ötzi-Hefe zum Brotbacken

Vielleicht kann eines Tages noch die DNA des Täters gefunden werden, und zwar im Teer an der Pfeilspitze, die noch in Ötzis Schulter steckt. Dieser Teer ist eine Art steinzeitlicher Kleber und wurde vor der Verwendung gekaut. Speichelreste könnten daher neue Erkenntnisse liefern, hofft Frank Maixner vom Eurac Institut für Mumienforschung in Bozen.

Darüber hinaus haben der Mikrobiologe und seine Kollegen in diesem Sommer mit kälteresistenten Hefestämmen aus Ötzis Darm, von seiner Haut und aus dem Schmelzwasser experimentiert und daraus ein Ötzi-Brot gebacken. Denn diese kälteresistenten Hefen aus der Jungsteinzeit könnten sich für eine energiesparende Lebensmittelherstellung eignen: Backen und Bierbrauen bei niedrigen Temperaturen. Es besteht bereits Interesse von Bierbrauern, weil diese Hefen zudem eine neue Geschmacksrichtung liefern könnten.

Digitaler Zwilling des Eismannes

In den vergangenen 35 Jahren ist die Mumie umfassend erforscht worden. Von der Augenfarbe über Erkrankungen und Parasiten, Gelenkabnutzungen, Laktose-Intoleranz bis zu einer markanten Zahnlücke. Seine letzten Lebenstage wurden rekonstruiert, ebenso seine letzte Mahlzeit.

Ende August hat das Südtiroler Archäologiemuseum einen umfassenden digitalen Zwilling vorgestellt, der künftig Untersuchungen ermöglicht, ohne dass der empfindliche Körper aus der Kühlzelle geholt werden muss. "Neue wissenschaftliche Untersuchungsmethoden werden auch in der Zukunft weitere Erkenntnisse bringen", sagt Prof. Oliver Peschel, Gerichtsmediziner an der LMU und Präsident des wissenschaftlichen Ötzi-Fachbeirats. Allein die Möglichkeiten der Bildgebung hätten sich seit 1991 enorm weiterentwickelt und würden es weiter tun.

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Ötzi-Finderin Erika Simon besucht zum Jubiläum das Ötzi-Dorf in Tirol.

Segen für die Wissenschaft

Weil immer noch Tausende Besucher jedes Jahr ins Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen strömen, soll ein größerer Neubau her. Darüber hinaus steht am Fundort auf 3.210 Metern am Tisenjoch eine Gedenkpyramide. Dorthin kann die 86-jährige Ötzi-Finderin Erika Simon nicht mehr wandern, denn sie braucht mittlerweile eine Gehhilfe: "Ich gehe noch gerne spazieren, jetzt halt mit Rollator!", sagt sie augenzwinkernd.

Insgesamt sei der Ötzi-Fund ein Segen gewesen, sagt Erika Simon rückblickend. Nicht wegen des Finderlohns in Höhe von 175.000 Euro, um den sie viele Jahre streiten musste, sondern wegen der Wissenschaft. Ihr Mann Helmut hat viele Erkenntnisse rund um den Mann aus dem Eis nicht mehr erlebt, denn er ist vor über zwanzig Jahren bei einem Absturz im Gebirge gestorben.

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