Ehefrau Kathrin und die Kinder Soraya, Samuela und Sion freuen sich, über gemeinsame Zeit mit Erasmus.
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Noch nicht geheilt, aber auf dem Weg der Besserung: Erasmus Gerlach (blaue Mütze) mit seiner Familie.
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Noch nicht geheilt, aber auf dem Weg der Besserung: Erasmus Gerlach (blaue Mütze) mit seiner Familie.

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Diagnose Leukämie: Familienvater auf dem Weg zurück ins Leben

Diagnose Leukämie: Familienvater auf dem Weg zurück ins Leben

Es war ein Schock: Vor einem Jahr bekam Erasmus Gerlach aus Oy-Mittelberg die Diagnose Blutkrebs. Schritt für Schritt kämpft er sich zurück ins Leben. Warum seine Erkrankung mindestens einem anderen Menschen das Leben geschenkt hat.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Neujahrstag 2025: Erasmus Gerlach aus Oy-Mittelberg (Landkreis Oberallgäu) bekommt eine Schockdiagnose – Blutkrebs. "Für mich war das, als würde ich anfangen zu schweben. Du weißt nicht, wirst du nächsten Monat, das nächste halbe Jahr überleben", beschreibt der dreifache Familienvater den Moment, als ihm die Ärzte die Diagnose mitteilen. Eigentlich war er wegen starker Schmerzen im Bein ins Krankenhaus nach Pfronten gefahren, nur wenige Stunden später befindet er sich im Krankenwagen: Mit Blaulicht geht’s ins Krebszentrum der Uniklinik in Ulm. Dort stellen die Ärzte fest: Der 43-Jährige leidet an mittelschwerer akuter myeloischer Leukämie (AML).

Deutschlandweit jährlich rund 14.000 Leukämie-Erkrankte

Wie viele Menschen in Deutschland jedes Jahr an Krebs erkranken, wird in landesweiten Krebsregistern erfasst und im Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) am Robert Koch-Institut zusammengeführt. Der jüngste Bericht "Krebs in Deutschland 2021 bis 2023" [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt] ist Mitte Dezember erschienen. Demnach sind 2023 bundesweit rund 14.000 Menschen an einer Leukämieform erkrankt; davon in Bayern 1.043 Männer und 665 Frauen.

Ehefrau fährt jeden Tag ins Krankenhaus

Die Leukämie-Erkrankung von Erasmus Gerlach hat Auswirkungen auf die ganze Familie. Von Januar bis Mai 2025 verbringt der 43-Jährige vier Monate stationär im Krankenhaus, erhält zwei Chemotherapien und eine Stammzellentransplantation. Seine Frau Kathrin gibt vorübergehend ihre Arbeitsstelle als Kindergartenleiterin auf. Sie will für ihren Mann und die Kinder (15, 13 und sieben Jahre alt) da sein. Jeden Tag fährt sie nach Ulm ins Krankenhaus, einfache Strecke 100 Kilometer. Nach einem Monat keimt der erste Hoffnungsschimmer: Die Chemotherapie schlägt sehr gut an. "Das war der Schritt für mich, zu sagen: weiter weiter weiter!", sagt Erasmus.

Viel Hilfe von Familie und Freunde

Die Familie erfährt viel Hilfsbereitschaft. Freunde übernehmen etwa den Stalldienst – neben Hühnern haben Gerlachs zwei Pferde – oder stellen frisch gekochtes Essen vor die Tür. Die Hilfe anzunehmen, das musste sie erst lernen, sagt Kathrin Gerlach, aber: "Es gibt einem auch Hoffnung, wenn man weiß, man ist nicht alleine."

Stammzellenspende: Erfolgreiche Typisierungsaktion

Das Engagement der Freunde geht weit: Zusammen mit Erasmus‘ Arbeitgeber, dem Theater in Kempten und der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) [externer Link] organisieren sie Typisierungsaktionen. Denn um Blutkrebs dauerhaft zu besiegen, hilft oft nur eine Stammzellenspende. Die Aktionen sind erfolgreich: Insgesamt 1.777 Personen lassen sich typisieren. Eine Person, die sich für Erasmus hat registrieren lassen, hat einem anderen Menschen bereits Stammzellen gespendet und ihm so das Leben geschenkt. Das bestätigt eine Sprecherin der DKMS dem BR.

Immunsystem muss komplett regenerieren

Für Erasmus wird auf einem anderen Weg ein Stammzellenspender gefunden. Die Stammzellentransplantation im April setzt ihm allerdings zu. "Das haben wir unterschätzt", sagt Ehefrau Kathrin. Als der 43-Jährige drei Wochen nach der Transplantation aus dem Krankenhaus entlassen wird, ist er körperlich am Boden, darf nicht an die Sonne. Nur langsam geht’s zurück ins Leben. Menschenansammlungen muss er bis heute meiden, denn sein Immunsystem muss sich komplett regenerieren. "Ich bin blank wie ein Baby." Nach und nach bekommt Erasmus die notwendigen Impfungen, kann seine Tabletten von 30 Stück pro Tag auf 14 reduzieren.

Langsam kommt die Kraft zurück

Die Kraft kommt zurück, die Haare wachsen nach, er zeigt keine Abstoßungsreaktion. "Sein Körper macht das richtig gut", sagt Kathrin dankbar. Die Familie weiß, nicht alle Leukämie-Erkrankten stecken die Behandlungen so gut weg wie Erasmus. Bis er aber als gesund gilt, dauert es: "Man sagt nach fünf Jahren ist man, wenn nichts kommt, geheilt."

An einen möglichen Rückfall wollen die Gerlachs nicht denken. Sie freuen sich auf das, was kommt: auf gemeinsame Zeit als Familie, auf den Alltag und darauf, dass Erasmus in den nächsten Monaten zurück an seinen Arbeitsplatz kehren kann – ans Audio-Mischpult im Theater in Kempten.

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