Die pflegebedürftige Gisela Urban wurde Diebstahlsopfer.
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Diebstahl in der Pflege: Was tun gegen ein wachsendes Problem?

Diebstahl in der Pflege: Was tun gegen ein wachsendes Problem?

Ehering oder Goldkette, plötzlich verschwunden: Pflege- und hilfsbedürftige Menschen können leicht zu Opfern von Diebstahl werden. Die Kriminalstatistik zeigt, dass im Pflegebereich immer öfter Wertsachen entwendet werden. Was die Polizei rät.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

"Mein Ehering oder die schöne Kette, alles war auf einmal weg", sagt Gisela Urban. Die 86-Jährige erinnert sich genau, als sie im Schlafzimmer auf einen fast leeren Schmuckkoffer blickt. Ein Schaden von 4.000 Euro, denn es fehlt auch Geld. Der Verdacht fällt auf die Pflegekraft. Wie sich später herausstellt, melden auch Angehörige anderer Pflegebedürftiger, dass Wertsachen fehlen. Stets sei dieselbe Pflegerin zuvor dagewesen. Doch letztlich beweisen können die Betroffenen nichts.

Polizei: Diebstähle nehmen zu

Ein Problem, das nicht nur in der ambulanten Pflege existiert, wie der Blick auf die Kriminalstatistik zeigt. Kam es in Alters- und Pflegeheimen vor fünf Jahren noch zu 834 Diebstählen, kletterte die Zahl vergangenes Jahr in Bayern auf 1.254. Das ist ein Anstieg um rund die Hälfte. Bei den Tätern handle es sich nicht nur um Pflegekräfte, sondern auch um andere Bewohner oder auch Besucher des Heims, so das Landeskriminalamt. Für eine Einrichtung ist es schwer möglich, alles im Blick zu behalten, die Aufgaben sind fordernd. Heimbewohner verlassen oft auch ihr Zimmer, weil gesundheitliche Untersuchungen anstehen.

Wohnung durchwühlt

In Gisela Urbans Wohnung war die Situation ähnlich, wie die Betroffene schildert. Die Pflegerin sollte ihre wunden Beine versorgen mit Verbandsmaterial aus dem Nebenraum. Doch sie kam laut Aussage der Seniorin längere Zeit nicht mehr zurück. Urban stand auf und entdeckte die Pflegerin in einem anderen Zimmer, wo sie Sachen durchwühlte. "Ich hatte mich nicht getraut, es dem Pflegedienst oder der Polizei zu melden, weil ich dachte, es kommt dann vielleicht niemand mehr, der mich verbindet", sagt Urban.

Krankenschwester Cordula Metzger, die die 86-Jährige gelegentlich besucht, kritisiert, dass älteren Menschen oft weniger geglaubt werde. "Manche denken, die Oma ist schon dement oder hat Dinge einfach nur verlegt. Ich denke, dass es eine relativ hohe Dunkelziffer gibt", sagt Metzger.

Verdächtige hat schnell neuen Job

Helga Buysan sieht das ähnlich. Sie betreibt einen ambulanten Pflegedienst und beschäftigte ebenfalls eine Mitarbeiterin, die allem Anschein nach stahl. Sie hatte sie entlassen, doch die Pflegerin fand eine neue Stelle. "Wir können als Arbeitgeber Vorfälle nicht konkreter ins Arbeitszeugnis schreiben, wenn sie nicht zweifelsfrei bewiesen sind. Hinzu kommt, dass Pflegepersonal sehr knapp ist", sagt Buysan.

Der Ruf ihres Pflegedienstes habe durch den Vorfall gelitten. Sie wünscht sich, dass sich in der ambulanten Pflege Fürsprecher wie in Krankenhäusern oder Heimen durchsetzen - also neutrale Personen, an die man sich bei Problemen jederzeit wenden kann, damit solche Taten schneller auffliegen.

Was die Polizei rät

Die Polizei rät, Wertgegenstände nicht offen herumliegen zu lassen. Sie sollten bei vertrauten Verwandten verwahrt oder in einen Safe eingeschlossen werden, um die Gelegenheit für einen Diebstahl gar nicht erst entstehen lassen. "Größere Mengen an Bargeld sollte man nur im Kreis der Angehörigen zählen", sagt Alexander Heubuch vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West. Er empfiehlt grundsätzlich auch, eine Inventarliste anzulegen und sämtliche Wertgegenstände zu dokumentieren. Das hilft der Polizei nach einem Diebstahl bei der Fahndung und erleichtert die Schadensabwicklung mit der Versicherung.

"Nicht alle über einen Kamm scheren"

Auch Gisela Urban will mit Unterstützung von Cordula Metzger ihre verbliebenen Wertsachen fotografieren. Denn der Verlust des Schmucks schmerzt sie noch immer, auch weil damit viele persönliche Erinnerungen verbunden waren.

Man dürfe allerdings trotzdem nicht alle Pflegekräfte über einen Kamm scheren, es handle sich um eine Minderheit, betont Metzger. "Aber ich möchte, dass hilfsbedürftige Menschen nicht mehr ausgenutzt werden und ohne Ängste Missstände melden." Die Krankenschwester hätte übrigens von ihrer Tante vor vielen Jahren eine Perlenkette erben sollen. Doch die war nicht mehr auffindbar.

(Symbolbild) Eine Person steckt Bargeld in die Hosentasche
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Jan Woitas
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(Symbolbild) Wertsachen sind plötzlich verschwunden. Hilfsbedürftige Menschen können leicht zu Opfern werden.

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