Donna Maria ist gestartet: Vor mehreren Hundert Gästen haben Bahn, Arbeitsgemeinschaft Tunnel Hauptbahnhof und Freistaat den Start der Bohrarbeiten für die 2. S-Bahn-Stammstecke gefeiert. Am Tunnelportal West auf Höhe der Donnersberger Brücke haben Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), seine Gattin, Tunnelpatin Ann-Kathrin Jandt-Bernreiter, mit den Baupartnern gemeinsam das Signal gegeben.
Donna Maria bohrt im 24-Stunden-Betrieb
Die rund 178 Meter lange und etwa 700 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine stellt in den kommenden Monaten in bis zu 40 Metern Tiefe den rund drei Kilometer langen Erkundungs- und Rettungsstollen von der Donnersbergerbrücke in Richtung Marienhof her. Dazu soll Donna Maria sich durchschnittlich acht Meter pro Tag nach vorne bohren. Jeweils 16 Arbeiter sind in einer Schicht: acht auf der Maschine und weitere acht drumherum.
Verkehrsminister Bernreiter erinnert an S-Bahn-Chaos
Laut dem Bauleiter der DB, Albert Wimmer, wurden schon vor dem offiziellen Start etwa drei Meter angebohrt, für erste Tests. Verkehrsminister Christian Bernreiter sprach davon, dass der Tunnelanstich ein Meilenstein beim Bau der 2. Stammstrecke sei, dem zentralen Infrastrukturprojekt für den Nahverkehr in der Region München. Wie wichtig das sei, habe man bei dem Chaos zum Schulanfang in dieser Woche sehen können.
Projekt geht voran und sei "kein Milliardengrab"
Es gehe beim Milliardenprojekt 2. Stammstrecke eigentlich überall voran, so Bernreiter im BR24-Interview. "Es wird am Ostbahnhof gebaut, in Laim, in Pasing". Natürlich gebe es immer wieder Einschränkungen, so Bernreiter, "aber alle Experten sagen mir, wie wichtig diese zweite Stammstrecke ist, und ich bin von dem selber auch überzeugt."
Insbesondere der Behauptung in der Presse, das Projekt sei ein Milliardengrab, trat Bernreiter entgegen: "Da geht es voran, da ist kein Grab, da wird fleißig gearbeitet, und wenn man sich das alles anschaut, ist es natürlich die höchste, allerhöchste Ingenieurskunst, die hier angewendet wird."
Fertigstellung in den Jahren zwischen 2035 bis 2037
"Ich glaube, da kann man schon einmal zeigen, was in Deutschland auch alles möglich ist," sagte Bernreiter weiter. Der Tunnelanstich sei der Beweis, dass das Projekt eben kein Milliardengrab sei, sondern dass gebaut werde.
Er gehe davon aus, dass das Gesamtprojekt im aktuellen Zeit- und Kostenrahmen von 9,6 Milliarden Euro und einer geplanten Fertigstellung zwischen 2035 und 2037 bleibe. Mehrere Redner betonten, dass es auch schneller gehen könnte, falls München den Zuschlag für Olympische Spiele bekommt.
Donna Maria mit maßgeschneidertem Bohrkopf für München
Die sogenannte Mixshield-Maschine wurde gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Hauptbahnhof und dem Hersteller Herrenknecht entwickelt und speziell auf die anspruchsvollen Bodenverhältnisse im Münchner Untergrund ausgelegt.
Den Namen "Donna Maria" haben Bürgerinnen und Bürger vorgeschlagen und in einer öffentlichen Abstimmung gewählt. "Donna" steht für die Donnersbergerbrücke, "Maria" für den Marienhof – Start und Ziel der bevorstehenden Reise. Zugleich spielt der italienische Klang darauf an, dass München häufig als nördlichste Stadt Italiens bezeichnet wird.
Für die 2. Stammstrecke kommen insgesamt sechs Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz. Nach "Donna Maria" folgen ab 2028 die größeren Maschinen für die beiden S-Bahn-Verkehrstunnel, so die Bahn. Somit sei Donna Maria eine Art "Pfadfinderin", die den Münchner Untergrund erkundet.
Ausbruchmaterial geht auf Deponien bis nach Schwaben
Beim Erkundungs- und Rettungsstollen im Abschnitt West entstehen rund 150.000 Tonnen Tunnelausbruchsmaterial. Insgesamt sind es für die drei Tunnel im Westen rund eine Million Tonnen, so die Bahn. Die gelbgrünen Waggons stehen am Nebengleis schon bereit, mit denen das entwässerte Erdreich abtransportiert werden wird. Der Abtransport erfolgt überwiegend per Zug sowie Lkw.
Das Material werde über Zwischenlager an bis zu 20 Entsorgungsstandorte im Umkreis von 100 Kilometern weitergeleitet. Es wird ins westliche Münchner Umland bis in den Raum Günzburg-Ulm verfrachtet, so die Bahn.
Großes Interesse an dem Projekt in München
Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) erinnerte ebenfalls daran, dass die erste Stammstrecke an ihre Grenzen stoße. Mit Donna Maria "kommen wir der Entlastung Schritt für Schritt näher. Auch wenn es den Menschen noch einen langen Atem abverlange: "Am Ende steht eine S-Bahn, auf die sich die Münchner*innen beim Weg zur Arbeit, in die Schule und zu ihren Familien wieder verlassen können."
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