Bayerns Flüsse führen witterungsbedingt wenig Wasser. Weil Frachtschiffe nicht mehr ihre übliche Ladung transportieren können, hat die Politik reagiert: Um die Logistikketten aufrechtzuerhalten, ist das Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen vorübergehend bis zum 31. August aufgehoben – zumindest für Güter, die sonst auf dem Wasserweg transportiert worden wären. Doch diese wirtschaftliche Notmaßnahme birgt an diesem Wochenende erhebliches Konfliktpotenzial für den Reiseverkehr.
Volle Autobahnen durch Ferienverkehr und Lkw
So warnt der ADAC in seiner Stauprognose für das Wochenende vom 14. bis 16. August 2026 vor vollen Straßen. Da unter anderem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Sommerferien enden, wird eine Rückreisewelle in Richtung Norden erwartet. Gleichzeitig verschärft der Feiertag Mariä Himmelfahrt am Samstag den ohnehin dichten Ausflugverkehr in Richtung Alpen. Treffen nun die regulären Urlauberkolonnen auf den zusätzlichen Sonn- und Feiertags-Verkehr durch Lkw, bedeutet das an diesem Wochenende höchste Staugefahr.
Besonders staugefährdet sind laut ADAC in Bayern folgende Strecken (in beiden Richtungen):
- A3: Würzburg – Nürnberg – Passau
- A7: Würzburg – Ulm – Füssen/Reutte
- A8: Stuttgart – München – Salzburg
- A9: Nürnberg – München
- A93: Inntalautobahn
- A95: München – Garmisch-Partenkirchen
- A99: Autobahnring München
Eine weitere Geduldsprobe erwartet Autofahrer im äußersten Süden Bayerns: Da das Nachbarland Österreich sein Lkw-Feiertagsfahrverbot nicht gelockert hat, wird sich der grenzüberschreitende Schwerverkehr massiv stauen. Vor allem an den stark belasteten Grenzübergängen Suben (A3), Walserberg (A8) und Kiefersfelden (A93) müssen Reisende mit erheblichen Verzögerungen rechnen. Auch wichtige österreichische Transitrouten wie die Brennerautobahn (A13) oder die Tauernautobahn (A10) sind staugefährdet.
Polizei überwacht Verkehrsfluss und warnt vor Schleichwegen
Die bayerische Polizei ist auf das hohe Verkehrsaufkommen eingestellt. Nach Angaben von Pressesprecherin Lisa Meier sind die zuständigen Dienststellen bereits sensibilisiert und werden den Verkehrsfluss besonders aufmerksam beobachten. Falls die Aufhebung des Lkw-Fahrverbots zu Staus führt, behält sich die Polizei vor, Lastwagen zu kontrollieren. Denn nur bei dringend benötigten Gütern, die sonst auf den Wasserstraßen transportiert worden wären, gilt die Sonntags-Lockerung. Dies werde jedoch jeweils im Einzelfall entschieden, so die Sprecherin zum BR.
Gleichzeitig gibt es einen deutlichen Appell an alle Autofahrerinnen und Autofahrer, die Staus über Schleichwege umfahren möchten: Bestehende Durchfahrtsverbote auf Ausweichrouten gelten uneingeschränkt weiter und müssen von Pkw-Fahrenden unbedingt beachtet werden. Sonst droht ein Bußgeld.
Stau auf der Autobahn. Beim Abfahren gelten vielerorts Durchfahrtsverbote.
Raststätten sind gerüstet
Wer auf der Autobahn Pausen einlegen möchte, muss mit gut besuchten Rastanlagen rechnen. Panik vor Versorgungsengpässen ist jedoch unbegründet. Ein Sprecher der Tank & Rast Gruppe versichert, man sei auf besucherstarke Wochenenden in den Sommerferien sowie auf Stoßzeiten durch Staus vorbereitet. Dass nun Lastwagen auch sonntags rollen, ist für die Betreiber kein Novum: Lkw-Fahrende mit Ausnahmegenehmigung seien an Sonntagen ohnehin regelmäßig an den Raststätten zu Gast, um dort ihre gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten.
Nur eine Notlösung der Logistik
Für die Speditionen bringt die Aufhebung des Verbots die dringend nötige Flexibilität, um Güter von den Flüssen auf die Straße zu verlagern. Susanne Lehmann vom Bayerischen Speditions- und Logistikverband dämpft jedoch Erwartungen an ein massiv steigendes Volumen: Wegen des akuten Mangels an Fahrern und der strikten Einhaltung von Ruhezeiten komme es zu keiner "wundersamen Vermehrung" von Transportkapazitäten. Zudem sei die Maßnahme kein Dauerzustand, sondern bleibe eine klare Ausnahme.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

