Knapp fünf Monate sind vergangen, seitdem das Jugendamt des Main-Tauber-Kreises vier Kinder aus einer Jugendhilfeeinrichtung im baden-württembergischen Schäftersheim genommen hat. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Ellwangen gegen die Leiterin. Wie der SWR zuerst berichtete, geht es um den Vorwurf der Freiheitsberaubung. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gab es Durchsuchungen: in der Einrichtung selbst und in der Zentrale des Trägers, der Evangelischen Jugendhilfe Würzburg.
Staatsanwaltschaft stellt Akten sicher
Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ellwangen mitteilt, wurde schriftliches Beweismaterial sichergestellt. Dieses müsse nun ausgewertet werden. Die Beschuldigte selbst habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Auch gegenüber dem BR will sie dazu nichts sagen.
Gunter Adams, Vorsitzender der Evangelischen Jugendhilfe Würzburg, bestätigt auf Anfrage die Ermittlungen. Zum Vorwurf der Freiheitsberaubung könne er nichts sagen. Ein Anwalt habe Akteneinsicht beantragt. Adams sagt: "Wir sind an einer zügigen, schnellen Ermittlung interessiert. Wir sind uns keiner Schuld bewusst." Die Jugendhilfe habe bei der Durchsuchung mit den Ermittlern kooperiert.
Behörde untersagte Leiterin Tätigkeit
Zu den konkreten Fällen, die zu den Ermittlungen geführt haben, hält sich die Staatsanwaltschaft Ellwangen bedeckt. Bereits im Juli hatte das Landesjugendamt in Baden-Württemberg der Leiterin die Tätigkeit untersagt.
Damals blieb das Landesjugendamt zu den Hintergründen vage: Das Amt sei seinem gesetzlichen Auftrag nachgekommen, den Kinderschutz sicherzustellen. Die Evangelische Jugendhilfe Würzburg kritisierte die Entscheidung.
Als Ursache für die Herausnahme der Kinder nannte die Evangelische Jugendhilfe im Frühsommer mehrere Vorwürfe: Freiheit entziehende Maßnahmen, Festhalten von Kindern, Kontrollen über Toilettengänge sowie das Verhängen von Arbeitsstunden. All diese Vorwürfe seien falsch. Das Landesjugendamt hatte diese Version aber weder bestätigt noch dementiert.
Ausbau der Einrichtung gestoppt
In der Einrichtung in Schäftersheim lebten bis April sechs Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 14 Jahren. Die Kinder wurden in andere stationäre Einrichtungen beziehungsweise Jugendhilfeeinrichtungen verlegt. Den Betrieb hat die Evangelische Jugendhilfe inzwischen pausiert. Geplant war ein Ausbau. Künftig sollten bis zu 30 Kinder auf dem Areal leben. Nun teilt der Träger mit: Die Baustelle ist gestoppt.
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