Seit Tagen zeigt das Thermometer hohe Temperaturen an. Und während wir uns in schattige Räume zurückziehen, stehen E-Autos und Pedelecs auf der Straße in der Sonne. Welche Auswirkungen hat die Hitze auf die Batterien und kann es im schlimmsten Fall zu Bränden durch Überhitzung kommen?
E-Autos sind "hitzefest"
Gute Nachrichten für die Besitzerinnen und Besitzer von E-Autos. Der ADAC betont, dass die Batterien auch bei hohen Temperaturen keinen Schaden nehmen. Das liegt einerseits daran, dass die Akkus relativ weit unten im Fahrzeug verbaut werden, wodurch sie vor der Sonne geschützt sind. Zum anderen sind die Batterien auf eine gewisse Temperatur ausgelegt, da sie auch beim normalen Laden warm werden. Falls es doch mal zu heiß wird, sind aber auch eine Kühlung und verschiedene weitere Schutzmaßnahmen verbaut.
Aufpassen sollte man nur bei häufigem Schnell-Laden. Wenn die Elektronik bemerkt, dass dabei zu viel Wärme entsteht, kann es dazu kommen, dass sie den Ladestrom begrenzt. Dadurch verlängert sich die Lade- und gegebenenfalls die Reisezeit.
Pedelec-Akkus haben keine Kühlung
Im Vergleich zu E-Autos haben Pedelecs, die umgangssprachlich auch als E-Bikes bezeichnet werden, deutlich kleinere Batteriesysteme. Dadurch seien sie zwar leicht und kompakt, haben aber keine aktive Kühlung durch Flüssigkeiten oder Klimatisierung der Batterie, erklärt Sebastian Grassow vom Zweirad-Industrie-Verband ZIV. Trotz ihrer geringerem Größe haben aber auch Pedelec-Akkus Batteriemanagementsysteme, die Temperatur, Spannung und Strom überwachen und den Akku bei Bedarf schützen und bei drohender Überhitzung sogar abschalten. "Bei bestimmungsgemäßer Nutzung sind originale Pedelec-Akkus sicher", so Grassow.
Keine Brandgefahr, aber schnelle Alterung
Es droht also auch in der Sonne keine Brandgefahr. Allerdings können hohe Temperaturen die Alterung der Batterie beschleunigen. Die chemischen Prozesse der Lithium-Ionen-Akkus laufen bei Wärme schneller ab, wodurch die Leistung und Lebensdauer des Akkus und damit auch die Reichweite des Pedelecs geringer werden.
Wie kann ich meinen Akku schützen?
Wer das verhindern möchte, sollte sein Pedelec im Schatten abstellen, den Akku nicht über längere Zeit im heißen Auto oder in praller Sonne lagern und einen stark erwärmten Akku vor dem Laden abkühlen lassen, empfiehlt Sebastian Grassow. Außerdem solle man die Batterie immer mit dem Original-Ladegerät laden. Und wichtig: Wer sichtbare Schäden am Akku erkennt, sollte diesen nicht mehr weiter nutzen, sondern von Experten prüfen lassen.
Hinweise auf Schäden sind: Risse im Gehäuse, austretende Flüssigkeiten oder ein aufgeblähter Akku.
Schadet die Hitze Leihfahrrädern und E-Scootern?
Anders als private Fahrzeuge, stehen Leihpedelecs oft und lange in der Sonne. Sebastian Grassow vom ZIV sieht auch darin keine Gefahr, er beschreibt die Fahrzeuge als besonders robust: "Leih-Pedelecs sind für den öffentlichen Außeneinsatz konzipiert und müssen auch sommerliche Bedingungen aushalten." Wichtig sei aber, dass Betreiber ihre Flotten regelmäßig warten, Akkus prüfen und beschädigte Fahrzeuge aus dem Betrieb nehmen würden.
Mareike Rauchhaus vom Leihfahrrad-Anbieter Nextbike, der unter anderem das Angebot "MyRadl" des Münchner Verkehrsverbunds MVV betreibt, erklärt, ihr sei bisher kein Fall bekannt, in dem eines der Nextbike-Räder Probleme mit der Hitze gehabt habe. Sie betont, dass das Unternehmen auch in anderen Städten wie beispielsweise Barcelona, wo es wärmer sei als München, bereits seit langem die elektrischen Räder mit guten Erfahrungen anbiete.
Für E-Scooter zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Das Sharing-Unternehmen Lime schreibt auf Anfrage von BR24: "Auch bei länger anhaltenden hohen Temperaturen ist es unproblematisch, unsere Fahrzeuge im Freien abzustellen. Die Batterien unserer E-Scooter und E-Bikes sind für den Außeneinsatz konzipiert und für den Betrieb unter unterschiedlichsten, auch extremen Witterungsbedingungen ausgelegt. (...)" Bisher hätten sich die hohen Temperaturen nicht negativ auf die Flotte ausgewirkt, schreibt das Unternehmen weiter. Man prüfe und warte die Fahrzeuge regelmäßig.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!
