"Ich komm da nicht hoch“. In Feldanzug, mit Helm, in zivilen Turnschuhen und mit großen Bedenken stehen zwei junge Mädchen auf der Hindernisbahn der Bayerwaldkaserne. Es hat 35 Grad Sommerhitze. Zwischen jedem Hindernis machen sie Liegestützen. Wenige Minuten später jubeln sie schon fast, weil sie über ihre persönlichen Grenzen gegangen sind und erste Kameradschaft erlebt haben. "Mich haben irgendwie vier Leute unterstützt." Die Bundeswehr, das wäre was für sie, sagen sie. Deshalb sind sie zum Edelweißcamp in Regen gekommen.
Vier Tage Soldatenalltag erleben, mit "sanfterem" Umgangston
Hier erleben sie vier Tage lang den Soldatenalltag in der Kampftruppe. Die Inhalte des Schnuppercamps ähneln den ersten Wochen der Basisausbildung der Rekruten. Nur der Umgangston sei noch sanfter, sagt der Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 112 in Regen, Oberstleutnant Sean Papendorf. "Wir bringen sie schon psychisch und physisch an die Belastungsgrenzen, aber im Rahmen."
Das bedeutet: Sechs Personen auf einer Stube, Military Fitness, Waffenschau, Tarnen und Täuschen, unterwegs mit Karte und Kompass, eine Fahrt mit einem nagelneuen Puma-Panzer und Biwak, also eine Nacht draußen im Wald. Das alles bei glühender Sommerhitze.
Auch bei den Panzergrenadieren können die Interessenten hineinschnuppern.
Das Edelweißcamp gibt es schon seit gut zehn Jahren. Es ist benannt nach dem Edelweiß, das die Regener Panzergrenadiere auf dem Barett tragen, weil die Einheit früher zu einer Gebirgsdivision gehörte. Der Zuspruch wird immer größer – die Plätze für das Camp hätten das Bataillon und das Karrierecenter zweimal vergeben können.
Bundeswehr als Option für junge Menschen
50 junge Menschen aus ganz Deutschland sind dabei, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Lotti aus Dresden sei bewusst geworden, dass die Demokratie ganz schön unter Druck geraten sei. Aus Gesprächen mit ukrainischen Freunden stelle sie fest, dass man alles nicht mehr für selbstverständlich nehmen könne, sagt die 23-Jährige. Für sie steht der Master ihres Studiums an, aber sie würde gerne Reservistin werden. Sonja aus Niedersachsen studiert gerade im Polizeidienst. Für sie wäre die Bundeswehr eine zweite Option.
"Mal was an mein Land zurückgeben"
Und Elias aus Deggendorf wird in einem halben Jahr 17. Er hat sich schon beworben als Panzergrenadier. Es brauche immer Leute, die bereit seien, ihr Land zu verteidigen, sagt er. Für ihn gehöre es einfach dazu, wenigstens ein Jahr mal was getan zu haben für sein Land, mal was zurückzugeben, weil man in Deutschland mit so vielen Vorteilen lebe. Und Leon erhofft sich Vorteile, wenn es tatsächlich zum Ernstfall kommt. Dann sei man ausgebildet, im Gegensatz zu denen, die dann zwangsgemustert würden, sagt der 16-Jährige aus der Nähe von München.
Thereza aus dem Landkreis Passau und Leoni aus München haben schon konkretere Pläne. Für sie soll es zu den Panzergrenadieren gehen, wenn sie die Schule abgeschlossen haben. Ole-Hendrik aus Hannover möchte Notfallsanitäter werden in der Truppe.
Auch wenn es körperlich sehr fordernd sei, die ersten Eindrücke vom Dienst in der Heerestruppe seien positiv, so das Fazit der jungen Interessierten.
Hindernisse überwinden, das gehört zum Training als Soldat.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!


